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Samtgemeindebürgermeister Georg Hudalla

Ein Jahr im Amt Samtgemeindebürgermeister Georg Hudalla

Georg Hudalla ist seit einem Jahr Bürgermeister der Samtgemeinde Rodenberg. Diese stand im vergangenen Jahr vor einigen neuen Herausforderungen – darunter „Südlink“, Kita-Streiks und die Flüchtlingskrise.

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Seit einem Jahr der „Kopf“ der Samtgemeinde Rodenberg: Georg Hudalla.

Quelle: kle

Samtgemeinde Rodenberg. Was ihn sonst noch bewegt hat in den vergangenen zwölf Monaten, hat Hudalla im Gespräch mit den SN verraten.

Herr Hudalla, Sie sind jetzt seit einem Jahr Samtgemeindebürgermeister in Rodenberg. Können Sie denn überhaupt noch auf die Straße gehen, ohne erkannt zu werden?

 Nein, das geht gar nicht mehr. Ganz lieb sind die vielen Kinder, die einen grüßen und „Hallo“ rufen und dann zueinander sagen: „Das war der Bürgermeister.“

Welches Fazit haben Sie nach dem ersten Jahr für sich gezogen?

 Dass man nie sicher sein kann, welches Thema einen am nächsten Tag erwartet. Ich erinnere an ‚Südlink‘, der über Nacht das dominierende Thema war. Das erforderte in kürzester Zeit eine sehr intensive Einarbeitung und konfrontierte die gesamte Verwaltung mit ganz neuen Fragestellungen. Das Gleiche haben wir jetzt mit der Zuwanderungsdebatte. Zugleich habe ich gemerkt, wie gerne man als Gast auf einer Veranstaltung empfangen wird und wie häufig man gebeten wird, dabei zu sein. Das nehme ich als sehr positiv wahr.

Gerade bei so globalen Themen wie der Flüchtlingskrise oder „Südlink“: Wie weit reicht da überhaupt der Einfluss einer Samtgemeinde und ihres Bürgermeisters?

 Sicher kann man nicht genau zuordnen, welche Entwicklung in Sachen „Südlink“ nun der Samtgemeinde Rodenberg geschuldet ist, aber man ist schon ein merklicher Baustein in solchen Prozessen. Grundsätzlich ist der eigene Einfluss immer irgendwo begrenzt, aber wenn man es richtig macht, kann man schon einiges erreichen. Selbst bei den Flüchtlingen: Die Umsetzung vor Ort, das Mitnehmen der vielen Ehrenamtlichen und die Akzeptanz der Bürger – darauf kann man durchaus positiv einwirken.

Was war Ihr persönliches Highlight in diesem Jahr?

 Das waren für mich auf jeden Fall die Zusammenarbeit und die Hilfestellungen von und mit anderen Institutionen, Verbänden und Vereinen oder auch Bürgermeistern aus dem Umland. Das hat mich sehr positiv überrascht. Ich war davon ausgegangen, man wäre mehr mit allem allein gelassen. Das ist man nicht. Beeindruckend fand ich außerdem die freundliche Ansprache durch die Bürger, selbst in Zusammenhang mit schwierigen Situationen wie dem Streik der Erzieherinnen.

Nun gab es ja aus der Politik kritische Stimmen dazu, dass Sie sich bei Ratssitzungen eher sehr im Hintergrund halten. Wie stehen Sie dazu?

 Grundsätzlich nehme ich die Kollegen aus den Fachämtern in die Sitzungen mit, wenn sie fachliche Vorträge zu halten haben. Ich sehe keinen Sinn darin, dass ich die selber halte, und mein Mitarbeiter dabei neben mir sitzt. Ich kann gut damit leben, diese fachliche Kompetenz dem Mitarbeiter zuzugestehen, der sie auch wirklich hat.

Umstritten war ja anfangs auch die neue Aufteilung der Posten der Gemeindedirektoren von einer Person, dem Samtgemeindebürgermeister, auf mehrere. Hat sich diese Entscheidung in Ihren Augen bewährt?

 Meines Wissens nach war die Samtgemeinde Rodenberg die einzige, wo das früher so gehandhabt wurde. So exotisch ist dieser Weg also nicht, wie er versucht wurde, darzustellen. Und ich bin mit der Lösung sehr zufrieden. So erhalten auch junge Mitarbeiter die Möglichkeit, als stellvertretender Gemeindedirektor in eine Verantwortung hineinzuwachsen.

 Inwieweit konnten Sie die Ziele, die Sie sich zu Anfang auf die Fahnen geschrieben haben – Stichwort: Nachtbus nach Wunstorf, Transparenz und interkommunale Zusammenarbeit –, inzwischen umsetzen oder anschieben?

 Das alles sind ja längere Prozesse, die ich auch in Zusammenarbeit mit der Politik umsetzen möchte. In puncto Öffnung habe ich aber zum Beispiel eine Bürgersprechstunde eingerichtet. Auch zur interkommunalen Zusammenarbeit haben wir schon mit Politikern und Bürgermeistern gesprochen. Dort habe ich bei vielen Beteiligten nur eine geringere Begeisterung festgestellt, das kam etwas überraschend für mich. Es wird daher ein weiter Weg sein – aber er wird zu gehen sein, da bin ich mit sicher. Was den Nachtbus anbelangt, da bin mit der Nachbarkommune im Gespräch. Aber wer weiß, wie deutsche Ämter arbeiten, der weiß auch, dass das ein langer Prozess ist. Auch das habe ich in meinem ersten Jahr erfahren: Vieles dauert länger, als es einem manchmal lieb ist.

Haben Sie als „Nicht-Verwaltungs-Mensch“ diese Erfahrungen ein wenig ernüchtert? Als Bürger denkt man ja oft: Der Bürgermeister muss nur einen Knopf drücken, und schon passiert etwas.

 In einigen Punkten ist das deutlich festzustellen. Gerade wenn man mit vielen verschiedenen Ebenen zusammenarbeitet, das ist schon ein bisschen enttäuschend, wie mühsam einem vieles gemacht wird. Bei Förderprojekten ist das teilweise so. Die Abstimmung ist deutlich komplizierter, als man es aus der Privatwirtschaft kennt.

Was sind die großen Themen für Sie in der nächsten Zeit?

 Zum einen haben wie zwei neue Baugebiete in der Samtgemeinde und den Trend hin zu mehr Kindern. Dafür wollen wir eine vernünftige Betreuungssituation schaffen. In Hinblick auf die Zuwanderung liegt mir die Integration speziell der Kinder über die Vereine sehr am Herzen. Eine weitere Herausforderung wird sein, flächendeckend auch für die kleineren Gemeinden ein funktionierendes Feuerwehrsystem aufrechtzuerhalten. Und ich behaupte nach wie vor: Wir verkaufen unsere Samtgemeinde unter Wert. Wir haben eine phantastische landschaftliche Situation, das ist zum Wohnen super geeignet, wir haben drei Schulen, zwei Freibäder, eine Eishalle, ein so reges Vereinsleben wie kaum jemand – da sollten wir durchaus ein bisschen mehr Selbstbewusstsein entwickeln und uns besser verkaufen.

 Interview: Kathrin Klette

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