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Ein „Klick“ für jede Ente

Seeprovinz / Wasservögel Ein „Klick“ für jede Ente

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten, jenem Fest also, das letztlich von Kaiser Augustus ausgelöst wurde. Von ihm ging schließlich vor 2012 Jahren das Gebot aus, dass sich alle Welt schätzen lassen möge. Sowas Ähnliches ereignet sich an diesem dritten Advent auch am Steinhuder Meer. Das Gebot, sich schätzen zu lassen, geht jedoch nicht von Kaiser Augustus aus, sondern vom Naturschutzbund (Nabu) Wunstorf. Und gezählt wird auch nicht alle Welt, sondern ausschließlich Wasservögel, die am Steinhuder Meer rasten.

Seeprovinz (ab). Zwischen September und März rücken Nabu-Aktivisten einmal im Monat zum Steinhuder Meer aus, um Wasservögel zu zählen. An diesem bleigrauen, regenschwangeren Sonntag sammelt sich ein halbes Dutzend von ihnen auf dem Parkplatz hinter den Steinhuder Strandterrassen. Karl-Heinz Nagel verteilt sie auf die Beobachtungspunkte, die sich um das Steinhuder Meer reihen. Seit 1967 - da war er 14 - interessiert er sich für die Vogelwelt. „Wir sind Ornithologe der alten Schule“, sagt er, „die neue Generation ist - wie soll ich sagen? - doch sehr erlebnisorientiert. Die suchen im Internet, wo man besonders spektakuläre Beobachtungen machen kann, schließen sich dann zu Gruppen zusammen und fahren hin.“

Karl-Heinz Nagel hat den Abschnitt „Seemitte“ übernommen. Mitten auf den Strandterrassen baut er sein Spektiv auf, das 20- bis 60fache Vergrößerungen erlaubt. Schnell stößt er auf Enten, die sich zur Rast eine eisfreie Stelle gesucht haben. Während er durch das Spektiv linst, hält er einen Zählapparat in der Hand. „Klick“ macht er für jede Ente, auf 720 kommt er schließlich.

Die Zählung soll den Ornithologen Erkenntnisse über den Artenbestand und sein Verhalten geben. Karl-Heinz Nagel kann um Beispiel aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung heraus ableiten, dass die Zahl der Tauchenten in letzter Zeit abnimmt. Einige vermuten, dass das mit der Entschlammung des Steinhuder Meers zusammenhängt, die den Tauchenten das Futter - Schnecken, Muscheln - nimmt. Nabu-Mann Nagel hält für wahrscheinlicher, dass der Klimawandel die Winter so milde macht, dass die Tauchenten auch in Polen und Schweden bleiben können. „Die sind ja auch nicht dumm: Warum sollten sie weiter fliegen als nötig?“

Nun zieht Karl-Heinz Nagel weiter zu der Brücke, die auf die Badeinsel führt. Hier sitzen einige Gänsesäger und 180 Stockenten. Die Gänsesäger-Männchen sind gut zu identifizieren: weißes Gefieder mit schwarzem Rückern, grüner Kopf, dazu der sägeförmige Schnabel. Hier bekommt Karl-Heinz Nagel ein Phänomen vor das Spektiv, das ihm nach eigenem Bekunden noch nie begegenet ist: Ein Haubentaucher ist auf dem Eis gelandet statt im Wasser. Weil er seinen Flug nur aus derm Wasser starten kann, wird er von dieser „Absturzstelle“ nur schwer wieder wegkommen. 

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