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Ein Fall für die Psychiatrie?

Prozess: Internet-Mobbing Ein Fall für die Psychiatrie?

Berufungsgericht lässt Angeklagten aus Hagenburg auf seinen Geisteszustand untersuchen.

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Quelle: dpa

Hagenburg/Bückeburg. Sobald jemand etwas sagt, das ihm nicht gefällt, wird der Angeklagte fuchsteufelswild. „Ich verlange Gerechtigkeit“, wütet er. „Stopp!“, ruft der 51-Jährige dazwischen, als Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt etwas sagen möchte. Der Mann aus Hagenburg selbst nimmt dagegen kein Blatt vor den Mund, nennt einen Rechtsanwalt Betrüger, den Staatsanwalt korrupt. Dazu fuchtelt er mit den Armen. Immer wieder muss die Verteidigerin ihren Mandanten ermahnen. So recht gelingt es ihr nicht.

In einem lebhaften Prozess vor dem Landgericht in Bückeburg geht es um Beleidigung, Bedrohung und Verleumdung, insgesamt elf Fälle, die in acht Anklagen und einem Strafbefehl zusammengefasst sind. Den Anwalt seiner ehemaligen Lebensgefährtin hatte der Hagenburger im Internet beispielsweise als „Hurensohn“ beschimpft, die Frau als „Dorfschlampe“. Dies ließ er nicht nur die Opfer selbst wissen, sondern verschickte Mails mit entsprechendem Inhalt an einen größeren Kreis von Empfängern, zum Teil auch an Behörden. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte er ein Bild, das abgeschlagene Köpfe aus Stein zeigt. Der Titel: „Die Kinderschänder von Hagenburg“.

All dies gibt der Angeklagte freimütig zu, erklärt aber, die Worte hätten in Wirklichkeit eine andere Bedeutung. Der Anwalt, den der 51-Jährige im Internet gemobbt hat, will nur eins: „Es muss aufhören.“ In Angst lebt auch die Ex des Angeklagten. Als die Frau einmal mit ihrer Tochter im Auto saß, soll ihr Verflossener an der Seitenscheibe gestanden und mit einem Taschenmesser Bewegungen in Richtung der beiden Insassen gemacht haben.

Vor sieben Monate hatte das Amtsgericht Stadthagen den Arbeitslosen zu einem Jahr Haft verurteilt. Richter Kai Oliver Stumpe nannte ihn damals einen „Überzeugungstäter“, der „durch Urteile, Warnungen und Auflagen nicht zu erreichen“ sei. Der Hintergrund: Nur einen Tag nach einer Verurteilung im Jahr 2012 hatte der Internet-Mobber völlig unbeeindruckt die nächste Mail verschickt.

Im Berufungsverfahren möchte der 51-Jährige jetzt auf eine Bewährungsstrafe hinaus. Die Entscheidung ist vertagt. Richterin Eike Höcker, Vorsitzende der Berufungskammer, hat die Hauptverhandlung ausgesetzt, um den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Ein Gutachter soll beurteilen, ob dieser zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Taten schuldfähig war. Richterin Höcker hat den „Eindruck, dass er nicht so ganz versteht, was hier der Vorwurf ist“. Außerdem soll das Gutachten Klarheit bringen, ob der aufbrausende Mann ein Fall für die geschlossene Psychiatrie ist. Er selbst behauptet, er sei auf offener Straße angegriffen und sogar in der eigenen Wohnung geschlagen worden, ohne jedoch Details zu nennen.

Bereits am Donnerstag sitzt der 51-Jährige erneut auf der Anklagebank. Vor dem Amtsgericht in Stadthagen geht es um ähnliche Vorwürfe. In anderer Sache hat der Angeklagte zwischenzeitlich eine mehrmonatige Haftstrafe verbüßt. Ruhiger ist er nicht geworden.  ly

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