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Bedrohung real oder eingebildet?

Rodenberg/Stadthagen / Vor Gericht Bedrohung real oder eingebildet?

Weil er sich bedroht und unter Druck gesetzt fühlte, hat ein junger Rodenberger dreimal innerhalb weniger Wochen die Schaufensterscheiben an der Bäckerei eines ehemaligen Freundes zertrümmert. Einmal warf er dabei sogar einen Molotowcocktail hinterher. Wegen Sachbeschädigung und versuchter schwerer Brandstiftung hat das Gericht den heute 26-Jährigen jetzt zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt.

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Quelle: dpa

Rodenberg/Stadthagen (kle). „Was sich tatsächlich zwischen Opfer und Täter abspielte, lässt sich jetzt wohl nicht mehr vollständig ergründen“, sagte Richter Kai Oliver Stumpe in seiner Urteilsbegründung. Der Angeklagte jedenfalls behauptet, dass sein einstiger Freund ihn provoziert habe. Er habe ihn vor Freunden schlechtgemacht und ihm sogar mehrfach vor seiner Wohnung aufgelauert. „Er wollte mich aus Rodenberg raushaben.“ Angeblich um dem Ganzen ein Ende zu setzen, entschloss sich der Rodenberger, die Fenster zu der Bäckerei des Opfers, über der auch dessen Wohnung lag, einzuschlagen. Dieses Prozedere wiederholte sich daraufhin noch zweimal.
Eine doch sehr ungewöhnliche Reaktion, wenn zwei Männer miteinander im Streit liegen, fand Carsten Knepper, Richter in der ersten Hauptverhandlung. Unter anderem deshalb ordnete er ein Gutachten an, das den Geisteszustand des jungen Mannes klären sollte.
Eine tief sitzende psychische Störung, erklärte der Sachverständige, habe er bei dem Angeklagten nicht festgestellt, auch zum Tatzeitpunkt sei er sicher nicht komplett unzurechnungsfähig gewesen. Nicht auszuschließen sei jedoch, dass er damals eine etwas verschobene Wahrnehmung hatte. Der Grund: Der Beklagte nahm früher regelmäßig Amphetamine – zwar nicht mehr während der Tatzeit, jedoch könnten sich bei Betreffenden noch bis zu sechs Monate später „paranoid-psychotische Züge zeigen“, so der Sachverständige. Diese könnten das Gefühl der Bedrohung und den Drang zu der überzogenen Handlungsweise bestärkt haben.
Dieser Aspekt wirkte sich zusätzlich zu der Geständigkeit des Beklagten strafmildernd aus. Es sei deutlich geworden, dass sich der Beklagte – ob nun real oder eingebildet – tatsächlich von dem Opfer bedroht fühlte, so Stumpe. Allerdings ermahnte er den jungen Mann zuletzt noch einmal deutlich: „Dass die Flasche mit dem Molotowcocktail nicht zu Bruch ging, ist nur Zufall“, im schlimmsten Fall hätte er sich vielleicht wegen Totschlags verantworten müssen, wenn das Haus in Flammen aufgegangen wäre. Sollte er das nächste Mal wegen ähnlicher Ausbrüche vor Gericht stehen, „werden wir nicht mehr so viel Verständnis zeigen“.

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