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Neue Sicht auf Rodenberg

Geschichtsarbeitskreis löst Rätsel Neue Sicht auf Rodenberg

Seit wenigen Tagen können die Rodenberger und interessierte Leser aus der Umgebung in zwei bemerkenswerten Büchern blättern.

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Ausgewiesener Kenner von Rodenbergs literarischem Schaffen: Rudolf Zerries.

Quelle: nah

RODENBERG. Eigentlich sind sie rund 110 Jahre alt, wobei eines davon sogar als verschollen galt. Doch die historischen Ausgaben würde heute kaum jemand zur Hand nehmen: Frakturschrift ist schlecht leserlich. Und der Schreibstil jener Zeit war verschnörkelt und langatmig.

Aber im eigens gegründeten Rodenberg-Verlag haben die beiden Bände eine moderne Form erhalten. „Aus der Kindheit“ nannte der Dichter Julius Rodenberg, der als Julius Levy 1831 geboren war und später den Namen seines Geburtsorts annahm, seine frühen Erinnerungen an den Alltag in der Deisterstadt. Diese waren zwar schon einmal 1979 in kleiner Auflage durch die Martini-Loge nachgedruckt worden, aber eben nur in kleiner Auflage und an das Original stark angelehnt.

Modernes Schriftbild und stilistsche Glättungen

Verleger Rudolf Zerries indes hat, wie schon bei der ersten Veröffentlichung aus Rodenbergs Werken („Klostermanns Grundstück“), behutsam in den aus dem Jahr 1916 stammenden Text eingegriffen. Ein modernes Schriftbild und einige stilistische Glättungen geben den Erinnerungen, die den städtischen Alltag um das Jahr 1850 beschreiben, neuen Reiz.

Einerseits weil sie das Rodenberg vor dem verheerenden Brand 1859 schildern. Andererseits, weil es der Geschichtsarbeitskreis um Zerries, Marlies Berndt-Büschen, Hubert Finger, Fritz Hecht, Hartmut Sassmann, Helmut Stille und dem erst kürzlich verstorbenen Karl-Heinrich Wulf gelungen ist, die einst nur vagen Angaben über Orte, Personen und Ereignisse zu entschlüsseln. So erklären sich unter anderem Vorder- und Hinterstraße als Lange Straße und Echternstraße, das großelterliche Haus eindeutig als heutige Eisdiele und der auf einer Kutsche „in Decken gehüllte Herr“ als der kurhessische Diplomat Karl Edmund Friedrich von Münchhausen. Die Anmer-kungen der Hobby-Historiker sind in Kursivschrift im Text eingearbeitet. So kommt „Aus der Kindheit“, in dem der Dichter und Journalist seiner kleinen Heimatstadt eine winzige Nische in der Weltliteratur verschafft hat, neue Bedeutung zu.

Ein Juwel in Buchform

Als geradezu ein Juwel für einen Blick auf Leben und Verdienste von Julius Rodenberg aber gilt der zweite Band. Nie wäre Zerries in die Gelegenheit gekommen, diesen ebenfalls zu veröffentlichen, wenn nicht Arbeitskreis-Mitglied Hubert Finger in einem Antiquariat eine der nur in wenigen Exemplaren verteilten Festschrift zum 70. Geburtstag des Dichters gefunden hätte.

Damals gewann Verleger Elwin Paetel Dichterkollegen, Freunde und Verwandte für ganz persönliche Eindrücke über den berühmt gewordenen Zeitgenossen. Dieser soll übrigens den ihm gewidmeten Band nur ganz beiläufig beim Frühstück von Ehefrau Justina übergeben worden sein. Denn Rodenberg hasste dem Vernehmen nach Ereignisse, die ihn in den Mittelpunkt stellen wollten.

Die Bände „Aus der Kindheit“ sowie die Festschrift sind zum Preis von jeweils 15,95 Euro im Buchhandel erhältlich. Auch „Klostermanns Grundstück“ ist noch zu haben. nah

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