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Mann macht Ex das Leben zur Hölle

Hagenburg/Stadthagen / Prozess Mann macht Ex das Leben zur Hölle

Mobbing im Internet kostet einen 50-Jährigen aus Hagenburg die Freiheit. Das Amtsgericht in Stadthagen hat den Mann gestern zu einem Jahr Haft verurteilt.

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Hagenburg/Stadthagen. Abgesehen hatte es der Mobber vor allem auf seine frühere Lebensgefährtin und deren Anwalt. Die Ex beschimpfte er in E-Mails beispielsweise als „Dorfschlampe“, den Juristen als „Hurensohn“.

 Beiden, so Richter Kai Oliver Stumpe, habe der Angeklagte das Leben zur Hölle gemacht. Zum Teil verschickte dieser aber auch Mails an Behörden oder einen größeren Kreis von Privatpersonen. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte er ein Bild mit abgeschlagenen Köpfen aus Stein.

 In einem ähnlichen Verfahren hatte es das Gericht 2012 noch bei einer Bewährungsstrafe belassen, verbunden mit der Warnung, dass der 50-Jährige im Wiederholungsfall hinter Gittern landet. „Er hat mir hoch und heilig versprochen, dass so etwas nicht wieder vorkommt“, erinnert sich Richter Stumpe. „Das Gegenteil ist eingetreten.“

 Mehr noch: Bereits am Tag nach dem Urteil hatte der Hagenburger die nächste Mail verschickt. „Durch Urteile, Warnungen und Auflagen ist er nicht zu erreichen“, stellt Stumpe fest und spricht von einem „Überzeugungstäter“. Allein seit dem Urteil von 2012 sind acht Anklagen und ein Strafbefehl hinzugekommen, um die es gestern ging. Verurteilt hat das Gericht den Angeklagten wegen Bedrohung, Beleidigung und Verleumdung, insgesamt mehr als ein Dutzend einzelner Fälle.

 Kritiker werfen der Justiz manchmal vor, dass durch Knast noch niemand besser geworden sei. „Wenn ich das glauben würde“, so Richter Stumpe, „hätte ich meinen Beruf verfehlt.“ Verteidiger Oliver Theiß hatte für seinen Mandanten Bewährung befürwortet und als Auflage eine Therapie, ambulant oder stationär. Staatsanwalt Günter Wilkening fordert acht Monate Haft.

 Der Anwalt, den der 50-Jährige im Internet gemobbt hat, wünscht sich nur eins: „Es muss aufhören. Ich mache morgens meinen Laptop auf und sehe sein Gesicht.“ Der Jurist gibt zu: „Ich habe Angst vor ihm.“

 Ähnlich fühlt sich die Ex des Angeklagten, eine 53-Jährige aus Hagenburg. Ihr Leben ist nicht mehr wie früher: „Ich ändere meine Wege, mache sofort die Zentralverriegelung runter, wenn ich im Auto sitze, oder Freunde bringen mich nach Hause.“ Und wenn sie sich eine andere Wohnung nehmen würde? Gegenfrage: „Warum soll ich umziehen? Weil er mich stalkt?“ Das Paar hatte auch juristisch im Clinch gelegen.

 Sorgen macht Richter Stumpe, dass der Mann erstmals „die Grenze der elektronischen Medien überschritten“ habe. Als seine Ex und deren Tochter einmal im Auto nach Hause kamen, stand er neben dem Wagen und fuchtelte mit einem Taschenmesser rum. Die Message, so Stumpe, sei klar: „Ich steche euch ab.“

 Über die gestern verhängte Strafe hinaus droht dem 50-Jährigen der Widerruf einer laufenden Bewährung. Das wären weitere vier Monate Haft. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.  ly

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