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Sachsenhagen Hasemann erntet Wärme aus Weiden
Schaumburg Seeprovinz Sachsenhagen Hasemann erntet Wärme aus Weiden
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18:56 11.04.2012
Wilfried Hasemann in seiner Weidenplantage. Quelle: rg
Nienbrügge/Landkreis (ab)

Das Feld, auf dem er sogenanntes Energieholz stehen hat, liegt nahe Lauenhagen. Dünne, hohe Bäumchen biegen sich dort im Wind.

 Den 44-jährigen Wilfried Hasemann beschreibt man wohl am besten mit dem Wort „umtriebig“. Er arbeitet als Kfz-Meister in Vornhagen, betreibt „Eikhof’s Kaffeestube“ in Hülshagen, und er kümmert sich um ein paar landwirtschaftliche Flächen, auch wenn er die meisten verpachtet hat. Bei Lauenhagen baut Wilfried Hasemann das Material für die Holzhackschnitzel an, mit denen er winters die Heizung füttert. „Es war eine ungewöhnliche Idee“, sagt er, „aber die Sache funktioniert.“

 Etwa 1000 Quadratmeter Fläche muss Hasemann beheizen, wenn er in Hülshagen Wirtschaftsgebäude und Kaffeestube warm kriegen will. „Seit sieben Jahren verfeuere ich jetzt Holzhackschnitzel“, erzählt er. „Es lag nahe, das Holz vom eigenen Feld zu holen – auch weil die Fläche als Grünbrache inzwischen aus der EU-Förderung gefallen war.“ Deshalb stehen seit fünf Jahren besonders schnell wachsende Bäume auf dem etwas mehr als einen Hektar großen Acker. Zwei bis drei Meter legen sie pro Jahr zu. „Alle zwei bis fünf Jahre können wir ernten“, sagte Hasemann. Dabei hilft ihm das landwirtschaftliche Lohnunternehmen von Thorsten Mensching aus Nienbrügge.

 „Nach der Ernte treiben die Pflanzen neu aus, meist entstehen sieben oder acht neue Triebe“, erklärt Wilfried Hasemann. Auf dem Feld ist ein beachtlicher Stapel an Stämmen und Ästen gewuchert. „Den lassen wir bis zum Herbst trocknen, dann wird geschreddert, zum Schluss verfeuert.“ Etwa 200 Kubikmeter Weidenholz braucht er, um warm über den Winter zu kommen. Die Umstellung von Heizöl auf Holzhackschnitzel lohnt sich. Wilfried Hasemann rechnet damit, dass sich die Maßnahme in etwa der Hälfte der Zeit amortisiert, die er eigentlich veranschlagt hatte.

 Beim Anbau des eigentümlichen „Wäldchens“ hat ihm seinerzeit ein Spezialist geholfen, Joachim Hüttmann, der in Soltau ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen betreibt. „Wilfried Hasemann hat eine Weidensorte namens Salix angebaut, die aus Schweden stammt“, sagt Hüttmann. Felder wie das bei Lauenhagen bezeichnet er als KUP. Das steht für „Kurzumtriebsplantagen“: Weil das Energieholz schnell wächst, ist die Ertragslage besonders gut. „Immer mehr Menschen heizen mit Holzhackschnitzeln, deshalb ist die Nachfrage in den vergangenen Jahren stark angestiegen“, sagt Joachim Hüttmann.

 „Ich rechne damit, dass Energiepflanzen auch in Schaumburg an Bedeutung gewinnen“, bestätigt Friedrich Wilharm, Geschäftsführer des Landvolks Weserbergland, „da ist Bewegung drin.“ Seit erneuerbare Energien wegen des Atomausstiegs in den Fokus gerückt seien, beschäftigten sich Landwirte mit den Powerpflanzen. Im Landesverband des Landvolks hat sich sogar ein Arbeitskreis gebildet, der dieses Thema bearbeitet. Plantagen wie die von Wilfried Hasemann sind zudem eine ökologisch höchst willkommene Abwechslung zu den Mais-Monokulturen, die vielerorts gewuchert sind; Schaumburg liegt beim Mais allerdings unter dem Durchschnitt.

 Die Bandbreite der Pflanzen, die Wärme oder Strom erzeugen können, ist groß. Dazu eignen sich nicht nur Wilfried Hasemanns Weiden, sondern auch Exoten wie das Chinagras. „Wichtig ist jetzt, dass die Züchtung verfeinert wird – natürlich ohne Gentechnik“, sagt Landvolk-Geschäftsführer Friedrich Wilharm. Energiepflanzen könnten vor allem geeignet sein, Standorte mit schlechten Erträgen aufzuwerten.