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Zwischen Schlössern und Beschlägen

Historisches Handwerk Zwischen Schlössern und Beschlägen

In der großen Halle eines Rodenberger Zimmereibetriebs lärmen die Maschinen. In einem Winkel aber ist die Zeit wohl stehengeblieben. Allerlei historische Utensilien von Zimmerleuten, Tischlern und Schlossern lassen sich dort bewundern. Herr über Werkzeug und Beschläge ist Helmut Weikert.

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Helmut Weikert und seine Gefängnistür aus dem Rodenberger Amtsgericht.

Quelle: nah

Rodenberg. Eigentlich könnte er sich schon längst zur Ruhe gesetzt haben. Aber noch immer ist er täglich im Betrieb seines Sohnes zu finden, erledigt Botengänge oder steht an der eigenen Werkbank. „Ich darf noch jeden Tag kommen. Wenn ich nicht da bin, bummele ich Überstunden ab“, sagt der 80-Jährige grinsend. Der Werkstoff Holz lässt ihn noch immer nicht los. Ständig fallen ihm neue Gestaltungsmöglichkeiten ein: Kleine Pilze hat er gedrechselt oder auch große Sterne gefräst.

Doch nur zu gern steigt er ein paar Stufen hinauf zu seiner Sammlung. Da hängen unzählige Äxte an der Wand, in Regalen reihen sich Hobel aller Art oder andere Hilfsmittel, die findige Handwerker geschaffen haben, um sich die Arbeit zu erleichtern. Beinahe andächtig blickt der Senior auf Schränk- und Schärfvorrichtungen, eine Tabakschneidemaschine und in eines der vielen Kastenschlösser, in denen filigrane Schließmechanismen ineinander greifen. „Ich ziehe meinen Hut vor dieser einmaligen Handwerkskunst“, sagt Weikert.

1946 von Schlesien nach Rodenberg

Einen Ehrenplatz haben die wenigen Gegenstände, mit denen der Vater gleichsam bei Null nach der Vertreibung aus Schlesien angefangen hatte: Ein mit langen Lederstreifen versehener Mehlsack enthielt die ganze Habe, als die Familie 1946 in Rodenberg ankam. An einem kleinen Tisch verrät die Bleistiftnotiz „Möbel Nr. 1 – Anno 1947“ den ersten Schritt zur Selbstständigkeit in der neuen Heimat. Der junge Helmut erlernte ebenfalls das Tischlerhandwerk und trat 1954 in die vom Vater gegründete Zimmerei ein. Später begann er, ausgedientes Werkzeug zu sammeln: Schrottsägen, Schraubzwingen, Lot und Zirkel. Seit es mit Strom betriebene Maschinen, Benzin-Kettensägen und Laserwerkzeuge gibt, sei doch „Hand“-Werk kaum noch gefragt, bedauert Weikert.

Früher aber waren die Tüftler am Werk, die sich ihre Alltagsabläufe zu vereinfachen und Muskelkraft zu schonen versuchten: „Warum hat diese Axt wohl einen seitlich verbogenen Stiel“, fragt Weikert, um sich gleich selbst die Antwort zu geben: Wer sie mit zwei Händen anfasste, hätte sich sonst unweigerlich beim Abbeilen des Balkens die Knöchel lädiert.

Seine Schätze fand der Zimmermeister auf Flohmärkten oder auch bei Gebäudeabbrüchen: „Niemand wollte mehr das Zeug haben. Also habe ich es mitgenommen.“ Eine ganze Kiste handgeschmiedeter Nägel zeugt davon. Wohl über Hunderte von Jahren hielten sie zuverlässig Balken und Dielen zusammen. Einige fanden in seiner Hand eine neue Nutzung: Weikert schweißt sie zu kleinen Nagelkreuzen zusammen, nachdem er von einer solchen Tradition im fränkischen Würzburg erfahren hatte.

Bauteile mit historischem Wert

Doch auch größere Bauteile finden sich in seinem Privatmuseum: ein altes Kirchenportal, einen hölzernen Fensterladen aus Lindhorst mit dem von einem Granatsplitter stammenden Loch und schließlich sogar eine Gefängnistür aus dem früheren Rodenberger Amtsgericht. Das sei aber nun beileibe kein Unikat, versichert der Sammler: Im Museum stehe ein gleichartiges Stück.

Nur über die Zukunft seiner Sammlung hat sich der alte Handwerksmeister noch keine rechten Gedanken gemacht. „Dann kommt wohl alles in den großen Container“, fürchtet er. Dabei ist schon der große Ring mit den unendlich vielen langen Bartschlüsseln ein einziges Schmuckstück. nah

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