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Pohle „Das Gerücht ist eine Unverschämtheit“
Schaumburg Rodenberg Pohle „Das Gerücht ist eine Unverschämtheit“
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17:09 21.07.2011
Viele Pläne und verärgert über örtliche Gerüchte: Patrick und Leszek Glowacki (von rechts) mit Tochter Julia sowie Matthäus Monkiewicz und dessen Sohn Gabriel. Quelle: nah
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Pohle (nah). Sohn Patrick wird deutlicher: „Warum ist nicht vorher jemand gekommen und hat uns gefragt?“

Wie berichtet, hatte sich in der vorvergangenen Woche unter den örtlichen Politikern eine heftige Diskussion über eine mögliche Umnutzung des früheren Anwesens Sustrate entwickelt. Offen wurde darüber spekuliert, ob nach dem unansehnlichen Anblick einer Autoverwertung an der Ortsgrenze zu Lauenau sich nun auch ähnliche Zustände in der Dorfmitte entwickeln könnten. Die CDU-Fraktion brachte sogar einen zunächst nicht weiter verfolgten Antrag ein, einen Bebauungsplan aufzustellen. Niemand aber kam auf die Idee, sich direkt bei den künftigen Neubürgern nach deren Plänen zu erkundigen. Der stellvertretende Gemeindedirektor Jürgen Bock wusste lediglich von der beteiligten Maklerin zu berichten, dass der Besitzer einer Autowerkstatt in Seelze das Anwesen erworben habe und dessen Restaurierung beabsichtige.

Jetzt standen Maurermeister Leszek Glowacki (52), Kraftfahrzeugmeister Patrick Glowacki (28) und Schwiegersohn und Elektronikexperte Matthäus Monkiewicz (28) entrüstet vor dem denkmalgeschützten Anwesen. Sie haben nach eigenen Angaben völlig lautere Absichten: Der Vater will die historischen Gebäude, zu denen auch ein baugeschichtlich bedeutsames Altenteilerhaus von 1789 gehört, nach allen Regeln handwerklicher Kunst sanieren: „Das wird schöner aussehen als jemals zuvor.“ Sohn und Schwiegersohn haben schon einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt. Sie möchten in der der Scheune angegliederten ehemaligen Maschinenhalle von 200 Quadratmetern eine markenfreie Autowerkstatt für Reparaturen und Inspektionen aller Modelle und besonderem Schwerpunkt auf Motoren und Elektronik von VW und Mercedes eröffnen. Außerdem verstehen sie sich auf die Reparatur von landwirtschaftlichen Maschinen. Gerade Letzteres dürfte für hiesige Agrarbetriebe von besonderer Bedeutung sein, glauben die beiden Jungunternehmer.

Der Start für die Werkstatt könnte schon im Herbst erfolgen. Für die Restaurierung der gesamten Hofanlage hat sich Leszek Glowacki dagegen drei Jahre vorgenommen. Hinreichend Erfahrungen bringt er mit: In seiner polnischen Heimat nördlich von Warschau habe er bereits zwei marode Gebäude saniert; auch der anfangs desolate Wohnsitz in Seelze sei durch ihn umfassend erneuert worden.

In der örtlichen Politik, in der schon seit Wochen die Schrottplatz-Gerüchte kursieren, hat inzwischen offenbar ein erstes Umdenken in der Beurteilung der Angelegenheit eingesetzt: Zum Wochenbeginn bat die SPD-Fraktion um einen Besuchstermin. „Endlich hat mit uns jemand gesprochen“, freute sich Leszek Glowacki. Doch bei Sohn Patrick sitzt der Ärger immer noch tief: Dass man mit solchen Gerüchten schon vor dem Einzug so verunglimpft werde, sei doch eigentlich eine „Unverschämtheit“.

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