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Seeprovinz 300 Mitarbeiter erhalten Kündigung
Schaumburg Seeprovinz Seeprovinz 300 Mitarbeiter erhalten Kündigung
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16:03 13.07.2018
Für das Werk stehen noch viele Entscheidungen aus. Quelle: göt
Bokeloh

Mehr als 300 Briefe werden noch in diesem Monat an Mitarbeiter des Kaliwerks Sigmundshall hinausgehen, die dann erfahren, dass es für sie über das Jahresende hinaus keine Zukunft mehr auf dem Schacht in Bokeloh geben wird. Damit ist dann klar, dass sie nicht zu den Beschäftigten auf 220 Vollzeitstellen gehören werden, die in den nächsten drei bis vier Jahren noch für den Rückbau und den Weiterbetrieb der Rekal-Anlage benötigt werden.

Werk schließt früher als geplant

Mit den Änderungskündigungen sollen die Betroffenen aber Angebote für Arbeitsplätze an anderen Standorten des Konzerns bekommen. Offen ist aber, in welchem Umfang sie darauf eingehen, und wie genau die Konditionen sind, wenn sie sich gegen einen Umzug entscheiden. Nach dem Beschluss der Konzernführung vom November, das Werk wegen seiner fehlenden Wirtschaftlichkeit schon früher als geplant zu schließen, wurde im Mai ein Interessenausgleich zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber unterzeichnet, in dem unter anderem die Auswahlrichtlinien für die Versetzungen einvernehmlich festgelegt wurden. Danach haben sie sich aber nicht auf einen Sozialplan einigen können, der die entstehenden wirtschaftlichen Nachteile im Falle einer Kündigung abfedern soll.

Mitarbeiter wollen höhere Abfindung

Der Arbeitgeber hatte für die Abfindungen einen Faktor von 0,7 Monatsgehältern pro Beschäftigungsjahr vorgeschlagen, wollte aber eine Kappung bei 18 Gehältern. „Nach unserem Empfinden kann das für ein Unternehmen im MDAX nicht angemessen sein“, sagt die Betriebsratsvorsitzende Annegret Brandes. Die Mitarbeitervertretung will einen höheren Faktor und keine Kappung. Nach dem Scheitern der Sozialplanverhandlungen wurde nun eine Einigungsstelle angerufen, der Wilhelm Mestwerdt, Präsident des Landesarbeitsgerichts, vorsitzen wird. Erwartet wird, dass sich noch im Juli erstmals tagt und bald eine Entscheidung trifft.

Wechsel ist "Frage der inneren Bereitschaft"

Enttäuschend fand Werksleiter Gereon Jochmaring, wie wenige Beschäftigte selbst die Initiative ergriffen haben, sich nach Alternativen umzusehen. Vor dem formalisierten Verfahren, das jetzt läuft, haben sich von den insgesamt gut 700 Beschäftigten knapp 100 freiwillig andere Positionen im Konzern gesucht, 30 wechseln den Arbeitgeber ganz. Den Umzug zu anderen Werken unterstützt das Unternehmen mit 10 000 bis 40 000 Euro. „Aber es ist vor allem eine Frage der innerlichen Bereitschaft, sich auf einen Wechsel einzulassen“, meint Jochmaring.

Derzeit läuft das Auswahlverfahren

K+S hat aber auch durchaus das Interesse, etliche Fachkräfte im Unternehmen zu halten. Mit einer Bleibeprämie von jeweils 4000 Euro im Juli und Dezember will das Unternehmen zumindest noch bewirken, dass die Personaldecke in Bokeloh bis zum Jahresende ausreichend stark bleibt.
Wer bleibt noch ein paar Jahre auf dem Schacht, und wer muss gehen? Es läuft derzeit das Auswahlverfahren, in dem sich die persönlichen Schicksale klären werden. „Diese Information hätten aber frühzeitiger erfolgen müssen. Nichts ist schlimmer als die Ungewissheit“, sagt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Uwe Osterloh. Schon früher eine „Daumenpeilung“ mitzuteilen, wäre nach Jochmarings Ansicht aber auch nicht machbar gewesen, zumal viele sich ändernde Faktoren eine Rolle spielen. So sind noch Klagen möglich und 60 Mitarbeiter hätten auch die Möglichkeit, in unterschiedliche Formen des Ruhestands zu wechseln.

Konzept für Rückbau

Das Konzept für den Rückbau ist im Groben klar. Maschinen und Leitungen werden aus der Grube geholt, die dann mit Rohsalz verfüllt und am Ende geflutet wird. Die Rekal-Anlage zur Aufarbeitung von Aluminium-Salzschlacken wird noch etwa 15 Jahre in Betrieb bleiben, das entsprechende Genehmigungsverfahren läuft.
Zu der Frage, wie das Werksgelände künftig sonst noch genutzt werden kann, laufen Prüfungen. Fest steht aber wohl: Zum 1. Januar 2019 werden die neuen Anlagen noch nicht fertig sein, und fraglich ist auch, ob die bisherigen Qualifikationen der Mitarbeiter dort weiter gefragt sein werden. sok/göt