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Von Auhagen in die Anden

Gajetzkys neues Leben Von Auhagen in die Anden

Die Diagnose war niederschmetternd: Krebs. Im Angesicht seines vermeintlich nahenden Todes beschloss Karl Gajetzky, ehemaliges Mitglied des Auhäger Ortsrats, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Er besuchte die Ruinen der Inkastadt Maccu Picchu in Peru. Heute ist er Bürgermeister eines Stadtteils in Südperu.

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Als Bürgermeister besucht der Ex-Schaumburger ein Waisenhaus.

Quelle: PR.

AUHAGEN/VILLA AMPAY. Statt eines finalen Erlebnisses bedeutete die Reise in die Anden für den gebürtigen Wiener den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Gajetzky (75) ist heute Bürgermeister von Villa Ampay, einem Stadtteil der Stadt Abancay im Süden Perus, in der über 50.000 Menschen leben. Bei der bevorstehenden Kommunalwahl möchte der Ex-Schaumburger als Oberbürgermeister der Stadt Abancay kandidieren.

In Auhagen war der Sozialdemokrat Karl Gajetzky bis 1980 zu Hause. Aus privaten und beruflichen Gründen folgte der Wegzug aus Schaumburg. Der Bauingenieur, 40 Jahre leitend tätig für den Baukonzern Hochtief, arbeitete bis zu seinem Ruhestand in Eickenrode bei Peine.

Ein Spanischkurs an der Volkshochschule

Das Rentnerdasein wurde zum Unruhestand. Gajetzky musste sich einer Krebserkrankung stellen. Um in deren Folge einer Depression zu entgehen, ging Gajetzky „unter die Leute“, belegte einen Spanischkurs an der Volkshochschule. Dieser gab Anlass zur Reise zum Sehnsuchtsziel Peru. Dass aus dem Besuch im fernen fremden Land eine lange und persönliche Verbindung wurde, verschuldete ein Busunglück, das Gajetzkys Reisegruppe traf. Längere Zeit musste er in einem Krankenhaus in Peru bleiben und erfuhr dort große Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung.

Zurück in Deutschland gründete Karl Gajetzky aus Dankbarkeit den Verein „CCC chicos-caridad-cusco / Kinder Wohlfahrt Cusco“, der sich um alleinerziehende Mütter und deren Kinder in der Region um Cusco kümmert. Immer wieder flog Gajetzky nun nach in den Andenstaat, lernte dort schließlich seine jetzige Ehefrau Adele kennen. Der Deutsche baute ein Haus in Abancay, wurde bekannt in der Stadt und –und schließlich zum Bürgermeister vom Stadtteil Villa Ampay gewählt.

Nach alle den Jahren und Erlebnissen denkt Gajetzky noch gern an die Zeit in Auhagen zurück, erinnert sich genau an die Weggefährten von damals: „Ich habe im Gemeinde- und im Samtgemeinderat unter anderem mit dem Samtgemeindebürgermeister Erich Hofmeister zusammengearbeitet. An Udo Platz, den Polizisten, erinnere ich mich ebenso.“ Eine besondere Auhäger Konstante war damals schon im Amt: Bürgermeister Kurt Blume.

Auhäger Pfingstbier und deutsches Essen

Gajetzky: „Er hat im Verbund mit dem Rat wichtige Beschlüsse gefasst und sich sehr um Auhagen verdient gemacht. Zu seinem Wort stand er immer.“ Außer der Ratsarbeit vermisst Karl Gajetzky auch das Auhäger Pfingstbier und deutsches Essen. Oft lasse er sich von seinen Söhnen Käse und Grünkohl, Spargel und Brot schicken. Beeindruckt sei er, Gajetzky, auch von der Entwicklung, die Auhagen sowie das benachbarte Sachsenhagen genommen haben. Gajetzky freut sich, dass die zwei Orte mittlerweile sehr zusammengewachsen seien. Und Gajetzky hat einen persönlichen Bezug zu den Schaumburger Nachrichten: Sein Sohn Karsten absolvierte bei den SN und der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung ein Volontariat, arbeitete bis 1997 als Redakteur, zuletzt als Chef vom Dienst, bei den SN.

Eingestellt auf das peruanische Zeitmanagement

In den Jahren, die Karl Gajetzky bislang in Südamerika verbracht hat, hat er sich einen guten Ruf erworben. „Der Deutsche ist unbestechlich“, laute ein häufig geäußertes Kompliment. Mit seiner politischen Karriere ging es in vergangenen Jahren voran. Der 75-Jährige verfügt mittlerweile über sehr gute Beziehungen, welche bis in die höchsten politischen Kreise reichen. Gajetzky: „Mit dem peruanischen Staatspräsidenten Pedro Pablo Kuczynski, der einen deutschen Vater hat, habe ich ein hervorragendes Verhältnis.“ Das Staatsoberhaupt spreche fließend deutsch. Mittlerweile habe er, Gajetzky, sich auch auf das peruanische Zeitmanagement eingestellt, das ihn, den Pünktlichkeit gewohnten Deutschen, lange genervt habe: „Man spricht hier gerne von der „hora peruana“. Das heißt, wenn ein Termin ausgemacht worden ist, sagen wir um 10 Uhr, kann man davon ausgehen, dass er frühestens um 12 Uhr beginnt.“

Neben dem politischen Wirken gibt es für Gajetzky einen weiteren zentralen Lebensinhalt. Er, der lange in einer Führungsposition bei Hochtief gearbeitet hat, engagiert sich ehrenmatlich für Kinder in Not – mittels des genannten Vereins. Abancay liegt in einer der ärmsten Regionen des Landes und Villa Ampay wiederum ist eines der ärmsten Stadtviertel von Abancay. Informationen zum Verein finden sich auf der Internetseite www.ccc-online.info, über die auch Spenden möglich sind.

Ein Besuch in der Seeprovinz ist geplant

Das Geschehen in Schaumburg verfolgt Karl Gajetzky regelmäßig: „Ich lese jeden Abend online die Schaumburger Nachrichten, die Peiner Allgemeine Zeitung und den Spiegel.“ Im kommenden Jahr will er sich das nächste Mal in der Seeprovinz blicken lassen. Den Termin bestimmt die anstehende Kommunalwahl in Abancay. „Wenn ich die Wahl verliere, komme ich im August, wenn ich siegen sollte, erst im November.“ Seine Chancen wertet Gajetzky als gut. Dem ehemaligen Mitglied im Auhäger Rat fehlen noch rund 18000 Stimmen, um als Oberbürgermeister der Stadt Abancay zu kandidieren. ano

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