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Räuber geben sich als Polizisten aus

Rodenberg/Bückeburg / Prozess Räuber geben sich als Polizisten aus

Als Opfer suchten sie sich die Schwächsten aus, wehrlose alte Menschen: In fünf Fällen haben zwei junge Männer Senioren in deren Wohnungen überfallen, brutal ausgeraubt und zum Teil für den Rest des Lebens traumatisiert. Im Trio brachen sie außerdem reihenweise in Häuser ein, erbeuteten vor allem Schmuck und Bargeld. Einer der beiden Haupttäter ist ein heute 18-Jähriger aus Rodenberg, zur Tatzeit noch minderjährig, aber bereits strafmündig. Verwandt sind alle miteinander. So ging ein Vater (40) mit dem eigenen Sohn (20) auf Beutezug.

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Rodenberg/Bückeburg (ly). Vor dem Bückeburger Landgericht haben die drei Angeklagten gestern Geständnisse abgelegt, nachdem sie beim ersten Prozess in Stadthagen geschwiegen hatten (wir berichteten). Vorausgegangen war diesmal ein Rechtsgespräch. Am Ende sicherte die Berufungskammer im Gegenzug zu, bestimmte Strafhöhen nicht zu überschreiten. Geständnisse wirken sich strafmildernd aus.

Das Ergebnis: Der Rodenberger bekommt 57 Monate Jugendstrafe, sein Komplize (20) aus Celle 45 Monate, dessen Vater (rund 30 Vorstrafen) dreieinhalb Jahre Haft. Damit haben die Angeklagten zwischen drei und elf Monaten gewonnen.

Der Justiz bleibt eine langwierige Hauptverhandlung erspart, die hochbetagten Opfer müssen nicht mehr in den Zeugenstand. Noch einmal, so die Vorsitzende Richterin Birgit Brüninghaus, hätten die Senioren sonst das für sie schreckliche Geschehen schildern müssen. Erst die beschwerliche Anreise, dann anstrengende Stunden im Justizgebäude, nicht zuletzt eine erneute Konfrontation mit den Angeklagten. Brüninghaus empfindet als „traurig, dass bereits so junge Menschen außerhalb der Regeln und Normen stehen“.

Insgesamt ging es um 20 einzelne Delikte: Raub, schwerer Bandendiebstahl, Sachbeschädigung, Computerbetrug. An sämtlichen Fällen war der Rodenberger beteiligt. „An Niedertracht und Schändlichkeit“, so hatte der Stadthäger Richter Kai Oliver Stumpe nach sieben Verhandlungstagen in erster Instanz befunden, seien die Taten „kaum zu überbieten“.

Spezialisiert hat sich das Trio damals einerseits auf Einbrüche in Wohnungen, zum Teil im Schaumburger Land, teils im Raum Hannover. Von kurz vor Heiligabend 2009 bis Ende März 2010 verbreiten die Täter Angst und Schrecken. Aus einem Haus in Obernkirchen erbeuten sie zum Beispiel wertvolle Uhren, in Pohle Schmuck. Bei einem Einbruch in Rodenberg fallen ihnen eine Münzsammlung, Schmuck, 3800 Euro Bargeld sowie eine Kamera in die Hände – unterm Strich 10.000 Euro Schaden. Geld erbeuteten sie außerdem mit gestohlenen EC-Karten an Automaten.

Im selben Zeitraum beginnt in Hannover eine Serie von fünf Überfällen auf alte Menschen. Diese gehen auf das Konto der beiden jüngeren Täter. Wiederholt geben sich die Räuber als Polizisten aus. Einer alten Dame drohen sie, ihr würden Finger abgeschnitten, wenn sie nicht aufhöre, zu schreien. Die Seniorin wird in ihrer Wohnung misshandelt, erleidet Hämatome sowie Kratzer im Gesicht.

Einem anderen Opfer hält ein Täter den Mund zu, während der andere Schmuck und 60 Euro in bar findet. Mehrere Frauen trauen sich seitdem kaum noch, die Tür zu öffnen. Ihre Wohnungen sind zu Gefängnissen geworden.

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