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58-jähriger Wölpinghäuser will wieder arbeiten

Aus dem Leben gerissen 58-jähriger Wölpinghäuser will wieder arbeiten

Bernd Kuchta hat der Schlag getroffen: „Ich wollte aufstehen und zur Arbeit – und dann ging gar nichts mehr.“ Der heute 58-Jährige erinnert sich noch lebhaft an die Zeit nach dem 7. April 2013, das Datum, an dem er aus seinem bisherigen Leben gerissen wurde.

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Bernd Kuchta will zurück ins Leben.

Quelle: jpw

Wölpinghausen. Einem Leben, in dem Kuchta gerne überall dabei war, mit anfasste, wenn er gebraucht wurde. Und plötzlich, nach einer Gehirnblutung, funktionierte nicht mehr viel, gelähmt auf der rechten Körperseite, das Sprechen fiel schwer.

Für den Wölpinghäuser, der bis zu seinem Schlagabfall seine Krankenkasse, die AOK, eigentlich nur von den Beiträgen her kannte, begann schon in der Klinik und Reha ein Papierkrieg. „Ich habe nicht viel verstanden“, räumt er heute ein, zum einen sei er vom Schlaganfall noch beeinträchtigt gewesen, zum anderen stünden in den Briefen ohnehin nur lauter Paragraphen.
„Beeinflussen lassen“ habe er sich.

Die Aussage, dass er irgendwann plötzlich gar kein Geld mehr bekommen könnte, habe ihn dazu gebracht, selbst einen Rentenantrag zu stellen. Diesen könnte man ja immer noch widerrufen, hieß es. Die AOK wies ihn zudem schriftlich darauf hin, dass sein „Dispositionsrecht“ eingeschränkt sei. „Ich habe erst einmal meine Frau googeln lassen, was das überhaupt heißen könnte.“

AOK-Sprecher Carsten Sievers sieht seine Kasse im Recht. Die Rentenversicherung habe bereits nach dem zweieinhalbwöchigen Krankenhausaufenthalt die anschließende Reha abgelehnt, da eine Aussicht auf spätere Arbeitsfähigkeit nicht zu erwarten gewesen sei: „Wir haben daraufhin die rund drei Monate andauernde Rehabilitationsmaßnahme übernommen.“ Sowohl die Ärzte der Rehaklinik als auch medizinische Gutachter hätten nach der Entlassung die Arbeitsfähigkeit verneint.

Wegen verminderter Erwerbsfähigkeit bewertete die Rentenversicherung Kuchtas Reha-Antrag als Rentenantrag und bewilligte im April 2014 rückwirkend zum November 2013 die Erwerbsminderungsrente. Alles zu schnell, wie Kuchta heute meint: „Ich beziehe jetzt monatlich 800 Euro Erwerbsminderungsrente statt rund 1800 Euro Krankengeld, das mir zugestanden hätte.“

Damit will sich der Wölpinghäuser nicht begnügen. Er befindet sich nach eigener Aussage auf dem Weg der Besserung und will unbedingt wieder arbeiten: „Nur die Feinmotorik braucht noch Zeit.“

Sein früherer Arbeitgeber, eine Sicherheitsfirma, würde ihn gesund wieder zurücknehmen. Das hat er schriftlich im Aktenordner, der inzwischen beachtlich angewachsen ist. Auf der rechten Seite kann Kuchta noch keine Waffe tragen, wie er sie für seinen bisherigen Dienst brauchen würde. Für ihn ist das nicht wichtig: „Ich kann aber einen Job als Pförtner ausüben“, sagt er.

Kuchta hat sich längst einen Anwalt genommen und wehrt sich gegen die Verrentung. Der Rentenversicherung wirft er vor, ihn ohne weiteres Gutachten und nur nach Aktenlage beurteilt zu haben. Kuchtas Rechtsanwalt Hartmut Naue sieht Erfolgschancen, hält das Verfahren der Rentenversicherung für angreifbar. Er will erreichen, dass der Rentenbescheid aufgehoben wird und sein Mandant auch seinen Anspruch auf die volle Zeit des Krankengeldbezuges erhält.

Das Gerichtsurteil hängt jetzt für Kuchta von einem ärztlichen Gutachten ab, das die Rentenversicherung beauftragte: „Dort musste ich auch meine Reha-Unterlagen mitbringen“, wundert er sich. „Ich dachte, die würden sich ein eigenes Urteil bilden.“ jpw

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