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Auhagen Auhagen als Testobjekt für Klimaschutzprogramm?
Schaumburg Seeprovinz Auhagen Auhagen als Testobjekt für Klimaschutzprogramm?
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19:45 02.11.2018
Quelle: pr.
Auhagen

Tobias Timm, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Weserbergland, übermittelte im Rahmen der vergangenen Ratssitzung das entsprechende Interesse des Landes. In einem Gespräch zwischen Vertretern der Gemeinde und des Ministeriums sollen nun die Bedingungen geklärt werden – unter anderem könnte es dabei um finanzielle Anreize gehen. Danach wollen sich die Auhäger Kommunalpolitiker endgültig entscheiden.

Entschieden sind hingegen die Energiestandards, die die Gemeinde in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz setzt. Gebaut werden dürfen nur Gebäude, die nach der Energieeinsparverordnung den KfW-Förderbanksstandard 55 oder besser erfüllen. Ein Haus nach dem KfW-Standard 55 benötigt 45 Prozent weniger Primärenergie als ein vergleichbarer Neubau. Für ein Haus, das den KfW-Standard 70 erfüllt, will die Gemeinde 1000 Euro Zuschuss zahlen, der Erbauer eines Passivhauses bekommt 2000 Euro Zuschuss.

Mehrere Optionen vorgeschlagen

„Die höheren Baukosten zahlen sich über die Jahre wieder zurück“, sagte Timm auch mit Blick auf eine zu vermutende Energiepreisentwicklung. Timm stellte der Gemeinde den ersten Teil des Klimaschutzkonzeptes vor, der sich auf das Neubaugebiet bezieht.

Zudem sprach er Möglichkeiten an, dass die Gemeinde Auhagen selbst die Wärme- und Stromlieferung für das Neubaugebiet übernehmen kann und von der Wertschöpfung profitiert. Auch konkrete Handlungsoptionen schlug Timm den Gemeindevertretern vor, unter anderem sollte eine mögliche Abweichung der Häuser von der Nord-Süd-Richtung kleiner als 45 Grad sein, um den Verlust an solaren Gewinnen klein zu halten, und ein Mindestabstand der Häuser, um Verschattung zu vermeiden.

Olaf Wortmann vom Team Energieservice Westfalen Weser hatte den Gemeinderatsmitgliedern mit einem Blockheizkraftwerk auch noch eine alternative Wärmelösung für die geplante Siedlung erläutert. Aber auch er beurteilte die Offerte aus dem Niedersächsischen Umweltministerium, die Siedlung mit „Kalter Nahwärme“ zu versorgen, als „hochinteressant“.

Von Jan Peter Wiborg

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70 bis rund 100 Grad beträgt üblicherweise die Vorlauftemperatur für die Wärmeversorgung über Wärmenetze. Bei dicht bebauten Siedlungen reichen Temperaturen zwischen acht und 30 Grad. Warm wird es in den Häusern mithilfe dezentraler Wärmepumpen. In der Regel strömt ein Wasser-Glykolgemisch (Sole) durch die Leitungen, um Frostgefahr vorzubeugen. Bei entsprechendem Aufbau der Wärmenetze mit „kalter Nahwärme“, die auch als Wärmenetze 4.0 bezeichnet werden, ist im Sommer auch eine Kühlung der Häuser möglich. jpw