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Das Rodenberger Schloss ist gewachsen

Ergebnisse der Geophysik-Untersuchung Das Rodenberger Schloss ist gewachsen

Die verfeinerten Ergebnisse der geophysikalischen Untersuchung der Museumsinsel hat Kommunalarchäologe Jens Berthold jetzt vorgestellt. Im Nachgang zu der ersten Präsentation 2016 hat sich Berthold das Material noch einmal genau angeschaut und festgestellt, dass die alten Karten recht genau sind.

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Auf der Rasenfläche vor dem Schloss muss einst der Brunnen gestanden haben.

Quelle: Montage: Harmening

Rodenberg. Die Museumsinsel ist eine logische Konsequenz des mittelalterlichen Burgenbaus. Entweder wurden die Festungen auf Anhöhen errichtet oder eben als Niederungsburgen in Tal oder Ebene. Dort hoben die Menschen Schutzgräben aus, füllten sie mit Wasser und bildeten so künstliche Inseln. „Dies geschah in Rodenberg um das Jahr 1300“, so Berthold. Ausgebaut wurde die Burg bis Mitte des 16. Jahrhunderts, genaue Grundrisse gibt es aber erst seit 1777.

Nach dem Stadtbrand von 1859 verschwanden alle Gebäude außer dem Ständehaus, das auch heute noch steht. Die jetzigen Untersuchungen mit Radar- und Magnetwellen ergaben laut Berthold, dass die vorhandenen Grundrisse recht verlässlich sind. Doch es gab Lücken, wie schon die Sondagen vor der Sanierung des Treppenturms gezeigt hatten: Da tauchte eine Mauer im Erdreich auf, die zu einem Gebäude gehört haben musste, das vor dem Turm existiert hatte, aber in keinem Plan verzeichnet war.

Radarbilder zeigen rundes Mauergebilde

„Außerdem gab es keine Hinweise auf einen Brunnen, doch eine Burg ist auf eine Wasserförderstelle angewiesen“, so Berthold. Dessen Lage hat die Geophysik nun mit höchster Wahrscheinlichkeit ermittelt: Ab einem halben Meter unter der heutigen Grasnarbe zeigt sich auf den Radarbildern ein rundes Mauergebilde mit drei Metern Durchmesser ab. Es befindet sich recht genau in der Mitte der Insel. Drum herum befand sich eine großzügige Brüstung. Ein Zuhörer widersprach und behauptete, einen 1,30 Meter messenden Brunnen an der Stelle schon vor 15 Jahren nachgewiesen zu haben. Er wollte aber nicht verraten, mit welcher Methode ihm das gelungen ist. Eine Grabung nach dem Brunnen ist derzeit nicht geplant.

Unter anderem fanden die Forscher nun Hinweise auf drei größere Eisenobjekte neben der heutigen Denkmalfläche. Schutt, der auf einen Keller hindeutet, befindet sich im Erdreich direkt vor dem Eingang zum Heimatmuseum. Ein halbrundes Gebilde im vorderen Bereich neben dem Zugang zur Insel ließ sich indes nicht näher einordnen.

Mehrere Mauern bestätigen die Lage von Gebäuden auf den alten Karten. Einen Anbau deutete Berthold als Treppenturm oder als Treppenabgang in einen Keller. Doch es wurden auch Hinweise auf Mauern entdeckt, die nicht zu den aus den Grundrissen und anderen Dokumenten bekannten Gebäuden passen. Berthold erklärte jedoch, dass diese Teile der Burg ganz einfach in die Zeit vor den bekannten Grundrissen datieren. Der Archäologe vermutet zudem, dass die Anlage nach und nach gewachsen ist – von 30 mal 30 auf 50 mal 60 Meter. Dieses Ursprungsmaß passe auch zu anderen Burgen in der Umgebung. gus

Schloss oder Burg?

Das Rodenberger Schloss war zuerst eine Burg und wurde anschließend zum Schloss ausgebaut, wie Archäologe Jens Berthold erklärte. Burgen waren wehrhafte Festungen, die im Mittelalter errichtet wurden. Ab dem 16. Jahrhundert seien dann vornehmlich Schlösser gebaut worden. Darin residierten die Adligen, die Verteidigungsfähigkeit spielte dabei keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle. Manche Burgen indes blieben Teile von Schlössern oder wurden – wie in Rodenberg – umgebaut. Hochherrschaftliche Adelssitze wie jener in Herrenhausen sind reine Schlossanlagen ohne jeglichen Burgcharakter. gus

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