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Der Röntgenblick ins Mittelalter

Förderverein sucht am Wasserschloss Der Röntgenblick ins Mittelalter

Ein roter Kasten, nichtmal so groß wie ein Rasenmäher, gleitet entlang gespannter Schnüre über das exakt vermessene Areal der Museumsinsel. Was die unscheinbare Maschine liefert, ist der Blick in die bauliche Geschichte des Wasserschlosses.

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Elisabeth Rautenberg-Röver, Henning Dormann (Mitte) und Bernd Zimmermann gehen auf archäologische Spurensuche.

Quelle: geb

RODENBERG. Denn was heute noch von dem herrschaftlichen Sitz erhalten ist, ist nur das Ständehaus der historischen Anlage. „Beim Stadtbrand im Jahr 1859 sind die anderen Gebäude auf der Insel ausgebrannt, die Ruinen wurden später abgerissen“, weiß Bernd Zimmermann vom Förderverein des Schlosses. Ein letztes Foto aus der Zeit um die Jahrhundertwende vermittelt einen Eindruck von den früheren Ausmaßen.

Vor zwei Jahren hatte sich Jens Berthold zuletzt entlang des Gemäuers in die Tiefe gewagt. „An der Grabenseite des alten Treppenaufgangs sind wir unerwartet auf Mauerreste und einen Kellerraum gestoßen“, erinnert sich der Kommunalarchäologe. Das Fundament an der Seite des Baus steche deutlich aus dem Grundriss hervor. Die Vermutung liegt also nahe, dass es dort einen größeren Anbau getragen hat. Auch frühere Ausgrabungen am Wall außerhalb des Wassergrabens wiesen auf mittelalterliche Türme hin.

Für das aktuelle Verfahren wird nicht mehr in den Boden getrieben als ein paar Pflöcke für die Abmessung der 3000 Quadratmeter großen Fläche. Mit Boden-Radar und Geomagnetik wandert Torsten Riese von der Marburger Firma PZP das Gelände ab und bekommt damit einen „Röntgenblick“ in die Tiefe.

Kanone, Glocke und Fahnenmasten mussten weichen

„Ab einem halben Meter unter der Oberfläche wird es spannend. Mit etwas Glück könnten wir auf unbekannte Überreste stoßen“, hofft Berthold. Eine mittelalterliche Burg mache über die Jahrhunderte schließlich immer wieder bauliche Veränderungen durch.

Über die Geomagnetik wird sofort ein zweidimensionales Bild sichtbar, auf dem sich Fundamente abzeichnen können. Damit die Fläche frei und das Bild störungsfrei ist, hatte der Bauhof Hindernisse wie Kanone, Glocke oder Fahnenmasten bei Seite geschafft. Mit dem Boden-Radar lässt sich zudem abschätzen, wie tief die steinernen Spuren in die Tiefe reichen.

Ein großer Vorteil der Methode ist zum einen der geringe Einsatz von Mitteln, zum anderen wird keine Zerstörung archäologischer Schätze riskiert. Für eine Stromleitung zum Museum durchbrachen die Bauarbeiter vor einigen Jahren beispielsweise eine Mauer. Dokumentiert wurde bei der Ausgrabung dagegen nichts.

Je nach Datenmenge wird die Untersuchung, deren Ergebnisse zeitnah ausgewertet werden, zwischen 5000 und 6000 Euro kosten. Stadt, Landkreis, Schaumburger Landschaft und Förderverein teilen sich die Kosten. geb

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