Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
„Vom feinsten durchbeleidigt“

Prozess ohne Angeklagten „Vom feinsten durchbeleidigt“

Der Besuch eines Gerichts kann für eine Schulklasse eine spannende Angelegenheit sein - selbst wenn der Angeklagte nicht auftaucht. Bei einem Prozess gegen einen 22-Jährigen aus Lauenau nutzte Richter Andreas Feldhaus dessen Fernbleiben, um den Schülern den Ablauf einer Verhandlung nahezubringen.

Voriger Artikel
Das hat gekesselt
Nächster Artikel
Lauenaus Statisten sind wieder gefragt

Symbolbild

Quelle: Archiv

Lauenau/Stadthagen. Eigentlich sollte sich der Lauenauer vor dem Amtsgericht Stadthagen für sein Fehlverhalten verantworten, welches er am 30. August des vergangenen Jahres an den Tag gelegt hatte. Der Mann beschädigte im Drogenrausch die Tür der Wohnung seiner Mutter. Die herbeigerufenen Polizistinnen „wurden vom Feinsten durchbeleidigt“, wie eine der beiden, die eigentlich als Zeugin geladen war, vor Gericht erzählte. Als der Mann zum Polizeiauto geführt wurde, versuchte er, sich zu befreien, und setzte zu einer Kopfnuss gegen die seinerzeit uniformierte Zeugin an, die allerdings ausweichen konnte.

Randale in der Polizeistation

Auch auf der Polizeistation in Bad Nenndorf hat sich der 22-Jährige nicht beruhigen können und beschädigte die Ruftaste der Zelle, zerkratze die Innenseite der Zellentür und schlug Teile des Putzes aus der Wand. Zu guter Letzt zerstörte ein Diensthandy der Polizei, mit dem er vorher seine Mutter darüber unterrichtet hatte, dass er aufgrund seines Zustandes in die Psychiatrie nach Wunstorf gebracht werden sollte. Nach einer Nacht entließ sich der Angeklagte von dort selbst, offenbar ist er aber wenig geläutert, blieb er doch nun der Verhandlung fern.

„Das ist das Dümmste, was man machen kann“ erklärte Richter Feldhaus den Anwesenden. In dem Fall verliere der Angeklagte definitiv, da das, was der Kläger ihm unterstellt, als wahr angenommen wird. Auch bei dem Ermitteln der Straftaten, die vorgefallen sind, wusste Feldhaus Interessantes zu berichten. Ein Schüler warf das Wort „Beamtenbeleidigung“ in den Raum. „Das Kaiserreich lässt grüßen“, sagte Feldhaus schmunzeln und wies daraufhin, dass es jenen Passus zwar vor 100 Jahren noch gegeben habe, heutzutage aber nur noch den Tatbestand der Beleidigung im Strafgesetzbuch geführt wird.

Strafbefehl erlassen

Womöglich hätte auch der Angeklagte noch etwas lernen können, wäre er denn zu seiner Verhandlung erschien. So erließ Feldhaus einen Strafbefehl. Der 22-Jährige muss wegen Beleidigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamten in Tateinheit mit Beleidigung und versuchter Körperverletzung 120 Tagessätze zu je 20 Euro zahlen. js

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg