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Samtgemeinde Sachsenhagen Samen nach Postleitzahl
Schaumburg Seeprovinz Samtgemeinde Sachsenhagen Samen nach Postleitzahl
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18:18 15.05.2018
Trockenmauer als Refugium: Eckhard Seidel besichtigt die Baustelle an der Streuobstwiese. Quelle: jpw
Samtgemeinde Sachsenhagen

Es ist eine der schönsten Aussichten in Schaumburg. Doch Eckhard Seidel, Vorsitzender des Naturschutzbundes Samtgemeinde Sachsenhagen (Nabu) kümmert der großzügige und sonnenbeschienene Blick hinunter vom Ortsrand Bergkirchen bis zum Steinhuder Meer kaum.

Er hat im Moment nur Augen für die 30 hochstämmigen Obstbäume auf der Wiese vor ihm. „Wir bemühen uns, bei der Anlage der Wiesen alte Sorten zu finden, die wir noch nicht haben.“ Aber nicht der Sammlertrieb treibt Seidel und den gesamten Nabu der Samtgemeinde Sachsenhagen an, sondern das Bemühen, die althergebrachten Streuobstwiesen am Nordrand der Rehburger Berge zu schützen oder auch neu anzulegen.

Rund 210 Bäume stehen inzwischen auf 3,5 Hektar Land, verteilt auf mehrere Wiesen in Bergkirchen und Wiedenbrügge-Schmalenbruch. Seidel hat das umfangreiche Projekt vor Jahren „Naturräumliche Entwicklung des Nordhanges der Rehburger Berge“ genannt.

Zerstörungen durch Tierhaltung

Ein großer Anspruch, der 1996 mit einer Obstwiese und der Erkenntnis begann, dass der Nordhang der Rehburger Berge, dort, wo die Norddeutsche Tiefebene ihr Ende findet, früher eher kleinräumig bewirtschaftet wurde. Insbesondere Pferde- und intensive Rinderhaltung zerstörten nach Ansicht des Vorsitzenden die Flächen und bewirkten Artenarmut in der Vegetation.

Streuobstwiesen haben im Landkreis Schaumburg keinen Schutzstatus“, erläutert Seidel den Grund, die Flächen nicht zu pachten, sondern zu kaufen. Das Projekt sei nur sinnvoll, wenn es nachhaltig angelegt sei: „Mindestens eine Baumgeneration von 50 bis 80 Jahren muss dort alt werden können.“

Vorgesorgt hat der Nabu auch: Selbst bei einer eventuellen Auflösung des Vereins fallen die Flächen an den Kreis- oder Landesverband. Zudem haben viele der Bäume einen Baumpaten, der durch eine Spende das Recht an der Obsternte erworben hat. Alljährlich im Herbst veranstaltet der Nabu den Bergkirchener Apfeltag. Mit Hilfe einer mobilen Mostpresse wird der verbleibende Teil der Ernte zu hochwertigem Apfelsaft verwandelt.

Mauer aus Obernkirchener Sandstein

Derzeit bauen Handwerker an der Streuobstwiese an der Holzstraße in Wiedenbrügge eine nach Süden ausgerichtete Trockenmauer aus Obernkirchener Sandstein. Sie soll als Lebensraum für Blindschleichen, Eidechsen, Kröten, Mäuse, Hummeln und Wildbienen und andere Tiere dienen, die sich schon jetzt auf dem vor drei Jahren angelegten Grünland deutlich vermehrt haben.

Hochstämmige Obstbäume ermöglichen das zweimalige Mähen mit dem Balkenmäher im Jahr. „Insekten haben die Möglichkeit, vor dem Mähen aufzufliegen, was beim Kreiselmäher nicht geht“, berichtet Seidel. Reich gedeckt ist auf diese Weise auch der Tisch für Schwalben und Mauersegler. „Beim Mähen scharen sich 20 Schwalben um den Trecker“, hat Seidel beobachtet. Zudem werde die Wiese nicht rasiert, sondern es blieben die kleinen Pflänzchen stehen, was die Lebensgrundlage für eine vielfältige einheimische Fauna bildet.

Die Saat für die angrenzende Wiese hat der Nabu bei einer Firma bestellt, die sich auf regionale Mischungen spezialisiert hat: „Wenn man dort bestellen will, wir man immer erstmal nach der Postleitzahl gefragt“, sagt Seidel. Für die „fetten, norddeutschen Böden“ hat er die richtige Mischung bekommen, auch wenn die Wiese zu dieser Jahreszeit noch grün ist, wird sie in den nächsten Monaten einige bunte Blüten treiben. jpw