Pohle (nah). Vier Tage nach dem Beschluss der Kommunalpolitiker übte Trainer André Neusel, der bereits in der Sitzung Stellung zum Antrag bezogen hatte, während der Jahresversammlung des Sportvereins heftige Kritik.
Ursprünglich wollten die Sportler 4000 Euro haben, weil hinter dem Tor auf der Ostseite unbedingt ein neuer Schutz entstehen müsse, da es Konflikte mit einem Nachbarn wegen verirrter Bälle gebe. Neusel rechnete Kosten „mit günstigsten Varianten aus dem Internet“ vor. Hinzu kämen Aufbau und „Material für die Installation“. Das jedoch wolle der Verein mithilfe von Förderern selbst abdecken. Zugleich teilte der Vorstand mit, die Anlage „allgemein sanieren“ zu wollen, „sodass auch die Bürger des Dorfes (und) andere Vereine die Anlage zukünftig anderweitig nutzen können“.
Während die CDU durch ihren Sprecher Eberhard Hasler zwei Raten von jeweils 2000 Euro in 2012 und 2013 vorschlug, widersprach die SPD: Rainer Helbig lehnte eine Bevorzugung des TSV gegenüber anderen Vereinen ab. Er bemängelte, dass der TSV nicht seine eigene finanzielle Situation und damit den Umfang einer Eigenbeteiligung dargelegt habe.
In einer Sitzungsunterbrechung des Rates unterstrich Neusel die Notwendigkeit der Maßnahme, auch um den Zwist mit dem Nachbarn zu begrenzen: „Wir wollen endlich Frieden haben.“ Zur finanziellen Beteiligung stellte er 1000 Euro aus der Vereinskasse und weitere 1000 Euro von Förderern in Aussicht. „Dann geben wir jeweils 1000 Euro in 2012 und 2013“, schlug Ralf Wilkening (SPD) vor, der zuvor darauf hingewiesen hatte, dass auch von anderen Vereinen erbetene Zuschüsse nur sehr restriktiv verteilt würden. Der Beschluss erging einstimmig.
Vor seinen Vereinskollegen zeigte sich Neusel aber unzufrieden. „Außer dem Bürgermeister hat niemand im Rat Interesse an den Vereinen“, wetterte er. Zugleich hielt er die rasche Montage eines Ballfangs auf der Westseite des Geländes wegen der dortigen Verletzungsgefahr noch für viel wichtiger als den hinter dem anderen Tor zu montierenden Zaun zum Schutz des Nachbarn vor Bällen.
Neusel will außerdem ein generelles Desinteresse am Sportgelände bemerkt haben: „Ohne die Fußballer und die Platzwartfamilie Niemann wäre im Sportheim doch gar nichts mehr los.“ Vorsitzender Wilhelm Battermann fand versöhnliche Worte zu Neusels Vorhaltungen: Vorstand und Fußballsparte müssten in Sachen Sportplatz „zusammenhalten“.
Bürgermeister Jörg Hupe will dem Verein mit Muskel- und Maschineneinsatz beim Ballfangbau helfen. Diese Zusage im Rahmen seines Grußworts erfolgte jedoch vor der späteren Kritik aus den Fußballerreihen. Und auch vor Bekanntwerden des TSV-Kassenbestands: 11000 Euro.
SN-Online.de Anmeldung
