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Das lange Ende einer Dienstfahrt

Altenhagen II Das lange Ende einer Dienstfahrt

Seine letzte Klassenreise im April 2010 hat der pensionierte Lehrer Hans-Jürgen Müller bis heute nicht vergessen.

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Nichts ging mehr: So sah es im April 2010 am Flughafen Hannover aus, als die Aschewolke Europas Flugverkehr lahmlegte.

Quelle: pr.

Von Guido Scholl

Altenhagen II. Aber nicht wegen der idyllischen Landschaft und des unterhaltsamen Programms. Vielmehr kämpft der Altenhäger bis heute darum, dass die Fluggesellschaft Germanwings seinerzeit entstandene Zusatzkosten zurückerstattet. Müllers Klasse war nämlich von einer Aschewolke gestoppt worden.

Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull hatte seinerzeit den Flugverkehr über Europa tagelang lahmgelegt. Als der Flug-stopp verhängt wurde, wollten Müller und zwei weitere Lehrer gerade mit ihren acht Schülern vom italienischen Lamezia Terme aus die Heimreise antreten. Doch der Flug verzögerte sich laut Anzeigetafel. Später hieß es, er sei komplett gestrichen – 14 Stunden lang hatten Lehrer und Schüler an jenem 17. April am Flughafen ausgeharrt.

Einen Ansprechpartner von Germanwings konnte Müller nach eigenen Worten nirgends finden. Mitarbeiter eines am Flughafen ansässigen Reisebüros gaben sich als Vertreter der Fluggesellschaft aus, konnten aber wenig helfen. Müller buchte eine zusätzliche Übernachtung in einem Hotel, weil er schlicht nicht wusste, wie die Gruppe nach Deutschland kommen sollte.

Als die Lehrer und Schüler der IGS Mühlenberg am 18. April zum Flughafen zurückkehrte, gab es noch immer keine Neuigkeiten von Germanwings. Da nahm Müller das Heft in die Hand, zumal zwei Schülerinnen krank geworden waren. Die beiden Reisebüro-Mitarbeiter boten eine Busfahrt nach Deutschland an. Für 200 Euro pro Nase – bar auf die Hand – traten Schüler und Lehrer die Heimreise an. Zwei „dunkle Typen“, so Müller, überwachten die Bezahlung. „Das war etwas dubios“, sagt er rückblickend.

Daheim angekommen, fand Müller im E-Mail-Postfach die erste Nachricht von Germanwings. Mit dem Schlagwort „Flugzeitenänderung“ teilte die Lufthansa-Tochter mit, dass die elf Fluggäste am 20. April um 9.15 Uhr nach Köln-Bonn fliegen können. Abgeschickt worden war die E-Mail am Abend des 19. April um 20.16 Uhr. Kurz darauf folgte die nächste Überraschung: Germanwings erstattete Müller die Hälfte des Flugpreises für die Rückreise. Ungefragt. Und das Unternehmen teilte dem Pädagogen mit, er habe damit von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht, entweder den halben Flugpreis – in diesem Fall 836 Euro – zurückzuverlangen oder Regressansprüche anzumelden. Wann er diese Wahl getroffen haben soll, fragt sich Müller bis heute.

Doch der Altenhäger ließ die Sache nicht auf sich beruhen und erhob Widerspruch. Schließlich waren ihm insgesamt 2962 Euro Unkosten entstanden. Das Geld erstattete die Schule ihm auch bald. Aber Müller geht es ums Prinzip. „So etwas will ich nicht durchgehen lassen“, betont er.

Im Jahr 2011 reichte sein Anwalt Klage ein, erst im März 2014 urteilte ein Richter. Und der gab Müller Recht. Germanwings hatte zuvor argumentiert, Müller habe sich mit seinen Schülern eigenmächtig auf die Heimreise begeben, ohne mit der Fluggesellschaft zu kommunizieren. Doch der Altenhäger war seinerzeit zu der Überzeugung gelangt, dass Germanwings von den italienischen Reisebüro-Mitarbeitern vertreten wurde. Da ihm niemand helfen konnte, sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als auf eigene Faust zu handeln. Das Amtsgericht Köln folgte Müllers Sichtweise.

Doch damit gibt sich Germanwings nicht zufrieden. Deren Anwälte von der Kanzlei Ulpianus in Dortmund legten Widerspruch ein. Unter anderem soll Müller gar nicht der rechtmäßige Vertreter der Schüler, die mittlerweile allesamt die Schule verlassen haben, sein. Dabei hat sich Müller von allen Schülern schriftlich bestätigen lassen, dass er deren Interessen vor Gericht vertreten kann. Die Echtheit dieser Erklärungen zweifeln die Rechtsanwälte an. „Man unterstellt mir gewissermaßen Betrug“, sagt Müller kopfschüttelnd.

Die Fluggesellschaft Germanwings wollte sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern. Nun geht der Prozess in die nächste Runde. Müller hofft, dass die Richter die Sache ähnlich beurteilen wie in erster Instanz. Das Geld würde dann an die Schule fließen.

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