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20 Kandidaten für „Stolpersteine“

Rodenberg / Holocaust-Opfer 20 Kandidaten für „Stolpersteine“

Das „Bündnis für Demokratie Rodenberg“ (BüRo) ist einen Schritt weiter auf dem Weg zu mehr „Stolpersteinen“ für die Deisterstadt. Bei der bisherigen Recherche sind 20 Holocaust-Opfer ausfindig gemacht worden, die einen Bezug zu Rodenberg haben.

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Die Familie Bonwitt wohnte in dem aprikotfarbenen Fachwerkhaus an der Langen Straße, bevor sie deportiert wurde. 

Quelle: gus

Rodenberg. Der Künstler Gunter Demnig hatte im vergangenen Dezember einen „Stolperstein“ für den Sozialdemokraten Paul Jost an der Echternstraße verlegt. Es war der erste für Rodenberg, und auch dieser war auf BüRo-Initiative an Ort und Stelle gelangt. Demnig verlegt die „Stolpersteine“ europaweit, rund 35 000 sind es bereits.

Die BüRo-Mitglieder wollen nun auch Rodenberger Juden mit entsprechenden Steinverlegungen gedenken. Dass Juden während des Dritten Reichs in der Stadt verfolgt worden sind, ist in der Rodenberger Chronik dokumentiert. Misshandlungen innerhalb der Familien Bonwitt, Windmüller und Lehmann tauchen dort auf.

BüRo-Sprecher Uwe Märtens hat sich auf die Suche nach weiteren jüdischen Opfern des Nazi-Regimes begeben und wurde im Internet-Portal von Yad Vashem, der größten Holocaust-Gedenkstätte der Welt, fündig. 20 Namen tauchten mit Bezug auf Rodenberg auf. Allerdings geht Märtens nicht davon aus, dass auch 20 „Stolpersteine“ verlegt werden, da die weitere Recherche erst zeigen wird, ob die Stadt tatsächlich letzter Wohnort der Getöteten war. So hält es Demnig mit den „Stolpersteinen“: Sie werden an der letzten Wohnstätte der Opfer platziert.

Märtens glaubt, zwischen vier und zehn Steinen verlegen lassen zu können, wenn die Untersuchungen unter anderem im Archiv der Gedenkstätte Ahlem beendet sind. Auch im Staatsarchiv in Hannover soll nach Fakten gefahndet werden.
Die BüRo-Mitglieder wollen aber nichts übers Knie brechen. Märtens: „Wir müssen da sauber recherchieren.“ Bis Herbst nächsten Jahres sollen genügend Informationen zusammengetragen sein, um die nächsten Stolpersteinverlegungen zu konkretisieren. Auch die Stadtschule will Märtens bitten, sich an dem Vorhaben zu beteiligen.

Bereits jetzt sind Details bekannt. Beispielsweise zur Familie Windmüller. Der Bruder des Holocaust-Opfers Oskar Windmüller und Sohn der ebenfalls getöteten Elsa und Gustav Windmüller hat Yad Vashem gemeldet, dass Oskar Windmüller nach Auschwitz deportiert worden war und dass sich dessen Spur dort verlor. Zuvor soll er Zwangsarbeiter in Ahlem gewesen sein. Der Hinterbliebene ist nach England ausgewandert und heißt nun mit Nachnamen Windham.

Die Familiennamen Bogen, Ganz, Zilberberg, Lenk, Weinberg, Levy, Goldschmidt, Cohn, Bonwitt und Aaron tauchen im Yad Vashem-Archiv ebenfalls auf. Klara Levy stand demnach auf der Häftlingsliste des Konzentrationslagers Theresienstadt, Albert Israel Levy auf der Liste ermordeter Juden in Auschwitz. Von dem meisten aufgeführten Opfern sind Gedenkblätter von Angehörigen bei Yad Vashem als Belege für deren Verschwinden eingereicht worden. gus

Stein beschmiert

Dass der erste „Stolperstein“ für Rodenberg bereits Ziel von Schmierereien geworden ist, lässt die BüRo-Mitglieder mit den Köpfen schütteln. Unbekannte haben demnach zweimal einen Judenstern an die Wand des Hauses an der Echternstraße gemalt, wo der Stolperstein für Paul Jost liegt. Dass Jost kein Jude war, sondern wegen seines Widerstands gegen die NS-Machenschaften inhaftiert wurde und zu Tode kam, mache die Schmierereien umso unpassender. Wer dafür verantwortlich ist, könne nur vermutet werden. r

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