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Versunken im Schlamm?

Bomber-Absturz über dem Steinhuder Meer von 1944 Versunken im Schlamm?

Wo ist Kenneth James Goodwin? Die Spur des jungen australischen Lancaster-Bomberpiloten verliert sich am frühen 20. Februar 1944 um kurz vor 3 Uhr morgens im Schlamm des Steinhuder Meeres in der Nähe des westlichen Ufers.

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Goodwins Mutter fragt nach dem Schicksal ihres Sohnes.

Quelle: pr

HAGENBURG. So viel findet zumindest im Mai 1946 der Suchdienst der britischen Royal Air Force heraus, dessen Mitarbeiter in Hagenburg den Bürgermeister befragen. Dieser, so steht es im Bericht, habe aber 1944 nicht im Ort gelebt. „He thougt four man had been recovered and the were buried at Altenhagen“, notiert der Fragen stellende Offizier G.T. Smith.

Mit der Annahme, dass Besatzungsmitglieder auf dem Friedhof in Altenhagen bestattet sind, besucht die Delegation den Pastor Arnold Teudt. Der Geistliche bestätigt nun, dass zwei Besatzungsmitglieder gefunden und beigesetzt wurden: Goodwin nicht: F. Clarkson ist am 23. Februar, und I.I. N. Morris ist am 26. Februar 1944 und A. Rothenberg am 11. März beerdigt. Letztgenannter gehört nicht zur Crew.

6000 Bomber und 3670 Begleitjäger

Goodwins ursprünglich australische, aber während des Zweiten Weltkriegs international besetzte Schwadron, beteiligte sich von Binbrook, Lincolnshire aus an den strategischen Bombardements der Royal Air Force. Am Einsatztag, dem 20. Februar 1944, als der deutsche Nachtjägerpilot Heinz Ferger die Lancester als eine von vier Maschinen mit mehreren Treffern unter anderem in den Bombenschacht in Brand setzte, begann für die Alliierten die Big Week mit Luftangriffen auf speziell ausgewählte Ziele der deutschen Rüstungsindustrie. Tagsüber flogen die Amerikaner und nachts die Briten mit rund 6000 Bombern und 3670 Begleitjägern. Diese Tage gelten als der Beginn des entscheidenden Abschnitts des Luftkrieges gegen das Deutsche Reich. Die Lancaster hatte ihre Bombenlast wohl auf den Rüstungsbetrieben in Helmstedt oder Braunschweig bereits abgeladen und befand sich auf dem Rückflug nach England, kurz vor dem Steinhuder Meer, einem wichtigen Orientierungspunkt der Alliierten Bomberverbände.

Knapp anderthalb Jahre nach dem Abschuss der Lancester gibt sich die nach Hagenburg gereiste Kommission nicht zufrieden. Von einem Einwohner, der die Leiche von Clarkson am Ufer des Sees gefunden hat, erfahren sie, dass das Flugzeug bereits in der Luft und auch noch einmal im See explodiert sei. Der Körper von Morris sei im See entdeckt und ein Flügel des Flugzeugs sei ein Kilometer vom Ufer entfernt in den Wiesen aufgeschlagen. Der Rest des Flugzeuges stecke immer noch im Steinhuder Meer. Dort, so vermutet der Augenzeuge, müssten sich auch noch die drei restlichen Besatzungsmitglieder – unter ihnen Goodwin – befinden.

Smith besichtigt die Stelle. „A small portion“ habe über die Wasseroberfläche geragt, aber nichts mehr, um ein Flugzeug zu identifizieren. Er zitiert noch einmal den Bürgermeister in Übereinstimmung mit einem Schiffer: Zunächst habe fast das ganze Wrack aus dem Wasser geragt, es sei aber nach und nach im Schlamm versackt und es liege nun in zehn Meter Schlamm und rund 50 Zentimeter Tiefe.

Ein Heben der Machine ist nicht möglilch

Es ist wohl ziemlich sicher, so schließt der Offizier, dass die drei Vermissten sich in noch in dem Wrack befänden. Wären sie auf das Land gefallen, hätte man sie bei der unmittelbar eingeleiteten, intensiven Suche gefunden, im Wasser hätten sich ihre Körper bestimmt in den Fischernetzen verfangen.

Die Mutter Goodwins in einem Vorort von Sydney hegte 1946 mit Blick auf vergleichbare Abschüsse immer noch die Hoffnung, ihr Sohn habe sich mit dem Fallschirm in Sicherheit bringen können. Klären konnte Smith vor Ort die bange Fragen der australischen Familie nicht. Geeignetes Gerät zum Heben der Maschine stünde nicht zur Verfügung, bedauert er.

Wohl erst 1950 beantragte ein Hagenburger Altmetallhändler bei der Fürstlichen Hofkammer in Bückeburg die Erlaubnis die Maschinen aus dem Steinhuder Meer bergen zu können. Überlieferte Beobachtungen von Bergungshelfern, dass sich auch Knochen in den Maschinen befanden, lassen sich aber nicht unbedingt präzise auf die Lancaster beziehen.

Thorsten Perl, der seit 1995 mit dem Verein Flieger, Flugzeuge, Schicksale aus Wardenburg bei Oldenburg, nach vermissten Besatzungsmitgliedern aus dem Zweiten Weltkrieg sucht, hat Kontakt zu den Nachfahren des Piloten. Diese bitten um weitere Information rund um den Absturz, falls sich rund um das Steinhuder Meer auch nach 72 Jahren noch Wissen mobilisieren lässt. „Vielleicht“, hofft Perl, „gibt es bei den Fischern noch Erinnerungen.“ jpw

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