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Wölpinghausen Vom Knuel und einem Weltrekord
Schaumburg Seeprovinz Wölpinghausen Vom Knuel und einem Weltrekord
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00:26 15.06.2015
Durch die Finger gleiten: Heinrich Brinkmann sortiert die Seile. Quelle: jpw
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Wölpinghausen

Wölpinghausen. Vor Begeisterung fielen die zehn Teilnehmer ins Hochdeutsche, was eigentlich eher nicht sein soll, an einem Plattdeutschen Abend beim „Infanterieregiment Graf Wilhelm“. „Na ja, das ist doch hier jetzt so technisch“, sagte Horst Priebe entschuldigend, während er gemeinsam mit den anderen in einer Reihe zusah, dass sich dünne Seile nicht verdrehten, während sie zu dickeren gedrillt wurden.

Werner Hermann, der die „Oberaufsicht“ trägt, hatte am Freisitz des Schützenvereins noch auf Platt begonnen, mit einem dicken „Knuel“ unter dem Arm und zur Begrüßung gleich erläutert, worum es gehen sollte – „Reepe machen“, hieß das Motto. Das Arbeitsgerät war bereits aufgebaut und so verlor Heinrich Brinkmann nicht viel Zeit, um die ersten Hanfseile in das Geschirr, einem Gerät mit vier Haken, den Warbeln, einzuspannen. Auf dem beweglichen Schlitten an der anderen Seite nahm zunächst Jörg Vogt Platz, der als Gehilfe die Seile per Kurbel drehte. So richtig stramm sollte das Seil werden, deshalb kurbelte auch ein Gegenüber auf der anderen Seite, manchmal von kurzen „Halt-Rufen“ unterbrochen, wenn sich das Seil auf der kurzen Bahn wieder einmal verdreht hatte und nicht durch die Lehre rutschen wollte.

Doch unter den Augen von Brinkmann klappte es, die Männer wanden immer längere Stücke, mit denen sich Brinkmann zurückzog, um deren Ende sorgsam zu einem Auge zu verknoten, damit sie sich nicht von selbst wieder aufdrehten. Nebenbei gab es Geschichten von „Ahnseilen“, Seilen auf Erntewagen, die den „Weserboom“ hielten.

Zum „Weltrekord von Wölpinghausen“ trieb Alwin Bartling die Gruppe und setzte den Schlitten schließlich bis fast auf die Straße. Alle, auch die Frauen, die sich aus der Reepschlägerei, dem Männerhandwerk, bis dahin eher traditionell fast ganz rausgehalten hatten, mussten mit anfassen, das Seil über die Hände gleiten lassen, damit es sich nicht verknotete. Gute 22 Meter maß das Seil schließlich: „Da kann man“, befand Uli Dankwerth schließlich, „schon richtige Schiffe dran anbinden“.

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