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Bereit zur Flucht

Rodenberg / Bad Nenndorf Bereit zur Flucht

„Mayline“ hat es wirklich nicht leicht. Freundlich, aber auch sehr verunsichert lässt sich die scheue Hündin an der Leine von Jutta Schneider, Vorsitzender des Tierschutzvereins Rodenberg/Bad Nenndorf, über den Hof der Auffangstation führen.

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Wie es für „Mayline“ weitergeht, steht noch in den Sternen. Die zweijährige Mischlingshündin aus Bulgarien – hier mit Amtstierarzt Dr. Ulf Güber – ist in Bad Münder ausgebüxt und derzeit in der Tierauffangstation in Bad Nenndorf untergebracht.

Quelle: kle

Rodenberg/Bad Nenndorf. „Egal, wo sie ist, sie schielt nach jeder Fluchtmöglichkeit, die sich ihr bietet.“

 Die Hündin stammt offenbar aus Bulgarien, von wo aus sie von einem selbst ernannten „Tierschutzverein in Gründung“, so die Eigenbeschreibung der Organisation auf deren Homepage, nach Deutschland geholt wurde. Aus ihrer vorübergehenden Pflegestelle in Bad Münder büxte die scheue Hündin jedoch bald aus und streunte daraufhin wild herum. In Schaumburg wurde sie etwa ab dem 20. Juli gesichtet, in Lauenau, Rodenberg und schließlich in Bad Nenndorf, wo es dem Tierschutzverein Rodenberg/Bad Nenndorf vorige Woche gelang, sie einzufangen – „verängstigt und völlig abgemagert“, so Schneider.

 Besonders tragisch daran: Die genannte Organisation als Eigentümerin mache keine Anstalten, sich um das Schicksal des Tieres und dessen Verbleib zu kümmern. Die Anfragen von Schneider blieben bislang jedenfalls unbeantwortet. „Wenn ich so ein Tier hierher hole, dann muss ich mich doch auch darum kümmern“, beklagt Schneider.

 Den Namen der Organisation bekam sie von der vorübergehenden Halterin in Eimbeckhausen, die sich um die Hündin bis zur endgültigen Vermittlung kümmern sollte und die Schneider anhand der Chipnummer des Hundes ermitteln konnte. Nach Schneiders Eindruck war die junge Frau, die bereits zwei Hunde habe, mit der Betreuung eines Tieres, das jede Gelegenheit zur Flucht nutze, überfordert. Noch „dubioser“, so Schneider, erschien ihr aber die Organisation selbst, die auf ihrer Homepage weder ein Impressum, noch einen persönlichen Ansprechpartner ausweist.

 Sollte es dem Verein tatsächlich um die Rettung von Tieren gehen, sei dies für sie ein klarer Fall von falsch verstandener Tierliebe. Denn für „Mayline“ – auf diesen Namen haben Schneider und ihr Team die etwa zweijährige Mischlingshündin getauft – sei die aktuelle Situation alles andere als schön.

 Schaumburgs Amtstierarzt Dr. Ulf Güber kennt ähnliche Fälle von falsch verstandener Tierliebe aus Erfahrung. „Es gibt im Ausland viele Hunde, die jahrelang wild gelebt haben und gar keine Bindung an den Menschen haben“, erklärt er. „Solche Hunde sind nicht dafür geeignet, in eine Zwei-Zimmer-Wohnung zu kommen, und sie büxen sehr schnell aus.“ Zugleich gebe es im Ausland speziell gezüchtete Jagd- und Schutzhunde, die in Deutschland ihr Zuchtziel gar nicht ausleben könnten. Für solche Tiere sei es hierzulande gar nicht möglich, ein angemessenes Zuhause zu finden.

 In keinem Fall wolle er pauschal alle Tierschutzorganisationen, die Hunde aus dem Ausland holen, über einen Kamm scheren. Es gebe viele zertifizierte Organisationen, die gute Arbeit leisten und eng mit den Behörden zusammenarbeiten. Auch Privatleute, die sich im Urlaub in einen Hund „verliebt“ haben und ihn deshalb behalten möchten, seien nicht das Problem. Leider aber gebe es unter den Organisationen einige schwarze Schafe. Aus diesem Grund, erklärt Güber, existiere seit dem 1. August auch eine neue Regelung, nach der für die Einfuhr von Tieren auch aus EU-Ländern erst ein spezieller Antrag gestellt werden muss.

 Von der genannten Organisation war bislang keine Stellungnahme zu bekommen. „Mayline“ bleibt vorerst in der Obhut des Tierschutzvereins. kle

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