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Zu heiß gebadet

Kirchengeschichte von St. Jacobi Zu heiß gebadet

Einen erneut unterhaltsamen Exkurs in die Geschichte von St. Jacobi haben rund 80 Zuhörer in dem Rodenberger Gotteshaus erlebt.

Rodenberg. Viel Raum nahm diesmal die Reformation im 16. Jahrhundert ein, als auf Grundlage der Lehre Martin Luthers die Abspaltung der evangelischen von der katholischen Kirche vollzogen wurde.

 Anlass waren die Zustände in der Kirche der damaligen Zeit. Sittlich verkommen und unfähig zur Seelsorge seien die Geistlichen gewesen. So schildert es Adolf Mitthoff in seiner Rodenberger Chronik. Daher, so Pastor Wilhelm Knackstedt, sei der Ruf nach Erneuerung immer lauter geworden.

 Im Jahr 1552 erreichte die Reformation das Schaumburger Land. Doch die Katholiken leisteten Widerstand. Erst 1558 zog das neue Gedankengut in Rodenberg ein – begünstigt davon, dass ein Katholik buchstäblich zu heiß gebadet hatte. Eigentlich sollte dieser Priester den Lindhorster Pastor Rode festnehmen, weil dieser sich zu Luther bekannte. Doch der Priester verstarb nach einem Badeunfall, bei dem er sich schwere Verbrühungen zugezogen hatte. Die Gläubigen deuteten dies als Eingreifen Gottes.

 Aus der Reformationszeit befinden sich noch heute das Altarbild, eine mehr als mannshohe Christus-Figur, eine etwa genauso große Maria-Statue und der Taufstein sowie einige weitere Holzfiguren in der St.-Jacobi-Kirche. Den Taufstein hatte indes ein römisch-katholischer Geistlicher namens Johann von Schaumburg gestiftet. Noch älter als die Gegenstände aus dem 16. Jahrhundert ist lediglich der Abendmahlskelch, der aus dem 14. Jahrhundert stammt. „An diesem Gefäß, aus dem Gläubige seit mehr als 600 Jahren trinken, zeigt sich die Treue Gottes“, so Knackstedt.

 Damit war aber längst nicht alles gut, denn es folgte der 30-jährige Krieg. Jürgen Wulf berichtete vom Überfall auf die erste Stadtkirche, die sich am Ende der Echternstraße befunden hatte. 1629 verübte eine Horde wallonischer Soldaten das blutige Massaker. Als Vergeltung für den Tod eines Offiziers unter den Wallonen befahl der Major des Trupps, die Kapelle niederzubrennen.

 Dies führte dazu, dass die Rodenberger die Kirche St. Jacobi im damals noch eigenständigen Grove besuchten. 1643 folgte die Fusion der Kirchengemeinden.

 Gleich mehrfach büßte St. Jacobi seine Glocken ein. Zunächst während der Kriege, doch vor acht Jahren aus freien Stücken. Die ausrangierten Glocken verteilte die Kirchengemeinde in Algesdorf und Rodenberg. Der Glockenschlag hatte übrigens noch im 18. Jahrhundert eine heute kaum denkbare Bedeutung: Erklang die Glocke, zogen die Männer automatisch die Hüte.

gus

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