Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 16 ° wolkig

Navigation:
Kein Ausschank mehr

Letztes Pohler Lokal hat geschlossen Kein Ausschank mehr

Ein Todesfall hat die Einwohner von Pohle vor einigen Wochen erschüttert. Gastwirt Helmut Homberg war plötzlich verstorben. Zur menschlichen Tragödie hinzu kommt ein empfindlicher Einschnitt in das Dorfleben: Kein Bier gibt es mehr am Tresen, und auch der Stammtisch bleibt verwaist.

Voriger Artikel
Pohler Landjugend plant Erntefest
Nächster Artikel
Auch für Magd und Knecht

Das letzte Pohler Dorfgasthaus ist geschlossen: Dagmar, Gerda und Franziska Homberg (von links).

Quelle: nah

POHLE. Die Entscheidung aber, das Lokal für immer zu schließen, hatte der 61-Jährige noch zu Lebzeiten getroffen. Lediglich die bereits verabredeten Familienfeiern sollten noch abgewickelt werden. Danach hätte sich Homberg mit seiner Familie und der noch lebenden Mutter Gerda den Ruhestand gegönnt. Nur die vier Fremdenzimmer sollten weiterhin vermietbar sein.

Das Gasthaus war das letzte von einst drei dörflichen Treffpunkten: An die Häuser Bruns (zuletzt Diskothek Blockhütte) und Auetal (zuletzt Diskothek Atelier) erinnern sich nur noch die älteren Einwohner. Das Haus Homberg eröffnete erst 1962. Bis dahin waren hier ein Gemischtwarenladen und Viehhandel zu finden. Helmut Theodor Homberg baute die Gaststätte aus, weil der Lebensmittelverkauf allmählich zurückging.

Gerda Homberg erinnert sich jedoch gut, dass auch der Kneipenbesuch bald zu wünschen übrig ließ: „Das war in der Zeit, als immer mehr Fernseher in den Wohnzimmern flimmerten.“ Mit einem Bildschirm in der Gaststube hatten bis dahin viele dörfliche Lokale noch ein attraktives Alleinstellungsmerkmal. Die gebürtige Schlesierin blickt auf ein arbeitsreiches Leben zurück, zumal die Familie über viele Jahre auch die Raststätte Schafstrift an der Autobahn führte: „Bei Fernfahrern hießen wir nur Nudelberg wegen meiner beliebten Suppe“, verrät sie und gibt auch zu, dass sie in besten Zeiten „bis zu 1000 Buletten pro Woche“ von Hand geformt hatte.

Gasthäuser-Sterben in den Dörfern setzt sich fort

Mit Sohn Helmut und Ehefrau Dagmar trat die nächste Generation in das Unternehmen ein – und erlebte einen neuen Schwerpunkt: Immer mehr familiäre Anlässe wurden in Gaststube und Klubzimmer ausgerichtet. Das habe es in früheren Zeiten nicht gegeben, weiß Gerda Homberg: „Da wurde zu Hause gefeiert“. Während also an Wochenenden Jubiläen dominierten, reduzierten sich die Öffnungszeiten an den Werktagen immer mehr. Seit 1985 waren nur noch montags und donnerstags Gäste willkommen. Damit sollte aber, so hatte sich Helmut Homberg entschieden, nun auch Schluss sein.

Es ist die Fortsetzung einer seit vielen Jahren andauernden Entwicklung: Beinahe vergessen sind die dörflichen Lokale im benachbarten Meinsen und in Schmarrie, in Altenhagen II und auch der „Dorfkrug“ in Feggendorf. In Hülsede bietet sich das Gasthaus Steinmeyer schon seit zehn Jahren nur noch für große Versammlungen und für Familienfeiern an. In Messenkamp hat das Gasthaus Möbert 2016 seine Existenz beendet, obwohl immer noch die großen Transparente auf Hotel und Kegelbahn hinweisen.

Einzig die Messenkämper Kneipe „Refugium“ und das Feggendorfer Gasthaus „Zur Linde“ sind übrig geblieben. Die „Linde“, mit ihrem Schwerpunkt auf Mittagsservice, Familienfeiern und Themenbuffets, hat aber auch schon seine Alltagsöffnungszeiten reduziert. Und das „Refugium“ hat keinen Saal.

Stammtisch als Ersatz möglich

Die Schließung des letzten Lokals im Ort beschäftigt den Pohler Bürgermeister Jörg Hupe. „Wir müssen uns da Gedanken machen“, denkt er an eine weitere Aufwertung des Dorfgemeinschaftshauses zu einem regelmäßigen Treffpunkt. Ein öffentlicher Stammtisch könnte es werden, nicht als Schankbetrieb, wohl aber mit einem Verantwortlichen, der sich um alles Organisatorische kümmert. Diesen Prozess hat Altenhagen II bereits hinter sich: Bald nach der Schließung des Gasthauses Wismer wurde ein monatlicher Stammtischabend ins Leben gerufen. Regelmäßig finden sich dort bis zu zwölf Personen ein, um örtliche Neuigkeiten auszutauschen.

Nach dem Tod des Mannes hat Dagmar Homberg viel telefoniert und die bereits verabredeten Termine abgesagt. „Allein schaffen wir das nicht“, sagt sie. Nur das Übernachtungsangebot soll bestehen bleiben. Und auch die nächste Generation suchte – schon auf Anraten des Vaters – ihr Heil abseits der Gastronomie. Franziska Homberg kümmert sich letztlich doch um ein väterliches Erbe: Schafe und Pferde.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die SN suchen kreative Schaumburger. Ob Fotografie, Farbe, Skulpturen oder was die Kunst sonst alles hergibt: Unter dem Motto „Schaumburg kreativ“ suchen die Schaumburger Nachrichten auch in diesem Jahr nach Künstlern in der Region. mehr

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg