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Rodenberg ASB muss warten
Schaumburg Rodenberg Rodenberg ASB muss warten
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12:57 05.06.2018
Die Kita-Kinder werden frühestens im November in der ehemaligen Arztpraxis betreut. Quelle: gus
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RODENBERG

Damit behielt Ratsfrau Patricia Kasper (Rodenberger Interessen) Recht, die diese mögliche Vorgabe in öffentlicher Sitzung ansgesprochen hatte. Bereits da hatte der zuständige Fachbereichsleiter, Jörg Döpke, eingeräumt, dass es rechtliche Bedenken geben könnte, wenn die Kommune dem ASB den Zuschlag erteilt, ohne den Zuschlag für den Kita-Betrieb öffentlich auszuschreiben. Dieser Argumentation folgte auch der Landkreis als Kommunalaufsicht.

Samtgemeindebürgermeister Georg Hudalla geht allerdings nicht davon aus, dass sich andere mögliche Kita-Träger melden. Schließlich befindet sich das frühere Gebäude der Arztpraxis Hornig bereits in Besitz des ASB, der direkt nebenan ein Pflegeheim betreibt. Und welcher freie Kita-Betreiber wäre wohl bereit, dem ASB die Immobilie abzukaufen, um dann darin eine Kindertagesstätte zu betreiben?, fragt er sich.

Risiko ist gering

Angesichts der Tatsache, dass ein verlässlicher Träger mit einem fertigen Raumkonzept in einer eigenen Immobilie und sogar einer gültigen Betriebsgenehmigung auf der Matte stand, geht Hudalla davon aus, dass auch ohne öffentliche Ausschreibung keine rechtlichen Probleme aufgetaucht wären. „Es ist unrealistisch, dass sich da wer anders meldet“, sagt Hudalla.

Das Risiko, dass der mögliche Protest eines freien Trägers Erfolg haben könnte, sei zudem ausgesprochen gering. Aber da es seitens der Entscheidungsträger im Rat solche Bedenken gegeben habe und diese auch öffentlich gemacht wurden – durch die mediale Berichterstattung – ist es der sicherste Weg, die Vergabe nun öffentlich auszuschreiben, so Hudalla.

Dies wiederum werde den Entstehungsprozess der Kindertagesstätte aber verzögern. Das Kindergartenjahr beginnt am 1. August. „Da werden wir den Eltern dieses neue Angebot nicht präsentieren können“, sagt der Verwaltungschef. Hudalla geht davon aus, dass der früheste Starttermin der 1. November ist – wenn denn der ASB dazu unter diesen Vorzeichen noch bereit ist.

ASB hat weiterhin Interesse

Doch da muss sich die Samtgemeinde offenbar keine allzu großen Sorgen machen. Ein ASB-Sprecher betonte auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Verzögerung zwar nicht gerade Jubel auslöst. Der Verein werde sich aber an einem solchen Interessenbekundungsverfahren beteiligen. Der ASB Hannover Land/Schaumburg habe weiterhin das Ziel, in dem eigenen Haus eine Kindertagesstätte zu betreiben.

In der besagten Fachausschusssitzung waren die ASB-Vertreter mit etlichen Detailfragen konfrontiert worden. Da ging es um die Entlohnung von Mitarbeitern, pädagogische Qualität und finanzielle Aspekte. Einige Informationen sollte der Antragsteller auf den Kitabetrieb noch nachreichen.

SPD-Sprecher Hans-Dieter Brand hatte in der Debatte zudem betont, dass das Thema bereits vor etwa einem Jahr aufgetaucht sei und die Debatte deutlich früher hätte starten können.

Kommentar

Eltern müssen's ausbaden

In den politischen Gremien Rodenbergs geschehen bisweilen seltsame Dinge. Da bietet ein erfahrener Träger von Kindertagesstätten wie der ASB der Samtgemeinde an, in einem eigenen Gebäude eine Kita zu betreiben, und in der ersten Debatte versuchen Politiker unterschiedlicher Lager, das Vorhaben so madig wie nur irgend möglich zu machen. Manche vermeintliche Gegenargumente waren augenscheinlich an den Haaren herbeigezogenen.

Und nun muss sogar ein Interessenbekundungsverfahren ausgeschrieben werden, bei dem allen Ernstes abgeklopft wird, ob nicht doch ein anderer möglicher Träger in dem Haus des ASB eine Kita einrichten möchte. Soll dieser Betreiber das Gebäude kaufen? Oder mieten? Beides wäre wirtschaftlicher Unfug. Und wie wahrscheinlich ist es, dass der ASB ein Haus an jemand anderen abtritt, das der Verein gerade erst erworben hat und für das er selbst schon ein fertiges Kita-Raumkonzept hat?
Unter den politischen Spiegelgefechten leiden am Ende die Eltern, die wegen des Zeitverzugs im August keinen Kita-Platz in Rodenberg sondern, wie bereits geschehen, in Lauenau oder Hülsede bekommen.

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