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Galgen und Gartgarten

Spaziergang durch Rodenberg Galgen und Gartgarten

Einen Nachmittag lang sind etliche Einwohner tief in das kleinstädtische Leben vergangener Zeiten getaucht. Bei einem „Historischen Stadtrundgang“ folgten sie dem örtlichen Geschichtsarbeitskreis. Und es gab eine ganze Menge zu erzählen.

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Da recken die Zuhörer die Hälse: Helmut Stille (in weißer Jacke im Hintergrund) erläutert die örtlichen Gegebenheiten vor dem großen Brand von 1859.

Quelle: Nah

RODENBERG. Als Quellen dienten unter anderem die Chronik des örtlichen Knopfmachers Adolf Mithoff sowie die Kindheitserinnerungen des Journalisten und Dichters Julius Roden-berg. Die rund 20 Teilnehmer aber wären bestimmt an den besonders bedeutsamen Punkten vorbeigelaufen, wenn nicht Rudolf Zerries, Fritz Hecht, Hubert Finger, Marlies Berndt-Büschen, Hartmut Sassmann und Helmut Stille Einhalt geboten und ihren Zuhörern zum Teil Verblüffendes mitgeteilt hätten.

Das begann schon mit der früheren Schleifmühle an der Allee sowie dem in der Landschaftnoch erkennbaren Verlauf der früheren Bahnlinie. Erinnert wurde an die „Kegelbahn unter freiem Himmel“ am „Grünen Baum“ und den Galgen, der in der „Masch“ gestanden haben soll. Doch Letzteres wussten die beiden Autoren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihr Wissen aufschrieben, nur noch vom Hörensagen. So mussten auch die heutigen Forscher die wahren Fakten offen lassen.

Weitaus konkreter wurde es da schon über den „Hahnenhof“ in Grove, über Pfarrhaus und Kirche sowie die 1906 errichtete Schule, wo sich zuvor der Gartgarten befand. An die zur Domäne gehörende Fläche erinnert heute noch die später abgewandelte Wegbezeichnung „Im Jagdgarten“.

Eine Reise in die Vergangenheit

Natürlich wurde auch Halt am alten Rathaus mit dem Ratstor gemacht, das heute als Relief hoch über den Köpfen der Passanten hängt. Der Blick in die Mühlenstraße sollte daran erinnern, dass hier sowie „Vor dem Tor“ sich nach dem 30-Jährigen Krieg ehemalige Soldaten ansiedelten.

Nachdenklich stand die Gruppe vor dem Brauhaus in der Echternstraße. Von hier breitete sich der Brand 1859 aus, der weite Teile der historischen Bebauung samt Schloss in Schutt und Asche legte: Wie würde die Stadt sonst wohl heute aussehen?

Dem Geburtshaus des kleinen Julius Levy, der später den Namen seiner Heimatstadt annehmen sollte, folgte das Wohngebäude seiner Großeltern, die heutige Eisdiele.

Brandstiftung, Falschmünzerei und Mord

Wie ein roter Faden aber begleitete eine lokale Kriminalgeschichte den Nachmittag, die als „schöner Provisor“ gleichermaßen Eingang in die Schriften Mithoffs und Rodenbergs gefunden hatte. Der junge Verwalter der örtlichen Apotheke namens Heinrich Hattendorf verkehrte in besten Kreisen und verdrehte den Damen wohl auch den Kopf. Doch seine dunkle Seite waren Brandstiftung, Falschmünzerei und sogar Mord. Über sein hiesiges Ende, ob durch Henker, natürlichen Tod oder gar durch Flucht nach Amerika wird bis heute spekuliert.

An den einzelnen Stationen des Rundgangs erzählten die jeweiligen Referenten nicht nur. Mitunter zitierten sie direktaus den Büchern. Und sie reichten Bilder herum, die die jeweiligen Schauplätze in früherer Zeit zeigen. Der Ausklang bei Kaffee und Kuchen bot da noch eine Menge Gesprächsstoff – und die Bitte, einen weiteren Ausflug in die Historie zu unternehmen. Die Stadtgeschichte habe doch eine Menge zu bieten. Initiator Zerries riet indes auch dazu, die Bücher zur Hand zu nehmen. Gerade die neu aufgelegten Kindheitserinnerungen Rodenbergs erleichtern dank Schriftbild und vieler Erläuterungen das Lesen. nah

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