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Wenn Kinder trauern

Lauenau Wenn Kinder trauern

Der gewaltsame Tod der Lauenauerin Ines K. vergangene Woche hat viele Menschen in Schaumburg erschüttert. Besonders tragisch daran: Die Verstorbene hatte eine Tochter im Grundschulalter. Im Interview erklärt Regina Reichart-Corbach, Leiterin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche in Obernkirchen, wie Kinder mit dem plötzlichen Verlust eines Elternteils umgehen.

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Kinder gehen mit Verlust und Trauer oft ganz anders um als Erwachsene (Symbolbild).pr.

Lauenau/Landkreis. Inwiefern nehmen Kinder den plötzlichen Tod eines Elternteils anders wahr als ein Erwachsener?

Die schlimmste Erfahrung, die ein Kind machen kann, ist der plötzliche Tod eines Elternteils. Er führt die Liste der belastenden Lebensereignisse an. Kinder im Vorschulalter können Schutzfaktoren entwickeln, Kinder im höheren Grundschulalter begreifen das Geschehen in seiner ganzen Endgültigkeit. Für ein Kind stellen sich auch existenzielle Fragen, aber sie sind anderer Natur, zum Beispiel kann ein Kind sich darüber Sorgen machen, wer nun für die Familie kochen oder das Geld verdienen wird. Im Übrigen trauern Erwachsene und Kinder ähnlich. Sie haben mit überwältigenden Gefühlen von Angst, Verzweiflung und Wut zu kämpfen und fühlen sich leer und hilflos. Kinder sind auf die Hilfe von Erwachsenen angewiesen, da sie Unterstützung nicht eigenständig organisieren können.

Wie stark nehmen Kinder den Unterschied zwischen einem Unfall und einem Gewaltverbrechen wahr?

Das kommt natürlich auf die Umstände des Einzelfalls an. Welche Bilder haben sich eingeprägt? War das Kind am Unfall beteiligt? Hat es den toten Elternteil gesehen und wenn ja, in welchem Zustand? Bei gewaltsamen Todesfällen stellt sich automatisch auch für Kinder die Frage nach dem Täter und der Schuld. Ihre Fragen müssen behutsam und so offen wie möglich beantwortet werden.

Wie wird bei einer Beratung im Allgemeinen vorgegangen, gibt es einen festen Grundstock oder ist das Vorgehen je nach Kind absolut verschieden?

Letzteres. Einige Punkte sind jedoch immer wichtig: Das Kind darf nicht allein gelassen werden und braucht möglichst einen vertrauten Erwachsenen als Ansprechpartner. Kinder brauchen generell Normalität, Kontinuität und verlässliche Alltagsstrukturen. Es hängt vom Kind ab, ob es ihm gut tun würde, sofort wieder zur Schule oder in den Kindergarten zu gehen. Erzieher und Lehrer sind in jedem Fall gut beraten, in solchen Fällen Personen mit einzubeziehen, die den Prozess professionell begleiten.

Was raten Sie Verwandten, Freunden und Bekannten, wie sie mit den Kindern umgehen sollten, denen so etwas passiert ist?

Scheuen Sie sich nicht, Ihrer eigenen Trauer Ausdruck zu geben, aber überfordern Sie das Kind nicht mit Ihren eigenen Emotionen. Sie haben als Erwachsene eine Modellfunktion. Finden Sie kindgerechte Erklärungen, tröstliche Bilder und Abschiedsrituale (Basteln, Bilder malen, Briefe schreiben). Sprechen Sie mit dem Kind über den Verstorbenen. Kinder machen sich nach solch einem Ereignis viele Sorgen und sollten über diese reden dürfen. Es tut Kindern gut, auch schöne Erinnerungen auszudrücken. Dabei können durchaus anfangs auch noch Tränen fließen. Kinder sind auch im Bereich der Trauer sprunghafter als Erwachsene. Sie trauern häufig punktuell, das heißt, sie weinen im einen Moment, und im nächsten spielen sie fröhlich mit ihren Freunden. Diesen unbeschwerten Schonraum sollte man ihnen auf jeden Fall gönnen und ermöglichen. Jeder Mensch trauert anders. Trauerreaktionen können sich zum Beispiel in Wutanfällen, sozialem Rückzug, Konzentrationsstörungen äußern, die nicht gleich Krankheitswert haben.

Wie stark belasten Gerüchte und Mutmaßungen gerade bei unaufgeklärten Gewaltverbrechen die Kinder?

Auch die Umwelt der Familie muss das Geschehen verarbeiten. Gespräche darüber gehören zum normalen Bewältigungsverhalten. Selbstverständlich belasten Gerüchte die Kinder, wenn sie davon erfahren. Dies ist das wichtigste Argument dafür, Kinder nicht anzulügen, sondern ihnen eine kindgerechte Version des tatsächlichen Geschehens zu geben. So werden sie nicht aus der Bahn geworfen, wenn andere Kinder sie mit Gerüchten oder auch Tatsachen konfrontieren.

Interview: Kathrin Klette

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