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Samtgemeinde Rodenberg Diebstahl für krebskranke Frau
Schaumburg Rodenberg Samtgemeinde Rodenberg Diebstahl für krebskranke Frau
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14:13 04.06.2018
Der 34-jährige Weißrusse hat bereits vier Monate lang in Untersuchungshaft hinter sich. Quelle: Symbolbild: Archiv
LAUENAU/STADTHAGEN

Vier Monate nach dem Diebstahl von 91 Fernsehern auf dem Autohof in Lauenau hat das Amtsgericht Stadthagen den Täter, einen 34-Jährigen aus Weißrussland, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er war auf frischer Tat gefasst worden.

Staatsanwalt Ulf Kranitz hat schon viele Ausreden gehört. Ausländische Straftäter erzählen nach seiner Erfahrung gern Geschichten über Familienangehörige, die angeblich schwer krank sind. „Das kommt häufig vor – in verschiedenen Versionen“, so Kranitz. Von Deutschland aus ist der Wahrheitsgehalt dann kaum zu überprüfen.

In dem Fall aus Lauenau hat sich herausgestellt, dass die entsprechende Geschichte wahr ist: Weil er Geld für die Behandlung seiner kranken Frau brauchte, hat der 34-Jährige mit einem unbekannten Komplizen Fernseher für rund 91 000 Euro von der Ladefläche eines polnischen Sattelzuges gestohlen. Die Beute wurde in einen Kleinlaster umgeladen.

Frau leidet an Schilddrüsenkrebs

Im Prozess vor dem Amtsgericht legte der Angeklagte jetzt Unterlagen vor, aus denen hervorgeht, dass seine Frau an Schilddrüsenkrebs leidet. Alles, was über die medizinische Grundversorgung hinausgehe, so der 34-Jährige, müsse in Belarus selbst bezahlt werden.

„Ich glaube ihm, dass er die Tat aus einer wirtschaftlichen Not heraus begangen hat, um die Heilbehandlung seiner Frau zu erwirtschaften“, meinte Richter Brügger. „Aber es geht so nicht.“ Wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall und Urkundenfälschung verhängte das Gericht eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, setzte die Vollstreckung aber zur Bewährung aus.

Staatsanwaltschaft sieht kriminelle Energie

Brügger geht davon aus, dass der Dieb von der viermonatigen Untersuchungshaft beeindruckt ist. „Die Haft hat ihn zum Umdenken gebracht“, bestätigte Verteidiger Sascha Gramm. Das Motiv des nicht vorbestraften Angeklagten werteten Gericht und Staatsanwaltschaft zu dessen Gunsten. Eine „erhebliche kriminelle Energie“ sieht Brügger dagegen darin, dass der Kleinlaster, mit dem die Beute abtransportiert werden sollte, falsche Kennzeichen hatte. Vor der Tat hatten die Ladungsdiebe auf dem Autohof außerdem mehrere Sattelschlepper untersucht, um herauszufinden, wo am meisten zu holen ist. An dem polnischen Lkw schlitzten sie die Plane auf und machten mit einer Kamera Fotos von der Ladung.

Während der Fahrer in jener Nacht gegen 4 Uhr im Führerhaus schlief, wurde dann die Verplombung der Ladung aufgebrochen. Als der Pole die verdächtigen Aktivitäten bemerkte, alarmierte er die Polizei. Im Führerhaus des Kleinlasters, der direkt hinter dem Sattelzug abgestellt war, fanden die Beamten den jetzt angeklagten Weißrussen vor. Er stellte sich schlafend.

Beim Besuch von Freunden in Hannover will er den anderen Mann kennen gelernt haben, der ihn auf die Idee mit dem Lastwagen brachte. Auf dem Autohof soll der Komplize dann plötzlich verschwunden sein.
Der festgenommene 34-Jährige hatte damals eine fünfstellige Summe Bargeld dabei. Das Geld hat sich die Justiz gesichert. Davon werden die Prozesskosten bezahlt.  ly