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Rodenberg Massenpanik im Mittelalter
Schaumburg Rodenberg Rodenberg Massenpanik im Mittelalter
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15:03 01.10.2017
Die Figur stellt einen erschlagenen Edelmann dar. Quelle: göt
RODENBERG

Was hat sich vor Jahrhunderten auf dem Boden, auf dem heute unsere Städte und Dörfer stehen, zugetragen? Die Chroniken erzählen von dunklen Kapiteln und wie von Menschen, die zum Mythos wurden. Eines dieser düsteren Kapitel ist die Torquatus-Nacht, die in die Geschichte der St.-Jacobi-Kirche Rodenberg einging.

Der Herzog Magnus von Braunschweig und Kalenberg, Torquatus genannt, war laut der Mithoff-Chronik einer der „wildesten und gewalttätigsten Raufbolde des ausgehenden Mittelalters“. Er lag im Streit mit seinem Schwager, dem Grafen Otto I von Schaumburg. Torquatus traf auf dessen Heer am 25. Juli, dem Jakobustag 1373. Sein Ziel war es, das Schaumburger Land zu verwüsten. Er prahlte im Vorfeld damit, am gleichen Tag noch mit seinem Heer im Feindesland rasten zu wollen. Allerdings fiel er der Schlacht zum Opfer. Graf Otto beschloss, den Schwur seines Schwagers trotzdem zu erfüllen. Er ließ die Leiche des Herzogs in die nächstgelegene Schaumburger Kirche bringen: die Grover Kirche, die heutige St.-Jacobi-Kirche in Rodenberg. Dort sollte die Leiche eine Nacht bleiben, bevor sie nach Braunschweig überführt wird.

Die Kunde vom erfochtenen Sieg und dem erschlagenen Feind sprach sich schnell herum, sodass schon eine große Schar Menschen auf die Leichenprozession wartete. Die Leiche von Torquatus wurde vor dem Altar aufgebahrt. Es strömten so viele Menschen herbei, dass die Kirche heillos überfüllt war. Kaum hatte das Totenamt begonnen, zog ein Sturm auf. Es donnerte ohrenbetäubend und Blitze erhellten den Nachthimmel.
„Da fuhr ein Blitzstrahl in die neben der Kirche liegende Küsterei, die ganze Kirche war plötzlich von diesem Blitz grell erleuchtet, gleich als ob sie in Flammen stände und ein furchtbarer Donnerschlag erschütterte gleichzeitig das Kirchengebäude in einer Weise, als ob es zusammenstürzen müsse“, beschreibt es Adolf Mithoff in seiner Chronik. Das versetzte die Menschen in Todesangst. Panisch versuchten sie, sich zu retten und aus der Kirche hinauszukommen. Als sich die Panik legte, offenbarte sich das ganze Ausmaß des Unglücks: 23 Menschen waren zu Tode getrampelt, darunter neun Männer und 14 Frauen. Eine Gedächtnistafel erinnerte bis Mitte des 19. Jahrhunderts daran. Laut Mithoffs Chronik wurden 100 weitere Menschen schwer verletzt.
Und noch heute erinnert eine Figur an dieses Unglück. Das legendäre Männchen stellt vermutlich einen in dieser Nacht erschlagenen Edelmann dar. göt