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Pohle Kriegsgefangene hinterließen ihre Namen
Schaumburg Rodenberg Pohle Kriegsgefangene hinterließen ihre Namen
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00:33 04.10.2014
Vor rund 100 Jahren hinterließen Kriegsgefangene Spuren: Otto von Blomberg mit der beschrifteten Steinplatte. Quelle: nah
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Von Bernd Althammer

Pohle/Nienfeld. Jetzt hat es ihm eine Brunnenplatte angetan. Sie verrät etwas über den vor genau hundert Jahren ausgebrochenen Ersten Weltkrieg.

Bislang diente sie etwas unbeachtet als Tisch mitten im Wald an zwei steinernen Bänken. Ursprünglich aber umgab sie mit drei gleichartigen Sandstein-Tafeln den im Jahr 1797 errichteten Hofbrunnen. Das galt auch noch 1914, als dem landwirtschaftlichen Betrieb drei französische Kriegsgefangene zugewiesen worden waren. Denn für die Stall-, Hof- und Feldarbeit fehlten die kräftigen Männer, weil diese zum Militärdienst einberufen waren.

Ob nun aus sonntäglicher Langeweile oder als gewünschte bleibende Erinnerung ritzten François Cobrol, Anthime Marie und Josephe Mouret ihre Namen und die Jahreszahlen von 1914 bis 1917 in den Stein. Offenbar jeder für sich, glaubt von Blomberg angesichts der mitunter ungelenk erscheinenden Buchstaben. Zudem müssen Hammer und Meißel von oben und damit spiegelbildlich geführt worden sein, wie zum Beispiel ein „n“ verrät.

Von Blombergs Großeltern ließen wahrscheinlich in den dreißiger Jahren die Platte abbauen und an ihren späteren Platz im Wald bringen, bis sie jetzt zumindest vorübergehend wieder zurück auf den Hof gelangte.

Denn Rotarier-Freunde aus Bückeburgs französischer Partnerstadt Sablé hatten sich angesagt, denen das hiesige Klub-Mitglied von Blomberg das historische Kleinod präsentieren konnte. Anfragen bei Behörden im Nachbarland über Verbleib oder Nachkommen der damaligen Kriegsgefangenen liefen dagegen ins Leere.

Dennoch zeigten sich die Gäste beeindruckt, dass sich im 100. Jahr nach Kriegsbeginn ein solches zeitgeschichtliches Dokument erhalten habe. Von Blomberg zeigte ihnen auch das damals eigens für die „Prisoniers de Guerre“ errichtete kleine Wohngebäude, das sich immer noch in der Hofmitte befindet – „mit nur von außen zu öffnenden Fenstern“, wie der Hausherr ausdrücklich betont: „Vielleicht war nachts sogar die Tür von außen verschlossen“, rätselt er über mögliche Fluchtabsichten.

Für den Gutsherrn ist mit der jetzt aufgearbeiteten Steinplatten-Historie allerdings auch klar, dass der immer noch verbreiteten Sage, ein Münchhausen sitze zur Geisterstunde ruhelos am steinernen Tisch, die Grundlage fehlt. „Jedenfalls nicht an diesem“, schmunzelt er über die alte Spinnstubengeschichte, weil es doch die Großeltern gewesen seien, die die Platte erst vor etwa 80 Jahren in den Wald transportiert hatten.

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