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Schneller Blick in die Gründungsgeschichte

Sachsenhagen Schneller Blick in die Gründungsgeschichte

Sie tun, was sie tun können: Eine Verbindungsmauer, Tierknochen, Brandspuren und Tonwaren - Der schnelle Blick, den Kommunalarchäologe Jens Berthold und sein ehrenamtlicher Helfer Ronald Reimann rund um den Sachsenhäger Schlossturm in die Vergangenheit riskieren, reichte bis in das Hochmittelalter, der Gründungszeit der Burg Sachsenhagen.

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Irdenware aus dem Hochmittelalter und Siegburger Keramik aus dem 15. Jahrhundert (links). Die ersten Funde aus der Gründungszeit der Burg sind geborgen.

Quelle: jpw

Die Finger sind klamm, die Anzeige des Thermometers klettert kaum über Null Grad. Die Luft rund um den Schlossturm in Sachsenhagen ist feucht. Doch das stört Berthold und Reimann nicht, sie verrichten ihre Arbeit.

Profi Berthold ist als Kommunalarchäologe für die Landkreise Hameln, Schaumburg und Nienburg zuständig. Sein Auftrag: Immer gerade dort aktiv zu sein, wo vor dem Beginn von Bauarbeiten im Untergrund sichernswerte Spuren vermutet werden. Das hält ihn in Atem. Aktueller Auftrag: Vor dem Beginn der Bauarbeiten rund um den Sachsenhäger Schlossturm einen Blick in den Untergrund zu werfen.

Südöstlich vom Burgturm, dem „Bergfried“, hinter dem Haus Schlossgang 5, entsteht in Tagesarbeit ein Fenster in die Vergangenheit.

In knapp zwei Metern Tiefe erreichen Berthold und Reimann das erste Nutzungsniveau des Areals mit Holzkohle, Ton und Irdenware. „Wir sind irgendwo im Hochmittelalter“, diagnostiziert Berthold nach einem ersten, schnellen Blick. „12. bis 13. Jahrhundert kommt da ganz gut hin“. Die kleinen Körbchen voller Scherben, Tierknochen und Klumpen mit Brandspuren sind die ersten archäologischen Funde, die mit der Gründungsphase in Verbindung gebracht werden können.

Dass es sich möglicherweise um den „Müllhorizont“ aus der Zeit der Bauarbeiten an der Burg handeln könne, darüber spekuliert der Fachmann.

Über dem ersten Nutzungsniveau des Areals türmt sich ein runder Meter sandiger Erde, ohne viel menschliche Spuren. Dieser stammt aus der Aue, ein Teil der Hügelanschüttung, bevor darüber die letzten Dezimeter eher neuzeitlicher Bauschuttspuren in der Erde zu sehen sind.

Auf der Vorderseite des Turmes, links neben dem Kariatydenportal, ist – für den forschungsorientierten Denkmalpfleger Berthold „nicht ganz überraschend“ - rund ein Meter Mauerwerk freigelegt, das sich etwa 20 Zentimeter unter dem Pflaster verbirgt. „Ein Rest der Verbindungsmauer zwischen Schlossturm und Amtshaus.“ Bauarbeiter öffneten das Pflaster nur, weil genau dort neue Versorgungsleitungen in den Turm gebohrt werden sollten. Berthold empfahl in Kontakt mit dem Ingenieurbüro und der Stadt, dieses Vorhaben an einer anderen Stelle umzusetzen und dafür eine kleine, zugemauerte Öffnung zu nutzen: „Besser und es hilft, Kosten zu sparen.“ Mehrere Meter Leitung sind so nun nicht mehr notwendig.

Auswerten wird der Fachmann Berthold die Funde später, in etwas mehr Ruhe – und Wärme Die aus seiner Sicht möglicherweise kritischen Bereiche sind vor Ort inspiziert. Die Bauarbeiten zur Umgestaltung des Schlossturmumfeldes können beginnen.

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