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Kanzlerin Merkel auf Stimmenfang in Steinhude

Rede vor 1800 Menschen Kanzlerin Merkel auf Stimmenfang in Steinhude

Mehr Polizisten, Europa als Friedensversicherung, Steuersenkungen: Bei ihrer Wahlkampfrede vor rund 1800 Menschen – eine Schätzung der Polizei – am Steinhuder Meer hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag ein breites Spektrum abgedeckt. Von ein paar Zwischenrufern ließ sie sich nicht stören.

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Etwa 1800 Menschen haben die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel verfolgt, die gemeinsam mit Bundeministerin Ursula von der Leyen nach Steinhude gekommen ist.

Quelle: rg

Steinhude. Schon anderthalb Stunden vorher waren die Plätze hinter dem abgesperrten Innenbereich vor der Bühne fast vollständig besetzt. Die CDU hatte Holzbänke aufgestellt und aus Berlin ein Dach mitgebracht, um Regen abzuwehren – doch der Himmel hielt dicht.

Gerüchteweise war zu hören, dass die Kanzlerin auf dem Fliegerhorst Wunstorf landen würde – eine Bestätigung dafür gab es nicht. Dann war sie da. Im olivgrünen Blazer und schwarzer Hose kam sie auf die Bühne. Ohne Musik, man ließ es ruhig angehen nach dem Terroranschlag in Barcelona und gedachte der Opfer zu Beginn mit langen Sekunden des Schweigens.
Es folgte eine Rede, gestört mitunter von einigen rechten Rufern, ein Dutzend vielleicht, mit Plakaten („Köln ist überall“), aber die Kanzlerin blieb geduldig: „Das bisschen Geschrei können wir aushalten, wir leben in einer Demokratie. Manche schreien eine Stunde, andere bewältigen Probleme.“ Die Leute auf den Bänken waren begeistert.

Offen für Neues

Vieles kam vor in Merkels Text. Sie dankte Polizisten und Soldaten für deren Arbeit, sagte: „Wir brauchen mehr Polizisten“, was die Zuhörer mit langem Beifall bedachten. Merkel lobte Deutschlands Ehrenamtliche, auch die Flüchtlingshelfer, „aber es ist besser, den Menschen vor Ort ein besseres Leben ermöglichen, als sie auf die Flucht zu schicken“. Europa nannte sie eine Versicherung für Frieden.
Für die Zukunft sicherte Merkel zu, Steuern für mittlere und kleine Einkommen zu senken. Von der Autoindustrie forderte die Kanzlerin, „alles zu tun, was in ihrer Kraft liegt, um Fehler wieder gut zu machen, ohne Steuergelder“ und in moderne Technologie zu investieren.

Ein weiteres Thema war Niedersachsen und dessen „Chaos in der Bildungspolitik“. Merkels Idee dazu: „Ein Wechsel würde Niedersachsen guttun.“ Sie sagte, Kinder müssten die beste Bildung bekommen, die möglich sei. Dann, keine Überraschung: Merkel will wieder Kanzlerin werden. „Ein bisschen Erfahrung habe ich schon, es sind schwierige Zeiten, ich bin offen für Neues.“ Rhythmisches Klatschen zum Schluss.

Mehr Lehrer

Zuvor attackierte Bernd Althusmann, der Mann, der im Oktober Ministerpräsident werden will, die rot-grüne Landesregierung für deren Bildungspolitik. Er brachte ein Versprechen mit: „Ich werde eine Unterrichtsgarantie geben, damit in Niedersachsen kein Unterricht mehr ausfällt. Lehrer müssen langfristig so eingestellt werden, dass genügend Lehrer da sind.“
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Spitzenkandidatin der Union für den Bundestag, sagte in Richtung SPD, deren Kandidat Martin Schulz habe in Brüssel „wohl nicht mitbekommen, was dieses Land inzwischen geschafft hat“. Sie nannte die wirtschaftliche Lage und das hohe Niveau der Beschäftigung: „44 Millionen Menschen haben Arbeit.“

Von Gunnar Menkens

Urlaubsort im Fokus der Öffentlichkeit

Bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag um 16.50 Uhr zur Wahlkampfkundgebung vor den Steinhuder Strandterrassen einmarschiert ist, hat sie sich in das goldene Buch der Stadt eingetragen.

Kurz nach 14 Uhr liefen noch die letzten Vorbereitungen, die Ordner werden eingewiesen und Prospekte verteilt. Rund um den abgesperrten Bereich machen die Imbissbuden indes schon gut Umsatz. Die 350 abgesperrten Plätze für die geladenen Gäste sind gut gefüllt. Viele CDU-Funktionäre und Mandatsträger aus der Region nutzen die Chance, die Kanzlerin zu sehen.
Zuvor haben die Bundestags-Direktkandidaten der CDU ihre Ziele vorgestellt. Der hiesige Bundestagsabgeordnete Maik Beermann erklärt, er wolle vor allem die Digitalisierung vorantreiben. Lokalmatador Hendrik Hoppenstedt bekommt Applaus, als er für die Wunstorfer Nordumgehung stark macht.

Was bleibt für Steinhude?

Was bleibt für Steinhude durch eine solche Veranstaltung? Wie groß der nachhaltige Effekt für den Urlaubsort sein wird, vermag Ortsbürgermeister Wilhelm Bredthauer (SPD) noch nicht einzuschätzen. „Aber wenn Steinhude in den Medien erwähnt wird, fühlt sich vielleicht jemand bestätigt, der überlegt uns zu besuchen.“

Willi Rehbock, Geschäftsführer der Steinhuder Meer Tourismus GmbH, sieht das ähnlich: „Wir rücken durch den Besuch in den Fokus der Öffentlichkeit, und das ist gut.
Eine wichtige Rolle dafür, dass Merkel auf ihrer Bädertournee überhaupt nach Steinhude gekommen ist, hat der frühere Poggenhagener Steffen Preugschat gespielt. Er wohnt seit neun Jahren in Berlin und arbeitet in der Bundesgeschäftsstelle der CDU.

Nach dem Auftritt musste Merkel direkt zur nächsten Rede nach Herford weiter. Als Geschenk nahm sie Tischwäsche aus der Steinhuder Weberei Seegers mit, die auch schon das Bundespräsidialamt als Kunden hat. sok

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