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Zombies und Zyniker im Blick

Rodenberg / USK Zombies und Zyniker im Blick

„Wenn der Arm danebenliegt, und am Rumpf hängen Fleischfetzen, und das Blut spritzt“, beschreibt Gerald Jörns seine Arbeit. „Das ist dann ein ziemlich sicherer Kandidat.“ Für? „Eine Freigabe ab 18 oder eine Indizierung.“

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Wird‘s ihm zu blutig, empfiehlt Pädagoge und Gutachter Gerald Jörns eine Freigabe ab 18 Jahren.

Quelle: jcp

Von Jan-Christoph Prüfer

Rodenberg. Der Rodenberger Diplom-Pädagoge ist Gutachter der „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“ (USK), der verantwortlichen Stelle für Altersfreigaben von Computerspielen mit Sitz in Berlin.

 Wenn die Mitarbeiter der USK einen ihrer Meinung nach problematischen Spieltitel auf dem Tisch haben, rufen sie vier von rund 50 Gutachtern deutschlandweit. Unter Jörns Kollegen befinden sich außer anderen Pädagogen zum Beispiel auch Juristen und eine Professorin für Spieledesign. Sie lassen sich die Spielgeschichte zusammenfassen und sichten Ausschnitte. In ihren Gutachten begründen sie dann ihre Empfehlung: ab zwölf, ab 16, ab 18 – in besonders harten Fällen wird die Verweigerung einer Freigabe nahe gelegt.

 „Meistens liegt der Verdacht auf 131“, erklärt Jörns. Der Paragraf 131 des Strafgesetzbuches regelt, wie die Herstellung oder Verbreitung gewaltverherrlichender Inhalte geahndet wird.

 Wo die Gewaltverherrlichung anfängt, ist indes nicht immer leicht zu klären. Häufig gelte: je realistischer das Szenario – zum Beispiel, wenn sich der Spieler durch einen auch in Wirklichkeit existierenden Kriegsschauplatz schießt – desto höher die Altersfreigabe. Jörns: „Roboter, die sich in der Zukunft auf einem anderen Planeten prügeln, sind meist okay.“

 Je irrealer, desto geringer die Altersfreigabe? „Eine echte Faustregel ist das nicht“, verneint Jörns. So seien auch die Geschichten von Horrorspielen etwa mit Zombies offensichtlich nicht in der Realität angesiedelt. Trotzdem erhielten sie häufig eine Freigabe ab 18.

 Die Fragen, die die Gutachter sich Jörns zufolge unter anderem stellen: Wie detailliert und lebensnah sind Figuren und Umgebung? Fließt Blut, oder fliegen bloß Schrauben, wie bei den bereits angesprochenen Robotern? Führen unfaire Attacken zum Spielziel? Wird das Spielgeschehen durch einen Protagonisten zynisch kommentiert?

 Fast 600 Gutachten hat Jörns bereits erstellt. Wichtig ist ihm: „Computer spielen ist nicht per se schlecht.“ Auch Spiele, in denen geschossen wird, könnten Teamfähigkeit und Organisationsgeschick vermitteln.

 Wenn in zwei Monaten ein Spiel auf dem Wunschzettel steht und Eltern verunsichert sind, empfiehlt der Rodenberger eine Familienkonferenz. Das Kind oder der Jugendliche sollte sein Begehr’ kurz vorstellen, Inhalt und Ziel beschreiben und Bilder präsentieren. Eltern müssten dann Bedenken offen ansprechen, zum Beispiel wenn ihnen Darstellungen von Krieg ein mulmiges Gefühl geben.

 Sich hinter Altersfreigaben zu verstecken, sei nur in Ausnahmefällen „erlaubt“. „Sie können einem Zehnjährigen nicht sagen, ich mache mir Sorgen um deine seelische Entwicklung“, erklärt Jörns. Dann lieber: „Das Spiel ist erst frei ab 16.“ Punkt.

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