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Alte Pistole liegt im Bauschutt

Rodenberg Alte Pistole liegt im Bauschutt

Sommerliches Grün umgibt die Wallanlagen gleich hinter dem Rodenberger Rathaus. Es verdeckt ein wenig die trutzigen Mauern, die hinter Maschendrahtzaun und unter Wellblechdächern hervorragen. „Freilichtmuseum Schloss Rodenberg“ nennt sich die Anlage einschließlich des sogenannten Ständehauses, in dem das Heimatmuseum untergebracht ist. Dass sich dort historische Besonderheiten zeigen, die mindestens für Norddeutschland einmalig sind, wissen selbst manche Einheimischen nicht.

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Als weithin einzigartig gilt die Bastei als Verteidigungsanlage von Grabenwehr und Schlossgelände.

Quelle: nah

Rodenberg. Zielgenau ist die Kanone auf den kleinen Fußweg nahe dem Burgwallgelände gerichtet. Schon lange lauert dort kein böser Feind mehr. Höchstens vielleicht randalierende Zeitgenossen, die Scherben oder Kritzeleien hinterlassen. Vor Zeiten aber war das anders: Da musste der hiesige Besitz der Schaumburger Grafen gegen marodierende Truppen verteidigt werden. 1510 wurde das Bollwerk errichtet: Drei Wasserläufe umgaben das Schloss. Außer dem natürlichen Verlauf zweier Auearme wurden weitere Gräben durch ein Wehr gespeist.

 Fünf Türme entstanden sowie die mächtige Bastei mit Pulverkammer und Maueröffnungen, die heute als Hosen-, Maul- und Trichterscharten unterschieden werden. Damit der Pulverdampf nicht die jeweiligen Schützen einnebelte, gab es sogar Schmauchlöcher. Mindestens zweimal hat sich die Festung bei Belagerungen bewährt, bevor sie aus heute unbekannten Gründen 1667 abgerissen worden ist. Den Rest besorgte der Stadtbrand von 1859. Danach blieb nur noch das Ständehaus übrig.

 Während dieses als katholische Kirche in der Nachkriegszeit und später als Museum genutzt wurde, blieben die wertvollen Schätze im Boden weitgehend unbemerkt. Zwar schrieb Chronist Adolf Mithoff davon und hofften einige Heimatfreunde auf konkrete Forschungen, doch erst mit dem pensionierten Bundeswehroberst und Burgenexperten Erich Schales kam 1999 Bewegung in die Sache. „Heute können wir das zeigen, was er damals geschafft hat“, lobt Museumsführerin Marlies Berndt-Büschen dessen unermüdliches Wirken.

 Jährlich besuchen bis zu 5000 Personen die Einrichtungen der „Museumslandschaft Amt Rodenberg“, wie sich der frühere Heimatbund inzwischen nennt. Doch es könnten mehr sein: Genau wie die Vorsitzende Bettina Schwarz ist Berndt-Büschen fest davon überzeugt, dass selbst vielen Einheimischen die auch überregional bedeutsame Ausgrabung nicht bekannt ist.

 Wenn Bettina Schwarz oder sachverständige Helfer wie Helmut Stille unterwegs sind, gibt es keinen trockenen Geschichtsunterricht. Von Kanonenkugeln und Schießkammern ist die Rede. Der Blick fällt auf „Süßholz-Eichenpfähle“, die 500 Jahre nach ihrem Auffinden lange Zeit in 150 Kilogramm Zuckerlösung konserviert werden mussten.

 Und dann ist da noch die alte Pistole, die in die jüngste Vergangenheit des Schlosses passen könnte. Kürzlich fand sie ein Bauarbeiter beim Abbruch der Pizzeria am Amtsplatz im Schutt. Manchmal aber knallt es wirklich. Aber dann hat Helmut Stille in eine der fünf Kanonen auf dem Gelände zur Gaudi seiner Zuhörer einen Feuerwerkskörper gesteckt. nah

An den Wochenenden in die Bastei

Das ganze Jahr über ist sonnabends und sonntags von 15 bis 17 Uhr das Heimatmuseum Rodenberg geöffnet. Dort gibt es auch den Schlüssel, um im Außenbereich Bastei und Rondell in Augenschein zu nehmen. Für Gruppen ab fünf Personen bietet Marlies Berndt-Büschen unter der Telefonnummer (0 57 23) 61 92 weitere Termine an. nah

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