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Richter durchbricht Teufelskreis

Fahren ohne Fahrerlaubnis Richter durchbricht Teufelskreis

Das nennt man Teufelskreis: Jedes Mal, wenn ein Rodenberger (46) wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt wird, bekommt er außer der Strafe auch eine Führerscheinsperre, in der Regel für etliche Monate.

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Quelle: Symbolfoto

Rodenberg/Stadthagen. Ohne Führerschein erscheint die Suche nach einem Job jedoch aussichtslos. Und ohne Job kann der 46-Jährige die Medizinisch-Psychologische Untersuchung nicht bezahlen, die für eine neue Fahrerlaubnis nötig wäre. In einem Prozess vor dem Amtsgericht in Stadthagen hat Richter Kai Oliver Stumpe diesen Teufelskreis jetzt durchbrochen. Stumpe verhängte zwar eine dreimonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, sah jedoch von einer Führerscheinsperre ab.

„Wir müssen Menschen zu rechtmäßigem Tun anhalten“, sagte er zur Begründung. Stumpe hält sein eigenes Urteil für milde, aber damit kann der Richter leben, denn bei dem Angeklagten hat er „ein gutes Gefühl“. Erstens liegt die Fahrt ohne Führerschein, um die es ging, mehr als zwei Jahre zurück: Zweitens hat der angeklagte Rodenberger eine berufliche Umschulung mit ordentlichen Noten beendet.

Hinter dem 46-Jährigen, der früher drogensüchtig war, liegt eine kriminelle Karriere, die 1988 begann und zu einem Vorstrafenregister mit 18 Einträgen geführt hat, darunter auch Einbrüche. Den Führerschein ist der Angeklagte in den 1990er Jahren wegen Trunkenheit im Straßenverkehr losgeworden. Bis 2012 hatte er eine dreijährige Haftstrafe verbüßt, unter anderem wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis. Sofort nach seiner Entlassung begann der Mann eine Ausbildung. Während der Zeit im Gefängnis hatte seine Lebensgefährtin ihm die Treue gehalten. Einen Teil der Schuld trägt jedoch auch die Frau, weil sie ihrem Freund mehrfach ihr Auto lieh, was bereits zu Strafverfahren geführt hatte.

Am 19. Mai 2013 saß sie dann erneut auf dem Beifahrersitz, als die Polizei den Fahrer in Hohnhorst aus dem Verkehr zog – ein einmaliger Rückfall nach der Zeit im Knast. Angeblich wollte der technisch versierte Rodenberger nur eine Testfahrt machen, weil das Auto „wie ein Sack Sülze“ lief.

Gefahren war er ganze 400 Meter weit. „Böses Pech“, meint Verteidiger Hans-Dieter Liebelt. „Aber man darf das nicht machen.“ Hinzu kam: Am Abend zuvor hatte Liebelts Mandant beim „Auhäger Pfingstbier“ so tief ins Glas geschaut, dass die Blutprobe am nächsten Mittag noch einen Wert von 0,7 Promille ergab. Keinen Schein und Alkohol im Blut: „Das ist eigentlich doppelt dämlich“, stellte Richter Stumpe fest. Weil sie die Fahrt zugelassen hatte, saß die Frau (47) mit auf der Anklagebank. Gegen die Langzeitarbeitslose verhängte das Amtsgericht eine Geldstrafe von 450 Euro, in diesem Fall ein Monatseinkommen. Die Frau ist ebenfalls vorbestraft, ihre Eintragungen sind jedoch bereits getilgt.

„In Zukunft keinen Meter mehr ohne Lappen“, riet Stumpe dem Mann. „Ich habe keine Lust, Sie einzusperren. Aber wenn Sie mich dazu zwingen, mache ich’s.“ ly

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