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Seeprovinz Das Wasser bleibt drin
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17:40 11.09.2017
SEEPROVINZ

Wie Lustfeld das Wehr in der Nähe von Mardorf zu bedienen hat, gibt der Betriebsplan für das Steinhuder Meer vor. Danach muss ein Normalwasserstand von 38 Metern über Normalnull (NN) angestrebt werden. Die Toleranzgrenze liegt bei 38,05 Metern über NN. In einem solchen Fall ist Lustfeld gehalten, das Wehr zu öffnen, bis 38 Meter NN wieder erreicht werden.

Lustfeld braucht für die Regelung des Wasserstandes Fingerspitzengefühl – und ein dickes Fell. Denn je nach Meereshöhe bekommt er Beschwerden, Segler beschweren sich gegebenenfalls über zu wenig und Landwirte über zu viel Wasser.

Doch in diesem Jahr sei kein Anruf gekommen, freut sich der Geschäftsführer. „Es hat immer gepasst“, meint Lustfeld. Über den Sommer gesehen habe der Wasserstand auch nur um acht bis zehn Zentimeter geschwankt. Bis zu 30 Zentimeter hätten die Schwankungen auch schon in den Vorjahren betragen.

Bei Normalwasserstand muss der Kreisverband eine bestimmte Menge Wasser aus dem Meer in den Meerbach laufen lassen, um diesen nicht trocken fallen lassen und der Flora und Fauna zu schaden. Zudem benötigt das Klärwerk in Rehburg den Meerbach als Vorfluter.

Zudem, so ist in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich geworden, lösen sich an warmen und windigen Sommertagen bis zu 360.000 Tonnen Wasser buchstäblich in Luft auf. Gegenüber der Abflussmenge des Meerbachs entsteht ein Verhältnis von 95:5.

In den Augen Lustfelds haben auch die Verwallungen insbesondere im Bereich des Hagenburger Moores einen weiteren Test bestanden. Vor ihrem Bau lief dort Wasser aus dem Steinhuder Meer in die Wiesen. Jetzt nicht mehr: „Wir konnten beobachten, dass nach heftigeren Regenfällen zuerst die Gräben und dann der Spiegel des Meeres um drei bis vier Zentimeter anstieg.“ Das Wasser bleibt also drin. Auch der Südbach, der Teile von Steinhude entwässert und nördlich um das Meer herum geführt wird, musste kein austretendes Wasser aus dem Meer aufnehmen. „Der war so trocken“, sagte Lustfeld, „dort konnte man in manchen Phasen fast mit Halbschuhen durchgehen.“

Die Freude über den passenden Sommer verspürt Lustfeld übrigens nur beruflich, als quasi private Anmerkung hängt er hinten dran, was vielleicht den Touristikern am Meer die Laune verdorben hat: „Ein richtiger Sommer ist das nun nicht gewesen.“

jpw