Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Schaumburger Toskana

SN-Ortsspaziergang Schaumburger Toskana

Wie gut kennen Sie Ihren Ortsteil? Oder den Ihrer Freunde? Finden Sie‘s raus – unterwegs mit Sachkundigen beim SN-Ortsspaziergang. In unserer Sommerserie geht es heute durch Wölpinghausen. Ein Rundgang mit dem stellvertretenden Bürgermeister Uwe Brinkmann.

Voriger Artikel
Die letzte Hürde
Nächster Artikel
Fahrer bleiben unverletzt
Quelle: ano

WÖLPINGHAUSEN. Trotz seiner nur etwa 1600 Einwohner ist Wölpinghausen flächenmäßig der größte Ort in der Samtgemeinde Sachsenhagen. Allerdings ist die sich auf 18 Quadratkilometer erstreckende und je nach Definition bis zu sieben Teile umfassende Gemeinde in Sachen Einwohner erheblich geschrumpft.

Uwe Brinkmann, der stellvertretende Bürgermeister, erklärt: „Wölpinghausen hat im vergangenen Jahrzehnt etwa zehn Prozent seiner Bevölkerung verloren. Wir verzeichnen weniger Zuzüge als Wegzüge und sind stark von dem demografischen Wandel betroffen.“ Die Folgen der Entwicklungen seien vielfältig. „Wir haben etwa keine Gaststätte mehr im Ort.“

Ein Wanderurlaub in Wölpinghausen

Auch bei der jüngeren Generation ist es in der Vergangenheit zu erheblichen Einschnitten gekommen. Nach der Kindergartenzeit müssen sie zum Schulbesuch nach Sachsenhagen. Die Zeit der Wölpinghäuser Grundschule ist lange vorbei. In der 1908 eröffneten Bildungseinrichtung wurde während der achtziger Jahre die letzte Klasse ausgeschult. Der CDU-Politiker, seit 2014 Leiter eines Ingenieurbüros, erinnert sich: „Das war damals ein riesiges Politikum.“ Während sich eine Grundschule noch in direkter Nähe befindet, geht es für einen weiterführenden Schulbesuch weiter weg, in erster Linie nach Stadthagen und Lindhorst.

Während es bei der Infrastruktur inzwischen recht mau aussieht, gibt es in anderen Bereichen erhebliche Steigerungen. Aufgrund seiner Lage in hügeliger Umgebung, die Wölpinghausen den Beinamen „Schaumburger Toskana“ eingebracht hat, ist die Gemeinde bei bestimmten Urlaubergruppen sehr gefragt: „Wir haben viele Aktivurlauber und Wanderer. Eine Wanderroute wird demnächst fertig.“ Für externe Besucher stehen rund 100 Betten zur Verfügung. Sie können sich auch über architektonisch interessante Gebäude wie das Mattesschlösschen von 1897 oder das Haus Nr. 20, einen alten Fachwerkhof, freuen.

Weiter als das Auge reicht

Überregional bekannt ist die Gemeinde für ihre Aussicht. Vom Jahrtausendkreuz aus schweift der Blick über das weitläufige Gelände. Bei gutem Wetter kann man in einer Richtung bis zur Westfälischen Pforte sowie dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal schauen, in der anderen Richtung weit ins Schaumburger Land.

Zudem bietet Wölpinghausen ein ausgeprägtes gesellschaftliches Leben, zu dem 29 Vereine ihren Beitrag leisten. Brinkmann: „Die Gemeinde bietet viele Aktivitäten sowie Freizeitmöglichkeiten. Unter anderem das jährliche Fußballturnier in der Grünen Mitte.“

Ein letzter Blick auf Schaumburg

Wie viele andere Orte in Schaumburg ist Wölpinghausen eine Schützenhochburg. Das dazugehörige Fest findet immer im Juli auf dem Festplatz in der Meeresblickstraße statt. Ebenso spielt der Karneval eine herausragende Rolle. Eine große Bedeutung für die Wölpinghäuser Geschichte besitzt Graf Wilhelm (1724 bis 1777), der seine letzten Lebensjahre in dem Ort verbracht hat und nach dem auch das Wölpinghäuser Infanterieregiment benannt ist.

Zu seinen Lebzeiten hatte der Adlige die Wirtschaft in der vormals sehr armen Gegend in erheblicher Weise angekurbelt. Der Graf förderte unter anderem die Zuwanderung von Ausländern, die Gartenland erhielten. Desweiteren propagierte der die Leinen-Verarbeitung, um den besitzlosen Schichten ein besseres Auskommen zu ermöglichen. Vor allem viele Bergkirchener waren als Hausweber für die Steinhuder Webereien tätig. Einem Nachfahren des Adligen, dem Fürsten Wolrad, dessen Namen eine Wölpinghäuser Straße trägt, lag die Gemeinde sogar nach dem Tod noch am Herzen. Brinkmann: „Er hat verfügt, dass der Zug bei seinem Begräbnis nochmal anhalten sollte, damit er einen letzten Blick auf sein Schaumburger Land werfen kann.“  ano

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die SN suchen kreative Schaumburger. Ob Fotografie, Farbe, Skulpturen oder was die Kunst sonst alles hergibt: Unter dem Motto „Schaumburg kreativ“ suchen die Schaumburger Nachrichten auch in diesem Jahr nach Künstlern in der Region. mehr

Online suchen, Angebot finden, einkaufen gehen: Das steckt in Kurzform hinter „Kauf hier – lokal & digital“. Eine Auswahl aktueller und preislich besonders attraktiver Produkte finden Interessierte stets auf unserer Homepage... mehr

Schaumburg