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Rodenberg Frau packt bei der Polizei aus
Schaumburg Rodenberg Rodenberg Frau packt bei der Polizei aus
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16:41 06.02.2018
Rodenberg/Stadthagen

Wenn sich der Betreiber und seine damalige Freundin nicht gestritten hätten, wäre die Sache vielleicht nie aufgeflogen. Die Frau hatte daraufhin bei der Polizei ausgepackt. Das ist jetzt bekannt geworden.

Der Ausgang des Prozesses: Freispruch für die Frau, 20 Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung für den Mann. Damit das Urteil nicht bloß auf dem Papier steht, muss der 53-Jährige eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro an die Landeskasse zahlen. Der Schuldspruch lautet auf Herstellen von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.

Grenzwert um das Zehnfache überschritten

Nach einer vorsichtigen Schätzung von Kai Oliver Stumpe, Richter am Amtsgericht Stadthagen, war die nicht geringe Menge, die juristisch die Grenze zum Verbrechen markiert, in diesem Fall um mehr als das Zehnfache überschritten.
Der Frau glaubte Stumpe, dass sie zwar Drogen konsumiert hat, mit dem Betrieb der Plantage jedoch nichts zu tun hatte. Konsum war jedoch nicht Bestandteil der Anklage – deshalb Freispruch.

Um die Pflege der Indoorplantage hätte sich die heute 48-Jährige nach Einschätzung Stumpes allein schon deshalb nicht kümmern können, weil sie unter Höhenangst leidet und eine steile Leiter nach oben auf den Dachboden führte. Die Scheune gehörte zum Fachwerkhaus des Mannes.

Frau flieht nach Streit

Das Paar war damals in Streit geraten, worauf sie ihn verließ und nach Hannover flüchtete. Der Mann heftete sich an ihre Fersen. Vermutlich war er sauer, weil sie nach der Trennung einige Sachen mitgenommen hatte, darunter sein Auto. In dieser Situation wandte sich die Frau an die Hannoversche Polizei und erzählte den Beamten bei der Gelegenheit auch gleich von der Plantage.

Noch am selben Abend im Dezember 2015 rückten Drogenfahnder an, ausgestattet mit einem Durchsuchungsbeschluss. Sie fanden außer den Pflanzen auch das nötige technische Equipment, damit diese adäquat wachsen. Es war eine etwas größere Razzia: Unterstützt wurden die Nenndorfer Ermittler von Polizeikräften aus Rinteln, Stadthagen und Nienburg.

Menge für Eigenbedarf zu groß

Vor Gericht behauptete der Hausherr jetzt sinngemäß, die Plantage für seine kranke Freundin angelegt zu haben. Marihuana sollte deren Beschwerden lindern. Das glaubt Richter Stumpe nicht oder nur zum Teil. „Für den Eigenbedarf war die Menge viel zu groß“, stellte er fest. „Das war für den Verkauf bestimmt.“

Für den angeklagten Mann sprach dessen Geständnis, dass er keine Vorstrafen hat und dass die Tat inzwischen schon eine Weile zurückliegt. Gegen ihn wirkte sich erstens die Größe der Rauschgiftmenge aus, zweitens „der Umstand, dass der Angeklagte versucht hat, seine Ex mit reinzuziehen“, so Richter Stumpe. ly