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Rodenberg Feuerwehr ächzt unter Bürokratie
Schaumburg Rodenberg Rodenberg Feuerwehr ächzt unter Bürokratie
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16:08 08.01.2019
Gemeindebrandmeister Jens Löffler (links) befördert Arno Fatzler (Zweiter von rechts) zum Oberbrandmeister und Tobias Komossa (rechts) zum Hauptbrandmeister. Quelle: gus
RODENBERG

Die Datenschutzgrundverordnung kam gleich zu Beginn der Hauptversammlung der Feuerwehr Rodenberg zur Sprache. Ortsbrandmeister Thomas Böhm wies darauf hin, dass bei der öffentlichen Veranstaltung Fotos gemacht werden. Wer damit nicht einverstanden sei, solle sich bei Feuerwehrfrau Frauke Blings melden.

Da eine Welle der Heiterkeit auf seine Worte folgte, sah sich Böhm gezwungen, hinzuzufügen, dass sein Hinweis durchaus ernst gemeint war. Hintergrund ist eben jene Datenschutzverordnung, die das Veröffentlichen von Bildern noch komplizierter gemacht hat.

Internetseite wieder online

Die neuen Regeln haben die Feuerwehr – wie auch viele Vereine – überfordert, so Böhm. Daher habe die Feuerwehr die Verwaltung um Unterstützung gebeten. Nach einiger Zeit habe es damit auch geklappt, sodass die Internetseite der Rodenberger nun wieder ans Netz gehen konnte.

Kritik äußerte Böhm am Feuerwehrbedarfsplan. Weder die latente Hochwassergefahr in der Samtgemeinde noch der Umstand, dass in den kommenden Jahren sieben Feuerwehren an drei Standorten zusammengelegt werden, werde in dem Papier berücksichtigt. Der Plan sei die Tinte nicht wert, mit der er gedruckt wurde. Böhm wünschte sich in seinem Schlusswort weniger Bürokratie.

Stefan Kommerein ist seit 25 Jahren Aktiver Feuerwehrmann.

Auch Samtgemeindebürgermeister Georg Hudalla sparte nicht an Kritik. Der Bedarfsplan werde insgesamt wohl benötigt, aber er sei überzeugt, dass die Feuerwehren auch von sich aus an die Zukunft denken. Gelten sollte das Papier bis 2022, dann wäre ein Neuer nötig gewesen. „Na ja, bis dahin haben wir wohl wenigstens den hier fertig“, scherzte der Verwaltungschef.

Die Datenschutzgrundverordnung habe die Öffentlichkeitsarbeit der Feuerwehr zuletzt behindert. Dies sah auch Gemeindebrandmeister Jens Löffler so. Doch Hudalla geht davon aus, dass sich die Situation im Laufe des Jahres normalisieren wird. Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote sagte kurz und bündig: „Datenschutzgrundverordnung. Ich kann es nicht mehr hören.“

"Nicht vor die Einfahrt – ich muss noch zum Aldi"

In Anspielung an den verschärften Datenschutz sprach Löffler einige Feuerwehrkameraden nur mit Vornamen und Initial des Nachnamens an. Opferschutz habe bei der Feuerwehr höchste Priorität. Etliche Fotos im Internet gäben mehr von der Privatsphäre von Menschen preis als jene von Feuerwehreinsätzen. Die Haltung gegenüber den Brandschützern verändere sich. Dies erklärte Löffler mit einem überspitzten Satz: „Beim Nachbarn brennt es. Seid beim Löschen schön leise und parkt nicht vor der Einfahrt – ich muss noch zum Aldi.“

Die Entlastung des Vorstands musste diesmal ausfallen. Da sich einer der Kassenprüfer über den Jahreswechsel auf Kur befand, beschloss Böhm, die Kassenprüfung zu verschieben. Die Formalien werden später im Kreise der Aktivenversammlung nachgeholt. gus