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Flugzeugabsturz am Steinhuder Meer gibt Rätsel auf Suche am falschen Ort

Eigentlich wollte der Kalifornier Selden R. Edner jr. im Sommer 2017 mit seiner Frau wieder ans Steinhuder Meer kommen. Nur zum Fahrradfahren. Beim ersten Mal Mitte Juni hatte der 68-Jährige in der Seeprovinz die Spur seines Vaters verfolgt. Selden R. Edner sen. sollte am 8. März 1944 mit seinem P-51 Mustang-Kampfflugzeug nahe Hagenburg abgeschossen worden sein. Der Kampfpilot überlebte den Absturz und geriet in deutsche Kriegsgefangenschaft. Von Seldners Trip in die Familienvergangenheit hatten die Schaumburger Nachrichten berichtet.

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Selden R. Edner jr. verfolgt am Steinhuder Meer die Spur seines Vaters, der im März 1944 nahe Hagenburg abgeschossen worden sein soll. Tatsächlich führt die Spur jetzt nach Berlin.

Quelle: jpw

HAGENBURG. . Edner jr. trug den „Missing Air Crew Report“ (MACR) der amerikanischen Luftwaffe auf seinem Smartphone mit sich. In dem Bericht über die fehlende Besatzung ist notiert, dass am fraglichen Tag eine B-51 „crashed on fire“ um 13.29 Uhr bei Hagenburg abgestürzt ist.
„Das war nicht die Maschine von Selden Edners Vater“, ist sich indes Dirk Hartmann aus Hülsede sicher. Der Experte für den Luftkrieg in der Region hat sich auch mit den Abstürzen am Steinhuder Meer beschäftigt. „Ein Vermerk der amerikanischen Untersuchungskommission ist nachträglich hinzugefügt worden“, erläutert Hartmann den Irrtum. Offenbar seien die Einheiten verwechselt worden. Edner sei tatsächlich und definitiv mit seinem Flugzeug bei Berlin abgestürzt.
Hartmann weiß: An dem fraglichen Tag stürzte bei Hagenburg nur eine einzige Maschine ab, eine weitere bei Wölpinghausen, eine P-47 Thunderbolt. Der Pilot sei auf dem Friedhof in Bergkirchen erstbestattet worden.
Während der Absturzort der Maschine in Hagenburg auch aus den deutschen Unterlagen nicht hervorgeht, hat Hartmann den Namen des getöteten Piloten parat: Daniel S. Rothenberg. Seine P-51 ist in rund 3500 Metern Höhe von einer deutschen Focke-Wulf 190 getroffen, gestreift und am Dümmer zum Absturz gebracht worden, heißt es bis heute in den amerikanischen Akten.
Rothenbergs Spur findet sich aber am Steinhuder Meer – und zwar im Kirchenbuch der Gemeinde Altenhagen-Hagenburg. „Amerikanische Fliegerleichen im Bruch gefunden“, notierte Pastor Arnold Teudt Anfang 1944, „von der Wehrmacht gebracht“. Und der Pastor listete drei Piloten auf, die er auf dem Friedhof bestattet hat. Die ersten beiden, F. Clarkson und J. N. Morris, stammen aus dem Lancaster-Bomber, der am 20. Februar 1944 ins Steinhuder Meer gestürzt ist – und von dem jüngst Teile geborgen wurden.
„D. S. Rothenberg, N.O., 687399 T. 42 S. 43 A, am 11. März beerdigt“, ist im Kirchenbuch an dritter Position festgehalten worden, und weiter: „Rothenberg, Amerikaner, exhumiert am 11. März 1946, nach Holland zum Sammelfriedhof überführt.“ Seine sterblichen Überreste wurden über Belgien in seine Heimat nach New Jersey gebracht.
Der Vater von Selden Edner hingegen hat nach seinem Absturz in der Nähe von Berlin im griechischen Bürgerkrieg als Luftbeobachter einen weiteren Absturz überlebt, um im Bergdorf Karpenesi von Kommunisten ermordet zu werden.
Ein Buch wollte Edner jr. schreiben über seinen Vater, das geplante Kapitel über den Absturz in Hagenburg muss er nun umschreiben; die Erkenntnisse erreichten ihn bereits per E-Mail in Kalifornien. Geantwortet hat er noch nicht, also ist noch offen, ob Edner im Sommer am Steinhuder Meer nun wirklich mit dem Fahrrad seine Runden dreht, vermutlich wird Berlin als Reiseziel den Vorzug bekommen. jpw

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