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Vor 70 Jahren erschossen

Tragische Geschichte des Willi Borcherding Vor 70 Jahren erschossen

8. April 1945: Der Zweite Weltkrieg liegt in seinen letzten Zügen. Weite Teile Deutschlands liegen in Trümmern, während die Gemeinde Messenkamp verschont blieb. Der zehnjährige Willi Borcherding spielt im Garten seiner Großeltern, als er plötzlich eine Gruppe des Deutschen Jungvolkes vorbeiziehen sieht.

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Gerd Lohmann kümmert sich um das Grab von Willi Borcherding. 

Quelle: js

Messenkamp. Der aufgeweckte Junge steht vor der Entscheidung, sich dem Tross unerlaubterweise anzuschließen – für das Jungvolk ist er eigentlich noch nicht alt genug – oder doch lieber im sicheren Garten von Oma und Opa zu bleiben. Er tut, was viele Kinder in seinem Alter tun würden: Er entscheidet sich für das Abenteuer. Es sollte das letzte in seinem Leben sein.

Die Gruppe des Jungvolkes, einer Organisation der Hitlerjugend, wollte weggeworfene Waffen und Ausrüstungsgegenstände sammeln. Am Waldrand des Kappenberges angekommen, erschien plötzlich eine Staubwolke, die einen amerikanischen Truppenverband ankündigte. Die Jungen versteckten sich, wurden aber von den anrückenden Soldaten entdeckt. Diese hielten sie fälschlicherweise für sogenannte Werwölfe – eine militärische Untergrundbewegung, die im September 1944 von Heinrich Himmler ins Leben gerufen wurde – und eröffneten das Feuer. Die Gruppe des Jungvolks konnte entkommen. Willi Borcherding hingegen ging tödlich getroffen zu Boden.

Am Mittwoch jährt sich der Todestag des Messenkämpers zum 70. Mal. „Es ist eine tragische Geschichte, die immer wieder im Dorf erzählt wird“, sagt Gerd Lohmann, ehemaliger Bürgermeister von Messenkamp. Als er vor zehn Jahren eine Ehrentafel zum Gedenken der gefallenen Soldaten der Gemeinde plante, „durfte Willi Borcherding einfach nicht fehlen“.
Während seiner Recherchen brachte Lohmann in Erfahrung, dass das Grab von Borcherding immer noch auf dem Friedhof zu sehen ist. „Die Ruhestätte war ein wenig in Vergessenheit geraten und dazu noch von einer sperrigen Ligusterhecke umgeben.“ Wie sich herausstellte, war Willi Borcherding gar der Erste, der auf dem neuen Friedhof kurz vor Altenhagen II beerdigt wurde.

Lohmann befreite die Ruhestätte des Jungen von dem Unrat und reinigte die Kopfplatte, damit jeder sehen konnte, wann Borcherding gestorben ist. Da sich kein Angehöriger der Familie Borcherding um die Grabstelle kümmern konnte, nahm sich Lohmann der Sache an. „Ich möchte das Erinnern an diese Zeit wachhalten“, sagt der ehemalige Bürgermeister, dessen Vater selbst im Krieg gefallen war.

Damit das Grab auch weiterhin erhalten bleiben kann und keine Kosten für die Gemeinde entstehen, wurde im Herbst vergangenen Jahres mithilfe des Steinbildhauers Stephan Graf eine Sandsteinabdeckung angefertigt. Finanziert wurde diese von Lohmann, Graf und Hilde Stickel, einer Anwohnerin, die das Schicksal des Jungen ebenfalls berührte.
Ein Schicksal, das stellvertretend für die Abertausenden sinnlosen Tode steht, die gerade in den letzten Kriegsmonaten sowohl aufseiten der Alliierten als auch der Deutschen und deren Verbündeten zu verzeichnen waren – und keinesfalls in Vergessenheit geraten dürfen. „Deswegen ist es wichtig, „dass wir die Jüngeren durch diese Geschichte mit der Tragik des Krieges vertraut machen“, resümiert Lohmann.  js

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