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Rodenberg Deister: Alte Taufe war einst Opferbecken
Schaumburg Rodenberg Rodenberg Deister: Alte Taufe war einst Opferbecken
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00:21 02.04.2018
In dem Steinbecken der Alten Taufe, hoch oben im Deister, steht immer etwas Wasser. Quelle: gus
Rodenberg/Nenndorf

Den Bewohnern dieser Gegend wurde der christliche Glauben aufgezwungen (siehe Infobox). Doch ein Mann hielt an seinem heidnischen Glauben fest und verfolgte die Christen – ebenso alle ehemaligen Heiden, die konvertiert waren. Er opferte sie und fing ihr Blut im Becken des großen Steins auf. Schließlich tötete er ein Kind, so erzählen es die Geschichten, woraufhin ihn sein Gewissen einholte, er dem Heidentum abschwor und selbst um seine Taufe in dem Opferbecken bat.

Niedergeschrieben wurde die Sage nach der Erzählung von Pastor Weber aus Apelern im Jahr 1873 von Pastor Fromme aus Luttringhausen. Dies wiederum findet sich in der Broschüre „Däi Löie uten Dörpe“, herausgegeben von Gisela und Bernd Reese 1983. Besagter Mann ist demnach ein heidnischer Adeliger namens Lutter. Die Heiden huldigten ihren Göttern hoch oben im Deister ab, zwischen mächtigen Felsen, die aussehen, als hätten sie Riesen dort gepflanzt.

Menschen bestialisch abgeschlachtet

„Das Allerscheußlichste aber, was sie dort trieben, das war, dass sie dort auch Menschen schlachteten, ihren Götzen zu ehren“, berichten die Legenden. Geopfert wurden die Feinde der Heiden, und zwar indem sie auf dem Marterstein (der Alten Taufe) hingerichtet wurden. „Hoch spritzte das Blut in die Luft, fiel auf den Stein wieder nieder, floss in das Loch hinein, stürzte aus der Rille hinaus und von der Steinwand herunter“ – so ist es in der Sage zu lesen.

Mit seinen Glaubensbrüdern lauerte Lutter eines Tages den Christen auf. „Der vorderste von allen war immer unser Lutter, ganz scheußlich wie ein Teufel anzusehen mit seiner Ochsenhaut überm Rücken und wegen der Ochsenhörner, die auf dem Kopfe saßen“, heißt es in der Sage.

Schwiegersohn und Enkel ermordet

Im Kampf stieß Lutter auf einen Vater – dem er direkt den Schädel einschlug – und dessen Sohn. Dieser bat um sein noch junges Leben. Er solle seinem christlichen Glauben abschwören, forderte Lutter, was der Junge vehement verneinte. Lutter hievte ihn auf den Marterstein. Angesichts seines bevorstehenden Todes rief der Junge „Christi, Sieger, gib Gnade den Heiden und mir“ – Sekunden später lief ihm das Blut aus der Kehle. „So räche ich mein Kind“, rief der wutschnaubende Heide voll des alten Grolls.

20 Jahre zuvor drangen die Christen mit Gewalt in das Land ein. Alle Edelleute mussten dabei eines ihrer Kinder hergeben – so auch Lutter, der darüber nie hinweg kam. Die Christen nahmen seine Tochter auf, lehrten sie ihre Religion, tauften und verheirateten das Mädchen. Sie bekam einen Sohn, der eines Tages seinen Großvater kennenlernen wollte. Da sie annahmen, es herrsche Frieden, brachen Vater und Sohn auf. Wenig später waren beide tot – ermordet durch den eigenen Schwieger- beziehungsweise Großvater. Wessen Blut an seinen Händen klebt, ahnte Lutter in diesem Moment nicht.

Zum Christentum bekehrt

Als Ehemann und Sohn nicht heimkehrten, machte sich die Frau voller dunkler Vorahnungen auf die Suche nach ihnen. Sie kannte den Marterstein und den Umgang der Heiden mit Fremden.

Lutter lag an seiner Feuerstelle, als die Hunde anschlugen. Eine Frau betrat sein Heim. Überwältigt von der Situation brach sie noch auf der Türschwelle zusammen und murmelte ihr vertrautes Gebet: „Christi, Sieger, gib Gnade den Heiden und mir.“ Lutter dämmerte, was er getan hatte. „Das Kind, das du geschlachtet hast, war dein Fleisch und Blut“, warf die Frau ihrem Vater vor. Bestürzt erkannte er, welches Unheil er angerichtet hatte. Über Nacht ging eine Veränderung vor sich. Die Gnade seiner Tochter bekehrte den Heiden.

Lutter ließ sich taufen, wo-raufhin aus dem Opferstein ein Taufbecken wurde. Noch heute steht in dem Steinbecken immer etwas Wasser. göt

Christianisierung in Schaumburg

Heidnische Bräuche leben fort – beispielsweise in den Osterfeuern, die am Ostersamstag allerorts entzündet werden

Warum wir an diesem langen Wochenende Ostern feiern, ist klar. Es ist das Fest der Auferstehung Jesu Christi. Das weiß jeder, ob er nun religiös ist oder nicht. Ostern gehört zu unserer Kultur. Aber wann wurden unsere Vorfahren im Schaumburger Land eigentlich zu Christen?

In dem Buch „Schaumburger Land – Eine kleine Landeskunde“, herausgegeben von der Schaumburger Landschaft, ist die Christianisierungsgeschichte des Landkreises beschrieben.

Bekehrung dauert Generationen

Um 800 lebten in diesem Gebiet noch heidnische Sachsen. „Die Sachsen glaubten, dass ihr Schicksal in der Hand mehrerer Götter lag. Um diese Götter gnädig zu stimmen, brachten sie ihnen Opfer dar“, heißt es in der Landeskunde.

Nachdem Karl der Große, König der Franken, die Sachsen in einem Krieg besiegte, zwang er ihnen seinen Glauben auf. Die Christianisierung zog sich über Generationen hin – es war kein mit Kriegsende plötzlich auftretendes Ereignis. Es dauerte einige Generationen, bis die Menschen nicht nur den äußerlichen Anschein erweckten, Christen zu sein. Anfangs hielten sie nämlich im Inneren noch an ihren alten Göttern fest.

Erste Christen-Siedlung nordöstlich von Riehe

Auch die heidnischen Praktiken und Rituale verschwanden erst allmählich aus dem Leben der Menschen. Die Christen bezogen sogar alte Kultstätten der Heiden mit in ihre Verkündigung ein. Die Alte Taufe soll später von christlichen Missionaren als Taufstein benutzt worden sein. Einige Bräuche bestehen sogar bis heute – beispielsweise die Osterfeuer, die am heutigen Abend überall im Landkreis entzündet werden.

Übrigens: Die ersten Christen dieser Gegend haben sich vermutlich im Bereich nordöstlich von Riehe niedergelassen. Dort wurden einige hochwertige Funde sichergestellt, die auf das 8. und 9. Jahrhundert datiert wurden. Auf einigen Schmuckstücken ist deutlich ein Kreuz zu erkennen. göt