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Hoffen auf eine Operation

Seeprovinz / Schicksal Hoffen auf eine Operation

Daniel Seefeld sitzt auf der Arbeitsfläche in der Küche und schaut aus dem Fenster. In diesem Moment – einer von wenigen – ist der Vierjährige ruhig. Wenige Augenblicke später springt er auf den Küchenboden, hüpft herum, schlägt um sich oder kreischt schier unverständliche Laute.

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Natascha und Daniel Seefeld versuchen, das Leben trotz der schweren Erkrankung gemeinsam zu genießen.

Quelle: on

Seeprovinz. Daniel leidet an einem Hirntumor, durch den er sich körperlich viel schneller entwickelt als andere Kinder, geistig jedoch nicht. Noch dazu ist er an Epilepsie erkrankt. „Als ich von seiner Erkrankung erfahren habe, dachte ich, die Welt geht unter“, sagt seine 36-jährige Mutter Natascha. „Doch der Alltag bestimmt über das Leben, das hilft“, sagt die Buchhalterin.

 Daniel ist mit seinen vier Jahren schon 1,20 Meter groß, das Sprechen – bis April dieses Jahres beherrschte er knapp 120 Wörter – hat er wieder verlernt. Er kann laufen, doch sein Gleichgewichtssinn ist extrem gestört. Geistig bewege er sich eher auf dem Niveau eines Ein- bis Zweijährigen, erzählt seine Mutter. Doch die Hormonschübe durch die körperliche Pubertät könne er mit seinem geistigen Alter nicht beherrschen. Ständige Unruhe und Aggressionen sind an der Tagesordnung. Dennoch zeigt er eine innige Beziehung zu seiner Mutter, zu der er immer wieder – wie ein Kleinkind – kuscheln kommt.

 Als Daniel zehn Monate alt war, fiel seiner Mutter auf, dass sich beim Baby eine Körperbehaarung wie bei einem Erwachsenen entwickelte. Eine Reihe von Untersuchungen ergaben, dass Daniel im Alter von einem Jahr schon den Testosteronspiegel eines Zwölfjährigen besaß. Im Alter von 15 Monaten stellten die Ärzte durch eine Magnetresonanztomographie (MRT) – dabei werden mithilfe eines starken Magnetfeldes Schnittbilder vom Inneren des Körpers erstellt – fest, dass bei Daniel oberhalb des Sehnervs ein Hirntumor sitzt. Zudem wurden bei Hirnstrommessungen Auffälligkeiten festgestellt. „Die Ärzte sagten, es müsse nicht sein, dass Daniel Epileptiker wird, doch im Mai 2013 hatte er seinen ersten Anfall“, sagt Seefeld.

 Seitdem stürzt Daniel andauernd. Unzählige Male hat er sich trotz eines speziellen Epilepsiehelms bei seinen Anfällen schon Verletzungen zugezogen. Auch momentan hält ein Klammerpflaster eine Platzwunde an seiner rechten Augenbraue zusammen.

 „Meine Hoffnungen drehen sich um eine mögliche Operation“, sagt die Mutter. Allerdings gebe es zurzeit offenbar keinen Arzt, der das enorme Risiko einer solchen Gehirnoperation eingehen wolle. Und selbst wenn es die Möglichkeit einer Operation gebe, würde Natascha Seefeld das Risiko eines solch schweren Eingriffs nicht unbedingt wagen wollen. „Wenn die Chancen 50 zu 50 stehen, würde ich mich gegen eine Operation entscheiden, wenn die Chancen 70 zu 30 stehen, dass alles gut geht, würde ich sagen ‚vielleicht‘“, sagt sie und ergänzt: „Zum Glück hat sein Vater da auch etwas zu sagen, wir teilen uns das Sorgerecht gleichermaßen.“

 Zur Freude der Mutter hätten die Ärzte ihr mitgeteilt, dass Daniel eine Lebenserwartung wie jedes andere Kind habe. Der Tumor wachse nicht. Allerdings könne er eventuell Druck auf Daniels Sehnerv ausüben, wodurch er erblinden könnte.

 Therapiert wird der Vierjährige mit Hormonspritzen gegen die pubertäre Entwicklung – allerdings schlüge das Medikament nicht so gut an, wie es der Fall sein sollte, meint die Mutter. Ein anderes Medikament soll die epileptischen Anfälle mindern.

 Sie selbst versucht, unter anderem durch Delfin- und alternative Therapien ihren Sohn ruhiger werden zu lassen. Eine Reittherapie soll seinen Gleichgewichtssinn fördern. Eine große Hoffnung sieht sie in einem internationalen Ärztekongress, bei dem Daniels „Fall“ vorgestellt werden soll. „Vielleicht findet sich dort ein Arzt, der meinen Sohn sicher operieren kann.“

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