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Samtgemeinde Rodenberg Von Urnen und Feuersteinen
Schaumburg Rodenberg Samtgemeinde Rodenberg Von Urnen und Feuersteinen
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15:05 12.05.2012
Weckt das Interesse seiner Zuhörer an der Archäologie: Jens Berthold. Quelle: nah

Rodenberg (nah). Rund 50 Gäste verfolgten auf Einladung des neuen Vereins „Museumslandschaft Amt Rodenberg“ im Heimatmuseum der Deisterstadt Bertholds Erläuterungen, wie das Schaumburger Land durch die große Zahl entdeckter Urnen buchstäblich „von Null auf 300 in die archäologische Oberliga“ gelangt sei. Erneut dankte der Wissenschaftler dem Hohnhorster Grundstückseigentümer und vor allem dem Baggerfahrer, der dank früherer Auftragsarbeiten für die Archäologie sofort die kreisrunden Ablagerungen im Boden als bedeutsam erkannt habe. Berthold teilte den Stand der Arbeiten mit: Nur ein Bruchteil der Funde im Gräberfeld sei bislang erforscht worden. Alle Urnen seien jedoch mit dem sie umgebenden Erdreich geborgen und lagern sicher in Haushaltsfolie. Er wünsche sich nun Forschungsgelder: „Jede Urnenuntersuchung erfordert ein bis drei Tage.“ Er sei überzeugt, dass sich wichtige Schlüsse ziehen lassen. Unter anderem könnten Knochensplitter Rückschlüsse auf Geschlecht, Alter und Krankheiten erlauben. 

„Wäre ich Hohnhorsterin, würde ich jetzt fragen, ob ich eine Nachfahrin sein könnte“, meldete sich eine Zuhörerin zu Wort. Berthold verneinte dies: DNA-Spuren seien durch Leichenbrand vernichtet worden. „Aber denkbar ist das schon“, räumte er die Möglichkeit ein, dass nun die Asche hiesiger Urahnen nach über 2500 Jahren aufgetaucht sein könnte. 

Berthold ist überzeugt, dass die ganze Region schon sehr früh besiedelt gewesen sein muss. Darauf deuten Keramikfunde aus der vorrömischen Eisenzeit auf dem Gelände des künftigen Edeka-Zentrallagers in Lauenau sowie im neuen Siedlungsgebiet „Leimkaute“ in Rodenberg hin. Die Scherben gehören der so genannten „Nienburger Gruppe“ an, wie sie im gesamten Mittelwesergebiet bereits sichergestellt worden seien.  Weitere Indizien seien Feuerstein-Gerätschafen auf dem Alten Rodenberg und am Alten Busch bei Algesdorf. Diese verraten menschliche Präsenz für die Zeit bis 12.000 vor Christus. 

Der in Ohndorf lebende Althistoriker  Klaus Schmitz ergänzte die Ausführungen des Archäologen mit eigenen Theorien zur frühgeschichtlichen Besiedlung. Darauf lasse das von ihm so bezeichnete „Ohndorfer Meer“ schließen, das sich von Lauenau sich bis etwa Ohndorf erstreckt habe. Dass an dessen Ufern wohl Menschen lebten, konnte auch der Horster Henning Dormann belegen – mit Funden im eigenen Garten.