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Gedenktafel für Opfer der „Hexen“-Prozesse enthüllt

Theologische Irrwege Gedenktafel für Opfer der „Hexen“-Prozesse enthüllt

 29 Namen auf einer Tafel erinnern nun im Kloster Loccum an Opfer der „Hexen“-Prozesse im Kloster-Stiftsbezirk des 16. und 17. Jahrhunderts.

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Loccum (ade). „Wir können und wollen dieses Kapitel nicht verdrängen“ – Was Ludolf Ulrich, einer der Konventualen des Klosters Loccum, vor der noch verhüllten Gedenktafel an der ehemaligen Frauenkapelle sagte, zog sich durch den ganzen Abend. Nicht verdrängen, sondern darauf aufmerksam machen, dass es in den Jahren 1581 bis 1660 insgesamt 53 Prozesse gegen Frauen und Männer gab, die der Hexerei bezichtigt wurden, und bei denen das Kloster die Gerichtsbarkeit hatte.
Zur Enthüllung der Tafel und der anschließenden Hora in der Kirche kamen mehr als 100 Menschen. Das Interesse an der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels in der Klostergeschichte ist offenbar auch nach Jahrhunderten noch groß. Auf der Tafel sind die Namen derjenigen verzeichnet, die verurteilt und hingerichtet oder während der Haft im Kloster gestorben sind. Weitere Namen könnten später durchaus noch hinzukommen, sagte Ulrich.
Die Vorgeschichte der Gedenktafel ist an jenem Abend von mehreren Seiten erzählt worden: Von Abt Horst Hirschler, der Bezug nahm auf seine Wiederentdeckung der Prozessakten in den siebziger Jahren und von Dieter Hüsemann, ehemals Bürgermeister Rehburg-Loccums und einer derjenigen, die sich maßgeblich dafür einsetzten, dass das Kapitel der Hexenprozesse aufgearbeitet wird. Die Referenten führten unter anderem aus, dass die Prozesse in erster Linie aus der Bevölkerung heraus angestrengt worden seien und zwischen weltlicher und geistlicher Macht unterschieden werden müsse. Als weltliche Oberhäupter hätten die Äbte also die Prozesse angestrengt. Mit ihrer geistlichen Funktion habe das nichts zu tun gehabt.
Für viele der Teilnehmer sei das der Grund gewesen, sagte Hüsemann, sich innerhalb einer selbst organisierten Seminarreihe noch weiter mit dem Thema zu beschäftigen.
„In Demut sehen wir, welche Irrwege Theologie und Kirche gehen können“, hatte Arend de Vries, Prior des Klosters, in der Hora zuvor gesagt und hinzugefügt: „Wir bitten Gott, dass er uns vor Irrtum und Unrecht bewahren möge. Das Unrecht, das wir beklagen, soll uns zugleich Mahnung sein, heute nicht wegzuschauen, wenn Menschen verleumdet, Zuflucht-Suchende verunglimpft, Außenseiter und Fremde bedroht werden.“

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