Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Samtgemeinde Rodenberg Anrufauto: Verwaltung sieht keinen Engpass
Schaumburg Rodenberg Samtgemeinde Rodenberg Anrufauto: Verwaltung sieht keinen Engpass
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:28 16.09.2018
Nach Meinung einiger Rodenberger weisen die Anrufautos Anfragen zu häufig ab. Quelle: Symbolfoto, dpa
Samtgemeinde Rodenberg

Unternehmen, die als zusätzlicher Anbieter zu Taxi-Kühl einspringen könnten, gebe es zwar. Sie würden momentan aber nicht gebraucht, erklärte Fachbereichsleiter Jörg Döpke auf Anfrage.

Ohne Vertrag kein Zuschuss

Einer dieser potenziellen Anrufauto-Anbieter ist Andreas Pruschinski, Inhaber von Taxi-John. Dieser erklärte im Gespräch mit dieser Zeitung, dass er eine Konzession für die Samtgemeinde Rodenberg beantragt und erhalten sowie im Rodenberger Rathaus abgegeben hat.

Drei Monate sei das her – einen Gesprächstermin, um Einzelheiten zu einem möglichen Vertrag abzuklären, habe es seither aber nicht gegeben.

„An mir liegt es nicht. Ich würde das Anrufauto gern machen“, sagt Pruschinski. Häufig müsse er Anrufern absagen, wenn diese sich bei ihm nach einer Anrufauto-Fahrt erkundigen. Denn ohne Vertrag erhält er die Bezuschussung von der Samtgemeinde nicht. Die Anrufauto-Nutzer zahlen nämlich nur einen relativ geringen Teilbetrag der eigentlichen Transportkosten selbst.

Verwaltung sieht keinen Bedarf

Döpke bestätigt, dass Pruschinski sich um einen entsprechenden Kontrakt beworben hat. „Er steht auf der Liste. Da stehen aber auch noch andere“, betont Döpke. Die Verwaltung erkenne derzeit noch keinen Bedarf an einem zweiten Anbieter.

Das hatte im März dieses Jahres noch ganz anders geklungen, als dem Unternehmen Funktaxen-Schaller wegen drohender Insolvenz der Vertrag gekündigt wurde.

Seinerzeit hieß es, dass ein zweiter Anbieter gesucht wird, aber dass kein Taxi-Unternehmen außer Kühl eine Lizenz für die Samtgemeinde Rodenberg hat. Damals wollte Döpke abwarten, ob Taxi-Kühl es auch allein schafft, die Anfragen zu bedienen. Dass dies der Fall ist, sei ihm jüngst erneut versichert worden.

Döpke sagt, ihm sei nur ein Fall bekannt, bei dem ein Anrufauto-Wunsch nicht befriedigt werden konnte. Gegenüber dem Seniorenbeirat hatte eine Gruppe Rodenberger Interessenten aber ein anderes Bild gezeichnet, wonach Anfragen oft abgelehnt werden müssen. Eine Anrufauto-Nutzerin aus Lauenau bestätigte dies gegenüber dieser Zeitung.

Nutzer nicht flexibel genug

Das Problem ist Döpke zufolge aber anders gelagert. Es gebe Interessenten, die bei anderen Unternehmen als Kühl anfragen und dann eine Absage erhalten. Dies deckt sich mit Pruschinskis Darstellung.

Außerdem werde manchmal verlangt, dass Wünsche nahezu exakt auf die Minute erfüllt werden müssen. Sprich: Wird das Anrufauto zum Beispiel um 9 Uhr gewünscht, akzeptiere mancher Interessent nicht, wenn Taxi-Kühl nur um 8.15 Uhr einen Wagen schicken kann.

Und an der Stelle sieht Döpke eine Grenze überschritten. Es handle sich um eine freiwillige Leistung. „Und da mus es einen Rahmen geben“, sagt er. In Bad Nenndorf gebe es beispielsweise als Pendant einen Bürgerbus, der zu festen Zeiten an bestimmten Haltestellen abfährt.

Das Anrufauto sei wesentlich flexibler, weil es auch bis zur Haustür komme. Dass eine Wunschzeit nicht genau bedient wird, sei beim Vergleich zum Bürgerbus schlichtweg zu akzeptieren.

Dennoch bleibt Döpke dabei: Sollte sich die Erkenntnis einstellen, dass ein zweiter Anrufauto-Anbieter benötigt wird, geht die Verwaltung auf einen der potenziellen Taxi-Betriebe zu. Darüber hinaus werde demnächst ohnehin politisch über die Zukunft des Anrufauto-Modells diskutiert.

von Guido Scholl

Willkommener Spareffekt

Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Verwaltung das Aus von Funktaxen-Schaller ganz gelegen kam. Denn die Kostenexplosion beim Anrufauto auf bis zu 70 000 Euro Zuschuss pro Jahr gilt seit längerem als Problem. Denn eingeführt worden war das durch Samtgemeinde und Landkreis kofinanzierte Transportmodell mit einer um des sechsfache kleineren Summe.

Dass seit März nicht mehr jeder Fahrtwunsch bedient werden kann, dürfte der Samtgemeinde einen geringeren Zuschussbetrag bescheren als einkalkuliert. Sparsamkeit ist wohl keinen Tadel wert. Doch es wäre fair, diesen sicherlich ganz willkommenen Effekt öffentlich einzuräumen. Andererseits bietet die Kommune ihren Bürgern auch jetzt noch einen hervorragenden Service. Und wie hieß es schon im Seniorenbeirat: Es muss nicht immer das Anrufauto sein.

Kommentiert von Guido Scholl