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Samtgemeinde Sachsenhagen Rosige Zeiten für die Seeprovinz?
Schaumburg Seeprovinz Samtgemeinde Sachsenhagen Rosige Zeiten für die Seeprovinz?
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13:16 11.03.2018

„Wichtig ist, ob die Kommunen in der Lage sind, den Schuldendienst zu leisten.“

Daran hat der Finanzexperte im Fall der Samtgemeinde Sachsenhagen keinen Zweifel. Die Kreditzinsen seien weiterhin günstig, die Darlehen langfristig festgelegt. „Schlimmstenfalls müssten wir nach deren Ablauf umschulden und die Laufzeiten verlängern“, meint Behrens.
Um sich der realen Samtgemeinde Pro-Kopf-Verschuldung jedes einzelnen Einwohners anzunähern, müssen noch die Schulden des Abwasserbetriebes hinzu addiert werden, macht für jeden Einwohner noch einmal rund 86 Euro zusätzlich.

Kalkuliert auf dem Jahresanfang 2017 hätte also jeder Einwohner der Samtgemeinde rechnerisch 626 Euro Schulden für das, was auch mit Daseinsvorsorge beschrieben wird und unter anderem Schulen, Kindertagesstätten, Sportstätten, Feuerwehr und die Abwasserbeseitigung umfasst.

Die finanzielle Struktur der Samtgemeinde mutet kompliziert an: Um eine Vergleichbarkeit zum Beispiel mit einer Einheitsgemeinde wie der Stadt Wunstorf herzustellen, müssen aus der Sicht des einzelnen Einwohners noch die Schulden hinzuaddiert werden, die in der Kommune in den Büchern stehen, in der er wohnt.

Auskömmliche Situation 

Für Hagenburg hat sich die Situation in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch den Abriss des maroden Schwimmbades und der steigenden Einnahmen aus dem Verkauf von Bauplätzen auskömmlich gestaltet. Die Pro-Kopf-Verschuldung im Flecken befindet sich in einem stetigen Sinkflug und betrug am Jahresanfang noch etwas mehr als zehn Euro. Gegenwärtig ist geplant, dass die Zahl zum Ende des Jahres bei einem Betrag von etwas mehr als sieben Euro einstellig wird.

Sachsenhagen hat noch wenige Altschulden aus der Dorferneuerung zu tilgen. Am Jahresanfang betrug die Pro-Kopf-Verschuldung in den Büchern der Stadt rund 677 Euro. Sie könnte zum Jahresende auf 1102 Euro steigen – doch Behrens, der auch Sachsenhäger Stadtdirektor ist, gibt quasi Entwarnung. Zwei Kreditermächtigungen aus den vergangenen Jahren müssten wohl nicht in Anspruch genommen werden. Der Verkauf von Baugrundstücken habe die Erschließungskosten für das neue Baugebiet bereits wieder eingespielt. Und die geplante Erschließung des neuen Gewerbegebietes sei in diesem Haushalt neu veranschlagt worden. So können die Sachsenhäger Haushalte wohl durchatmen.

Die Pro-Kopf-Verschuldung wird voraussichtlich bis zum Ende des Jahres auf 538 Euro sinken. Im Gegensatz zu den anderen Kommunen erzielt Sachsenhagen nicht nur Einnahmen aus dem Verkauf von Bauplätzen. Die Stadtkasse profitiert von der Kaliverladung im Sachsenhäger Hafen und auch von der sogenannten Umweltabgabe, die von Seiten der Abfallwirtschaftsgesellschaft Schaumburg für den Betrieb des Entsorgungszentrums auf Sachsenhäger Stadtgebiet bezahlt wird.

Tilgung läuft rund

Die Gemeinde Wölpinghausen hatte am Jahresanfang eine Pro-Kopf-Verschuldung von 175 Euro. Unter anderem schlägt der Eigenanteil für den Ausbau der Ortsdurchfahrt zu Buche. Doch trotzdem läuft die Schuldentilgung rund: Am Jahresende sollen die Schulden auf 119 Euro pro Kopf sinken.

Die Pro-Kopf-Verschuldung in Wölpinghausen könnte von rund 332 Euro am Jahresanfang auf 1434 Euro zum Jahresende springen. Dafür gibt es einen wesentlichen Grund. Für die Finanzierung des seit langem geplanten Ausbaus der Kreisstraße 37, sofern er denn in diesem Jahr beginnt, müsste die Gemeinde zunächst in Vorleistung gehen, bekäme das Geld aber zu einem späteren Zeitpunkt vom Landkreis zurückgezahlt.

Die Pro-Kopf-Verschuldung für jeden Einwohner von Hagenburg beträgt also gegenwärtig rund 633 Euro. Sie ist damit die niedrigste in der Samtgemeinde.
An zweiter Stelle rangieren die Einwohner Auhagens, die mit 801 Euro pro Kopf in der Kreide stehen. Wölpinghäuser haben pro Kopf rechnerischjeweils eine Last von 958 Euro zu tragen. Für die Sachsenhäger Einwohner beträgt die addierte Pro-Kopf-Verschuldung 1303 Euro.

Diese Zahlen stehen nur auf dem Papier. Behrens ist sich „eigentlich sicher“, dass die Wirtschaftskraft der Mitgliedskommunen ausreicht, um die Schulden dauerhaft zu stemmen. Sollte das nicht der Fall sein und eine der Mitgliedskommunen würde zahlungsunfähig, müsste die Samtgemeinde einspringen. Im umgekehrten Fall – bei einer Zahlungsunfähigkeit der Samtgemeinde – würden hingegen nicht die Mitgliedskommunen herangezogen. Für die Schulden müssten das Land Niedersachsen oder die Bundesrepublik Deutschland aufkommen. jpw

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