Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Hagenburg Premiere auf der Kanzel
Schaumburg Seeprovinz Hagenburg Premiere auf der Kanzel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:49 29.06.2018
Hagenburg

„Auf der Kanzel war ich noch nie“, wundert sich der 53-jährige Theologe schon fast ein wenig, obwohl er in der Kirche, in der er selbst konfirmiert wurde, schon Paare getraut und Silberhochzeiten gefeiert hat.

Für Wilkening begann mit seiner erfolgreichen Bewerbung um die Pfarrstelle in der Gemeinde Altenhagen-Hagenburg vor einigen Monaten eine Reise zu seinen persönlichen Wurzeln. Nun ist er mit seiner Frau Sabine und den 15- und 17-jährigen Kindern dabei, im Pfarrhaus in Niedernwöhren die Kisten zu packen und sich rund um den Dienstantritt am 1. Juli für den Umzug ins Pfarrhaus in Hagenburg zu rüsten.

Cord Wilkening und seine Frau Sabine stammen beide aus dem Flecken in der Seeprovinz. Der heutige Pastor wuchs im Elternhaus an der Twegte auf, engagierte sich ab der Konfirmandenzeit im Jugendkreis der Kirchengemeinde. Noch heute gerät er ins Schwärmen, wenn er von den damaligen Aktivitäten berichtet: „Das war so die Zeit, in der man erstmals alleine von zu Hause weggehen durfte.“

Mit Glaube auch Berufung gefunden

Es war auch die hohe Zeit des Volleyballspielens der Schaumburg-Lippischen Kirchenjugend mit großen Turnieren an vielen Orten. Auch der Jugendkreis der Kirchengemeinde zog mit: „Wir trafen uns immer am Sonnabend zum Volleyballspielen“, berichtet Wilkening. Aber die Beschäftigung mit dem evangelischen Glauben kam nicht zu kurz. Über den Jugendkreis lernte er nicht nur seine spätere Frau kennen. Dort merkte der Abiturient, dass er in seiner Beschäftigung mit dem Glauben offenbar auch seine Berufung gefunden hatte.

1985 verließ er Hagenburg, um nach dem Zivildienst in Bethel, Heidelberg und Göttingen Theologie zu studieren.

Wilkening trat das Vikariat 1993 in Seggebruch an. Die Dienstzeit auf Probe absolvierte er in Meerbeck und übernahm 1999 die Stelle in Seggebruch, wo er bis 2009 blieb. Weitere neun Jahre in Meerbeck folgten, ehe er sich zum Wechsel nach Hagenburg entschloss.

Dem anfänglichen Werben aus der Seeprovinz setzte er noch Skepsis entgegen, doch viele Gespräche haben ihn inzwischen überzeugt: „Es ist toll, überall treffe ich auf strahlende Gesichter, auf Menschen, die sich freuen.“

Kirchengemeinde „vielfältiger“ geworden

33 Jahre hat er nicht in Hagenburg gelebt, das Geschehen in der Kirchengemeinde nur aus der Ferne verfolgt. Für den Seelsorger bedeutet der Umzug nach Hagenburg deshalb quasi ein Neuanfang.

„Vielfältiger“ sei die Kirchengemeinde durch die Zuzüge vieler Menschen geworden, meint Wilkening. Neue Frömmigkeitsstile seien dazugekommen. Diese vielen individuellen Glaubensvarianten versieht er gerne mit dem Begriff „persönlichkeitsspezifisches Credo“. Er möchte ihnen zusätzlich zu einer intensiven Seelsorge Raum geben unter dem Dach der Kirchengemeinde.

Das „mannschaftliche Arbeiten“ steht für den Pastor absolut im Vordergrund. Nur in diesem Sinne will er den ihm angetragenen Vorsitz im Kirchenvorstand übernehmen. Das Thema „Wurzeln“ beschäftigt ihn, es wird auch Thema in seinem Einführungsgottesdienst am Sonntag, 22. Juli, ab 15 Uhr in der Nicolai-Kirche sein.

Rund um seinen Umzug in das Pfarrhaus hat er gemeinsam mit seiner Frau Sabine und Küster Heiko Tomsic auch einen Teil des Gemeindehaus-Dachbodens entrümpelt und eigene Vergangenheit bewältigt: Die damals „revolutionär gemütlichen“ lila-grün gestreiften, aber inzwischen maximal verstaubten Sofapolster aus der Zeit des Jugendkreises entsorgte er eigenhändig in den Container. So ganz von alten Gewohnheiten will der begeisterte Sportler aber nun doch nicht lassen – und wird wohl auch in Hagenburg wieder Volleyball spielen. jpw